Syrischer Musiker gibt Sonderkonzert in Randerath

Von: Utz Schäzle
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Außergewöhnlich: Der Kanun-Spieler Hesen Kanjo bei seinem Konzert in der evangelischen Kirche Randerath. Foto: Utz Schäzle

Heinsberg-Randerath. Im Rahmen der Konzertreihe „Randerather Kirchenkonzerte“ präsentierte die Evangelische Kirchengemeinde Randerath ein Konzert mit dem syrischen Musiker und Kanun-Spieler Hesen Kanjo. Die nun schon seit 2009 stattfindenden Randerather Kirchenkonzerte sind für Klassikliebhaber längst kein Geheimtipp mehr und haben sich unter der künstlerischen Leitung von Florian Koltun im Heinsberger Kulturleben fest etabliert.

Geboten wird immer wieder Kammermusik vom Feinsten im ansprechenden Ambiente der historischen evangelischen Kirche im Ortskern von Randerath. Das Kommen zum Konzert von Hesen Kanjo, das in Zusammenarbeit mit dem Linnicher Kulturverein „Kultur ohne Grenzen“ durchgeführt wurde, hatte sich gelohnt, denn die Besucher genossen einen virtuosen Instrumentalvortrag der Extraklasse.

Hochkonzentriert griff der Künstler in die Saiten seines Kanuns. Das Kanun (Qanun) ist eine Kastenzither (trapezförmiges Instrument aus Holz mit bis zu 83 Saiten), die in der Türkei und auch in anderen Ländern des vorderen Orients gespielt wird. Die Intonation kann mit kleinen, seitlich an den Saitenzügen angebrachten Feinabstimmungs-Hebeln der jeweils gewünschten Tonskala angepasst werden.

Üblicherweise wird das Kanun mit zwei Fingern gezupft, Hesen Kanjo hat aber seinen eigenen Stil – den „Kanjo-Stil“ –entwickelt: Er zupft mit allen zehn Fingern. So hat er mehr Möglichkeiten für Tempo und Harmonie.

Nur wenn er überlieferte alte orientalische Musikstücke spielt, greift er auf die herkömmliche Zupfweise zurück.

Facettenreich ist Kanjos Musik. In seiner syrischen Heimat hatte er sich mit der klassischen arabischen Musik befasst, seit er in Deutschland ist, kamen andere kulturelle Einflüsse dazu. Aus klangvollen und gebrochenen Akkorden entwickelt er Melodien, die verzaubern und auch zum Besinnen und Nachdenken einladen.

Ausgehend von traditionellen Themen, entwickelte der syrische Künstler neue Blicke auf die klassische arabische Musik. In seinen Eigenkompositionen greift er die verschiedensten arabischen Musikformen auf. Krieg und Zerstörung zum Trotz versucht Hesen Kanjo, aus dem Exil heraus die kulturelle Identität der arabischen Welt zu bewahren, indem er möglichst viele der nationalen aber auch regionalen arabischen Musikformen aufspürt und ihnen neues Leben einhaucht.

Hesen Kanjo gilt als Individualist und Perfektionist. Kanun spielen ist für ihn nicht nur Leidenschaft; es ist seine Profession. Er wurde 1974 im syrischen Aleppo geboren. Schon mit elf Jahren begann er mit Akkordeon und Satz-Unterricht. Ab 1987 studierte er am arabischen Musikinstitut in Aleppo. Bei Bessill Mullah lernte er die Kunst des Kanunspielens und entwickelte dabei seinen außergewöhnlichen „Kanjo-Stil“. Seit 1996 lebt der Musiker in Deutschland und erweitert hier sein musikalisches Spektrum mit westlichen Einflüssen.

Während des gesamten Konzertes lauschten die Gäste in der evangelischen Kirche in Randerath der für unsere Ohren doch etwas fremdartig klingende Musik und belohnten am Ende den syrischen Künstler mit lang anhaltendem Beifall.

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