Erkelenz - Stunk 2015: Spontan, respektlos, irrwitzig

Stunk 2015: Spontan, respektlos, irrwitzig

Von: Helmut Wichlatz
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Da schau her: Die Erkelenzer Stadthalle war bei den beiden Stunk-Sitzungen voll besetzt. Foto: Koenigs

Erkelenz. „Stunk 2015“ lockte am Wochenende mit zwei Sitzungen rund 900 Zuschauer in die Stadthalle. Damit verzeichnen die alternativen Karnevalisten wahrscheinlich den Sessionsrekord in Sachen Zuschauerzahlen. Das war aber abzusehen, denn die Karten waren am Verkaufstag innerhalb kürzester Zeit vergriffen gewesen.

Das Stunk-Konzept kommt an. Es besteht aus respektlosem Humor, irrwitzigen Ideen und einer ganzen Menge Spontaneität. Ein Erfolgsrezept, das nicht nur den Erkelenzer Jecken seit 2012 von Jahr zu Jahr besser zu schmecken scheint. Sitzungspräsident Wolfgang Klein stellte aber gleich nach dem Einmarsch des Elferinnenrates klar, dass auch die Stunker ein Vorbild hätten, nämlich die altehrwürdige EKG.

„Das sind Menschen, die wissen, wie Karneval funktioniert“, erklärte er augenzwinkernd, bevor mit dem „Bankengott“ die erste lokale Breitseite in Richtung Banken angeschossen wurden. Dabei wurden die Begriffe des übergroßen Mobiles, das den Eingangsbereich der neuen Volksbank am Bahnhof ziert, als Lippenbekenntnisse entlarvt und die Eröffnung eines Kontos als nahezu sakraler Akt dargestellt.

Von IBAN bis AC/DC

Danach gab es das Klagelied des Bankangestellten über den neuen Bankcode IBAN zu einer eingängigen AC/DC-Melodie. Überhaupt überzeugte die Bühnenband um Dominik Mercks durch gute Einfälle und ein professionelles Zusammenspiel. Mit diesem musikalischen Background wagten die Stunker in ihren verschiedenen Rollen den Livegesang mit umgetexteten Liedern.

Bürgermeister Peter Jansen musste für einen Vergleich mit der derzeitigen Krise und der Ukraine als Putin herhalten. Er hatte nämlich beschlossen, Rath-Anhoven zu annektieren, da es durch die bevorstehende Umsiedlung ja „immer näher an die Erkelenzer Dörfer heranrückt“. Entsprechende Ambitionen werden aber von der Kreisheinsberger „EU“ mit Sanktionen beantwortet. Als dann Effeld den Spargelexport nach Erkelenz einfriert, knickt der expanisonssüchtige Erste Bürger doch ein...

Sein ehemaliger Wegberger Amtskollege Reinhold Pillich war bei den zurückliegenden Sitzungen oft Ziel des Spotts. Nun hatte er einen letzten Auftritt und gab Einblick in seine Freizeit im aufblasbaren Planschbecken. Sein Nachfolger Michael Stock werde es sicher auch noch ins Programm schaffen, betonte Sitzungspräsident Klein. Doch auch die eigenen Leute bekamen ihr Fett weg. „Der Erkelenzer ist ja in erster Hinsicht Erkelenzer“, stellte Klein fest. „Er hält sogar das Begas-Haus für ein Spielcasino.“ Trotzdem zieht es ihn bald über Hückelhoven und Dremmen hinaus in den Selfkant, denn dort gibt es demnächst Gülle-Wellness und Zipfeltourismus.

Nach der Pause protestierten drei Frösche aus der Niers, das ehemalige Viergestirn berichtete von seinen Reisen, und in „Karsylanten“ wurde eine neue Plage, nämlich das Unwesen der Karnevalsasylanten, angeprangert. Mit „Auslacher raus!“ marschierten die beiden „an sich toleranten“ Karnevalistinnen ab, bevor ein russischer Akkordeonist eine spontan wirkende und überaus witzige Gesangseinlage gab.

EKG ohne TÜV

Das Programm hatte hier und da seine Längen, vor allem, wenn Klein scheinbar assoziativ Themen verflocht. Diese wurden aber spätestens bei der nächsten Gesangseinlage im Zusammenspiel mit der Stunk-Band ausgebügelt. Ein Höhepunkt an bizarrem Humor war die Stunk-Version der Zugaufstellung zum Erkelenzer Rosenmontagszug. Hier floss auch die derzeit schwelende Diskussion um Techno-Wagen, TÜV und Alkohol im Zug ein. Immerhin machte sich der Stunk-Zug dann auf eine „alternative Verbindung über Tenholt und Hückelhoven“ dann doch auf den Weg, allerdings ohne die EKG-Prunkwagen, die es nicht durch den TÜV geschafft hatten.

Als sich die Stunker zum großen Finale auf der Bühne versammelten, lagen drei unterhaltsame Stunden hinter dem Publikum.

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