Heinsberg - Sympathie für Schulbezirke bleibt nicht verborgen

Sympathie für Schulbezirke bleibt nicht verborgen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Mit einem Antrag der SPD und einem Dementi der CDU nahm die letzte Ratssitzung in Heinsberg schon zu Beginn kräftig Fahrt auf. Dabei ging es – wie schon im Schulausschuss – um die Einführung von Schulbezirken, so wie es die Leiter der Grundschulen gegenüber Rat und Verwaltung vorgeschlagen hatten.

Obwohl Sozialdemokraten, CDU und FDP gleichermaßen im Schulausschuss noch Beratungsbedarf für eine Entscheidung angemeldet hatten und zunächst das für die Ratssitzung vorgesehene Beratungsgespräch mit dem Schulrat abwarten wollten, hatte die SPD nun offenbar ihre Entscheidung zugunsten der Schulbezirke doch schon getroffen.

Fraktionschef Ralf Herberg beantragte denn auch umgehend, dem Tagesordnungspunkt die Ergänzung anzufügen: „Der Rat der Stadt Heinsberg beschließt die Einführung von Schulbezirken.“ Das dies nicht so einfach über die Bühne gehen würde, hätten sich die Sozialdemokraten allerdings denken können. Nicht ohne Grund hatte Franz Jakobs (CDU) ja bereits im Schulausschuss verlauten lassen: „Nach den uns vorliegenden Schülerzahlen ist es uns nicht möglich, die Einteilung der Schulbezirke, so wie von den Grundschulleitern gefordert, vorzunehmen . . . Durch die Einführung von Schulbezirken wird der Elternwille, die Schulen zu wählen, die sie für ihre Kinder wünschen, eingeschränkt.“

Dem damit erweckten Eindruck, auch die Christdemokraten hätten sich im Grunde schon festgelegt, trat Fraktionschef Wilfried Louis mit der Erklärung entgegen, die CDU sei im Hinblick auf die Entscheidung „noch völlig ergebnisoffen“. Dem Vernehmen nach hatte die Stellungnahme im Schulausschuss innerhalb der Fraktion zu ein paar Nachfragen geführt.

Mit Fragen wurde nun auch Schulrat Christoph Esser bombardiert. Esser, der sich bemühte, seinem Anspruch gerecht zu werden, keine Empfehlung pro oder kontra Schulbezirke auszusprechen, gelang es jedoch nur schwer, eine gewisse Sympathie für deren Einführung zu verhehlen. Wenn eine Stadt feststelle, dass es in den Schülerzahlen an den Schulen zu Bewegungen komme, die unausgewogen seien im Hinblick auf die Konzentration von Armutsgefahr, Sprachproblematik oder sonderpädagogischem Förderbedarf, dann spräche dies sicher für die Einführung von Schulbezirken.

Gleichsam seien diese dazu geeignet, als Steuerungsinstrument Schulstandorte zu stärken. Und im Hinblick auf die Inklusionsproblematik meinte er: „Die alte Idee der Schule für das Wohnumfeld kommt der neuen Idee der Inklusion entgegen.“ Den einzigen wesentlichen Nachteil von Schulbezirken sah der Schulrat darin, dass den Eltern die bestehende Wahlfreiheit der Schule für ihre Kinder genommen werde. Eine Freiheit, die sie nach Einschätzung der Schulleiter ja auch nutzten. Diese hatten eine Abwanderung von 21 bis 25 Prozent beklagt, wodurch die Standortsicherheit einiger Schulen mittelfristig nicht mehr gegeben sei.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem sieht Esser offenbar im sozialen Gefälle, das sich durch den Besuch bestimmter Grundschulen bereits manifestieren könne. „Es ist nicht so, dass unser sozialer Zusammenhalt zunimmt. Kitas und Grundschulen sind hier ganz entscheidend. Diese Tradition zu unterstützen, dabei könnten Schulbezirke helfen. Das freie Spiel der Kräfte führt zu einem Auseinanderdriften.“

Auseinander driftete die Ratssitzung zwar nicht, aber von einer einhelligen Meinung waren die Mandatsträger noch weit entfernt, selbst innerhalb der CDU. Während Franz Jakobs sich erneut gegen eine zu starke Reglementierung aussprach und eine Reduzierung auf nur wenige Schulbezirke oder die Bildung von Schulverbünden ins Spiel brachte, sah sein Parteikollege Heinz Randerath sich in seiner Befürchtung durch den Schulrat bestätigt, dass schon durch die Entscheidung weniger Eltern ein Schulstandort geschlossen werden könne und hierdurch am Ende weit mehr Kinder betroffen seien. „Das könnte durch Schulbezirke verhindert werden?“, fragte er rhetorisch.

Norbert Krichel aus dem Lager der Christdemokraten bekräftigte hingegen, dass durch Schulbezirke jedem fünften Kind die Wahlfreiheit genommen werde. „Und ich möchte Eltern nicht aufgrund des Klassenumfangs trotz Schulbezirken sagen müssen, dass ihr Kind nicht angenommen wird.“

Bis zur Ratssitzung am 4. September haben nun alle Fraktionen Zeit, ihre Entscheidung pro oder Kontra Schulbezirke zu fällen.

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