Tagebau: Sorgen und Probleme benannt

Von: hewi
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Ortstermin am Aussichtspunkt in Jackerath: Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Foto: Helmut Wichlatz
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Von der Umsiedlung betroffen: die Noch-Immerather Clarissa Böhlig und Lars Zimmer mit Sohn Kenan.

Erkelenz. Der Braunkohletagebau wird einen notwendigen Strukturwandel in der Region zur Folge haben. Dessen ist man sich im Rheinischen Revier bewusst. In Berlin ist das Thema aber noch nicht angekommen. Die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt besuchte Erkelenz, um sich vor Ort ein Bild zu machen und mit Betroffenen zu sprechen.

Göring-Eckardt stammt aus Ostdeutschland und ist mit der Thematik Tagebau – Stichwort Lausitz – durchaus vertraut. Im Rheinischen Revier ergibt sich nun aber die Situation, dass der Tagebau Garzweiler II ausläuft und nicht weitergeführt wird. Die Anrainer-Kommunen Erkelenz, Mönchengladbach, Jüchen und Titz befinden sich in der Gründungsphase eines Zweckverbandes, der sich um die Zukunftslasten des Tagebaus kümmern soll. Denn die Folgen des Tagebaus werden die Region noch einige Jahrzehnte lang beschäftigen.

Am sogenannten „Skywalk“, der Aussichtsplattform bei Jackerath, verschaffte sich die Parteichefin zunächst einen Überblick über das Ausmaß des Lochs, das einmal ein See sein soll. Empfangen wurde sie dort unter anderem von Hans Josef Dederichs.

Der grüne Landtagskandidat ist selbst von der letzten tagebaubedingten Umsiedlung in Erkelenz betroffen, in der kommenden Woche beginnen die Entschädigungsverhandlungen mit RWE Power. Reiner Priggen gab noch einmal einen Überblick über die Geschichte des Tagebaus und des Widerstandes dagegen.

Vom „Skywalk“ aus ging es nach Immerath, wo derzeit noch rund 30 Menschen in dem schon teilweise rückgebauten Ort leben. Darunter ist auch die Familie von Lars Zimmer und Clarissa Böhlig. Sie leben mit ihren drei Kindern noch in ihrem Haus und wollen dies auch so lange wie möglich tun.

Betroffene und Bürgermeister

Lars Zimmer erzählte von Lärm, nächtlichen Besuchen von Plünderern oder Vandalen und unzumutbaren Umständen. Er selbst hatte die Hoffnung, dass der Tagebau an der A 61 stoppt und zumindest das Land erhalten bleiben könnte, auf dem einmal sein Heimatdorf stand.

Bis Mitte nächsten Jahres wollen sie noch im alten Ort bleiben, bevor auch sie umziehen. „Mein Sohn fragte mich, ob wir dann auch die Hängematte aus dem Garten mitnehmen“, berichtete Zimmer. „Natürlich nehmen wir die mit, aber wir werden keinen Baum haben, der groß genug ist, um sie daran zu befestigen.“

Von Immerath aus ging es nach Erkelenz, wo Bürgermeister Peter Jansen den Gast aus Berlin empfing. Er hob die Verantwortung hervor, die Erkelenz als Kommune zukomme. Doch auch Land und Bund seien „mit im Boot“. Es sei zu befürchten, dass bei der Braunkohle im Gegensatz zur Steinkohle und Atomenergie das Ausstiegsszenario nicht klar definiert sei.

„Meine Sorge ist, dass die Region am Ende in die Röhre guckt“, betonte auch der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. Er lobte die Initiative des Zweckverbandes und forderte einen Strukturwandel für die Region, der auch von Bund und Land gefördert und mitgetragen werden müsse.

Dafür müsse die Bundespolitik für das Thema sensibilisiert werden, bevor es zu spät sei, entgegnete Bürgermeister Jansen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass durch den Besuch Göring-Eckarts die Belange und Sorgen der Region in Berlin stärker wahrgenommen würden.

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