Tagebau: Klimacamp-Plan sorgt für Ärger

Von: kl
Letzte Aktualisierung:
8007221.jpg
Abpumpen und abbaggern: Auch in Borschemich muss das Grundwasser wegen des nahen Tagebaus abgesenkt werden. Foto: Stefan Klassen
7810137.jpg
Hermann Meier lebt am Tagebaurand in Borschemich. Er kämpft um seine berufliche Zukunft und um die Existenz seiner Gärtnerei. Foto: Lehmkuhl

Erkelenz-Borschemich. Wer sich auf den Weg zur Gärtnerei Meier im fast trostlos leeren Borschemich am Hochneukircher Weg macht, wird drastisch gewarnt. Es bestehe Absturzgefahr, heißt es auf Schildern entlang eines Walls gegenüber der Einfahrt zur Gärtnerei. Hinter dem Wall beginnen die Vorbereitungen für die Fortführung des Braunkohletagebaus Garzweiler II.

Direkt neben dem Wall liegt der Großteil des rund 27 000 Quadratmeter großen Betriebsgeländes der Gärtnerei mit Anpflanzungen und einem Gewächshaus. Die Betreiber der Gärtnerei, Helmut und Joachim Meier, waren sich im Prinzip schon mit RWE Power als Bergbautreibender im Rahmen der Umsiedlungsverhandlungen einig geworden über den schrittweisen Eigentumsübergang dieses Geländes, beginnend Ende 2014 bis zum 1. Januar 2016.

Doch jetzt scheint es, als sei diese in einem Vorvertrag fixierte Regelung nicht mehr bindend. RWE Power fühlt sich nämlich von den Gärtnerei-Betreibern provoziert.

„Noch sind wir Eigentümer“

Anlass für die Verstimmung des Energiegiganten ist ein Klimacamp von Umweltschützern, das im Sommer auch auf dem Gelände stattfinden soll. Wie Helmut und Joachim Meier kürzlich schriftlich über ihren Anwalt mitgeteilt wurde, betrachte RWE die Durchführung dieser Veranstaltung als Provokation und würde im Falle der Durchführung derzeit laufende Verhandlungen abbrechen. „Noch sind wir Eigentümer“, betonen die Brüder, die das Klimacamp als Mahnung gegen die Umweltzerstörung und für den Klimaschutz durchaus unterstützen. Sollte es zu keiner Vereinbarung mit RWE kommen, „dann sind die 2018 noch nicht auf dem Gelände“, sagt Helmut Meier.

Sie stellen sich durchaus auf eine Zukunft in Borschemich ein. „Wir beabsichtigen, im nächsten Jahr in jedem der 4000 Bäume auf unserem Betriebsgelände einen Nistkasten anzubringen, um Vögeln Brutstätten zu ermöglichen“, kündigt Helmut Meier an.

Die Brüder haben viel oder nichts zu verlieren, je nach Standpunkt. Nach Auffassung des Bergbautreibenden sei die Gärtnerei „nicht umsiedlungsfähig“, zitiert Joachim Meier, „weil sie nicht kostendeckend arbeiten würde“. Nach seiner Auffassung trage RWE wesentlich zum Zustand des Betriebs bei, weil das Unternehmen sich nicht an Verträge und den Rahmenbetriebsplan halte.

Als Beispiel nennt er das Wasser für die Pflanzen, das viele Jahre lang mit eigenen Pumpen gewonnen wurde. Durch die tagebaubedingte Grundwasserabsenkung sei das Wasser immer schlechter geworden. „Die Pflanzen sind durch die Schwermetalle vergiftet worden.“ Nach dem Rahmenbetriebsplan habe der Bergbautreibende das Sümpfungswasser vorrangig als Ersatz-, Ausgleichs- und Ökowasser zu verwenden.

Die jeweils erforderliche Qualität müsse gegebenenfalls durch Aufbereitung gewährleistet werden. Daran habe sich RWE nicht gehalten, so der Vorwurf. Niemand habe die Qualität überprüft. Auch sei der Bergbautreibende verpflichtet, den Wassernutzern durch die Sümpfung entstehende Schäden und Nachteile auszugleichen oder zu entschädigen. Auch das geschehe nicht, stattdessen werde nun erklärt, die Gärtnerei sei nicht rentabel und daher nicht umsiedlungsfähig.

Ihnen sei auch „langfristig“ ein Haus in Holzweiler angeboten worden, wenn sie den Betrieb in Borschemich aufgeben, so die Brüder. Zu einer Zeit, als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft noch nicht die Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler II verkündet hatte, habe RWE schon diesen Vorschlag gemacht, sagte Joachim Meier. „Da kommt die Vermutung auf, dass zwischen Landesregierung und RWE der Fortbestand von Holzweiler längst geklärt ist.“

Kopfschüttelnd blickt er auf die andere Seite des Weges und auf die Schilder, die vor einer Absturzgefahr warnen. Davon lässt er sich nicht beeindrucken, und er geht davon aus, dass sich auch die Teilnehmer des Klimacamps im Sommer nicht davon abschrecken lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert