Sven Kuntze rechnet mit den „40zigern“ ab

Von: Dettmar Fischer
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Er sei auf dem Coverfoto eigentlich ganz gut getroffen, scherzte Sven Kuntze bei der Vorstellung seines neuen Buches bei Gollenstede. Nur das seine Tochter gefragt habe „Und wer soll das sein“, habe ihn doch verunsichert. Foto: defi

Heinsberg. „Der Mann hatte einen Schlaganfall, da musst Du aufpassen beim Fotografieren“, warnte die fürsorgliche Kollegin noch, kurz bevor Sven Kuntze sein neues Buch bei Gollenstede vorstellte.

Zunächst machte Buchhändler Rainer Gollenstede Werbung in eigener Sache, dann rührte Sven Kuntze mit seinem spröden Understatement kräftig die Werbetrommel: „Kaufen Sie mein Buch“, forderte er die gespannten Zuhörer auf, „lesen müssen Sie es nicht.“ Gollenstede schmunzelte, da machte Kuntze seinen Job fast so gut, wie er selber.

Gollenstede ist unabhängiger Buchhändler, einzig abhängig von seinen Lesern – und er hat einen Sohn, David. David Gollenstede ist auch Buchhändler in Berlin und rührt auch gerade die Trommel und zwar in Sachen WUB. Vater Rainer rührt solidarisch mit, denn WUB ist die von David Gollenstede initiierte „Woche unabhängiger Buchhandlungen“. Sie soll zeigen, dass es neben den bekannten – und wegen Marktmacht und Steuerstrategie – umstrittenen Online-Buchhandlungen hunderte engagierter Buchhändler in Deutschland gibt, die phantastische Ideen zur kulturellen Belebung ihrer Stadt haben.

Man dürfe, so Rainer Gollenstede, nicht den „Amazonen“ das Feld überlassen. Der unabhängige Buchhändler sei es, der die Kulturarbeit vor Ort vorantreibe. Kulturarbeit ist auch, einen Mann wie Sven Kuntze mal live in der eigenen Stadt erleben zu dürfen.

Der Schlaganfall stellte sich als missglückte Gehirntumor-OP heraus. Ein durchtrennter Nerv lässt die linke Gesichtshälfte des früheren WDR-Journalisten schlaff durchhängen. Kuntze machte den ein oder anderen Scherz über den Kunstfehler seines Arztes. Das Mikro und der Zeigefinger der rechten Hand unterstützten ihn beim Sprechen. Kuntze: „Wenn Sie mich nicht verstehen, sagen Sie es, es wird Ihnen nichts nützen.“

Seinem Bestseller „Altern wie ein Gentleman. Zwischen Müßiggang und Engagement“ hat Kuntze eine Abrechnung mit den 40zigern folgen lassen: „Die schamlose Generation – Wie wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel ruinieren“.

Das Buch verkauft der Bertelsmann-Verlag als „unnachsichtige Kritik“ an des Autors eigener Generation. Kuntze wurde 1942 in Straßburg geboren und galt als „linker“ Journalist. Bis zu seiner Pensionierung im Mai 2007 war er als WDR-Korrespondent für das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin tätig. Gerne erzählte er seinem Heinsberger Publikum von seinem ersten Fernsehbeitrag, den die Süddeutsche Zeitung mit „Darf denn heute jeder Filme machen“ verrissen habe. Es sind die autobiografischen Details, die dieses Buch auszeichnen.

Die Warnung vor Atommüll, Klima- und anderen Katastrophen werden wohl auch zwischen diesen beiden Buchdeckeln nicht gehört werden. Kuntze über seine Generation: „Wir sind alle Gäste auf der Erde, und so verhalten sich wohlerzogene Gäste nicht.“ Die Mahnung an die bald abtretende 40ziger Generation wird wohl nicht mehr gehört werden oder doch? „Kaufen Sie dieses Buch und lesen Sie es“, wäre ein Schritt, den auch Nicht-40ziger tun könnten, die etwas verändern möchten.

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