Tafeln: Spenden sinken, aber Zahl der Kunden steigt

Von: Anna Petra Thomas
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Nicht so gut gefüllt wie noch im Vorjahr sind derzeit die Tische und Regale der Heinsberger Tafel zu Zeiten der Lebensmittel-Ausgabe. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Gleich in mehrfacher Hinsicht befindet sich die Heinsberger Tafel aktuell in einer sehr schwierigen Situation: Während auf der einen Seite die Zahl der Bedürftigen steigt, die sich bei der Tafel während der Ausgabezeiten melden und um Lebensmittel bitten, sinkt umgekehrt das Aufkommen von Spenden, und das ganz drastisch, wie Kurt Kornmesser, zweiter Vorsitzender des Vereins erklärt.

Die Lage erforderte vom Vorstand der Tafel eine Entscheidung: „In dieser Notsituation sind wir gezwungen zu handeln“, so Pfarrer Sebastian Walde, der Vorsitzende der Tafel. „Wir werden ab sofort einen Aufnahmestopp für neue Kunden aussprechen.“ Diese Maßnahme soll zunächst bis März 2014 gelten. „Sollte sich nichts ändern an der Notlage, dann werden wir auch über März hinaus keine neuen Kunden annehmen“, sagt er.

Auch zusammen mit Wolfgang Paulus, dem Integrationsbeauftragten der Stadt Heinsberg, der selbst Mitglied der Tafel ist, waren mehrere Möglichkeiten diskutiert worden, um die aktuelle Lage zu meistern. Andere Vorschläge waren, zur Ausgabe nur noch Familien mit mindestens drei Kindern zuzulassen oder Singles nur noch alle 14 Tage. „Ein Aufnahmestopp erscheint uns jedoch als praktikabler und gerechter“, so der Vorsitzende.

Im Juli dieses Jahres seien 248 Haushalte mit insgesamt 495 Personen bei der Tafel als bedürftig gemeldet gewesen. In diesem Monat seien es 270 Haushalte mit 550 Personen, eine Steigerung um mehr als elf Prozent bezogen auf die Personenzahl. Diese Situation bringt derzeit sowohl die Räumlichkeiten der Tafel als auch die dort tätigen ehrenamtlichen Mitarbeiter an ihre Grenzen, wie Kornmesser berichtet.

Ein Grund dafür könnte die steigende Zahl von Flüchtlingen sein, die derzeit auch in die Kreisstadt kommen. Waren es im Sommer noch 80, so leben mittlerweile 100 Flüchtlinge in Heinsberg, wie von Paulus zu erfahren war.

Zudem gäbe es sicherlich mehr Bedürftige, die bisher nicht von den Möglichkeiten der Hilfe durch die Tafel gewusst hätten, fügt er hinzu. Umgekehrt stehen der Tafel aktuell viel zu wenig Lebensmittel zur Verfügung, um sie an die Bedürftigen auszugeben. „Derzeit sind es bei den Ausgaben gerade mal 50 Prozent von dem, was wir sonst hatten“, erklärt Kornmesser. Und „sonst“ heißt, dass den Bedürftigen nach einer Ausgabe so viele Lebensmittel zur Verfügung standen, dass sie sich davon drei bis vier Tage gut ernähren konnten.

An einen Austausch mit anderen Tafeln, wie er früher üblich war, wenn eine Tafel etwas übrig hatte, sei schon gar nicht mehr zu denken. Den Grund dafür sieht Kornmesser neben der steigenden Zahl der Bedürftigen auch in einer verbesserten Logistik des Lebensmittel-Einzelhandels, bei dem dadurch nicht mehr so viel übrig bleibt, was die Tafel dann weitergeben kann.

Sicher müsse dem Asylbewerberleistungsgesetz entsprechend für die Flüchtlinge der Lebensunterhalt auch ohne zusätzliche, freiwillige Leistungen durch die Tafel gesichert sein, räumt Paulus weiter ein. Umgekehrt würden ihnen aber die Leistungen der Tafel nicht angerechnet. Dies ermögliche ihnen ein bisschen mehr finanzielle Liquidität. Dies sei vor allem für Familien bedeutsam, die in dieser Situation keinen Anspruch auf Kindergeld hätten.

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