Heinsberg - Stürmische Zeiten für den stationären Handel

Stürmische Zeiten für den stationären Handel

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Die Heinsberger Einzelhändler trafen sich bei der Mitgliederversammlung des Gewerbe- und Verkehrsvereins, um einen neuen Vorstand zu wählen und Einblicke in zukünftige Entwicklungen zu erhalten. Foto: Rainer Herwartz
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Kompetent und charmant konfrontierte Handelsforscherin Sabine Buschmann die Heinsberger Händler mit Entwicklungen, die zum Teil besorgte Mienen hervorriefen.
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Der neuen Vorstand des Heinsberger Gewerbevereins möchte die Stadt als Einkaufsstadt attraktiv gestalten.

Heinsberg. Das Wechselbad der Gefühle, dem sich die Heinsberger Händlerschaft bei der Mitgliederversammlung des Gewerbe- und Verkehrsvereins gegenüber sah, war selten derart von einem Auf und Ab geprägt wie diesmal.

Einerseits ließ die Kaufleute die dokumentierte Erfolgsgeschichte der Heinsberg Card als gelungenem Marketing-Instrument positiv erstaunen, ebenso wie die Nachricht von Bürgermeister Wolfgang Dieder, dass die Stadt auch im letzten Jahr wieder eine Steigerung des Einzelhandelsumsatzes verzeichnen konnte und weiterhin Platz eins der Kommunen im Kreis einnehme.

Andererseits stockte so manchem Händler sicher der Atem, als Projektmanagerin Sabine Buschmann vom Institut für Handelsforschung aus Köln eindrucksvoll darlegte, wohin bei den Konsumenten schon jetzt und in Zukunft noch stärker die Reise gehe. Danach stehen für den örtlichen Handel überaus stürmische Zeiten ins Haus, die ein hohes Maß an Flexibilität und Innovation erfordern.

Neuwahl des Vorstandes

Da der ehemalige Vorsitzende des Gewerbevereins, Peter Gering, im Juni letzten Jahres sein Amt niedergelegt hatte, standen erst einmal Neuwahlen auf dem Programm des Abends. Und das mit einer eher ungewöhnlichen Ansprache seines Nachfolgers Peter Heinrichs noch vor dem obligatorischen Votum aus der Mitgliederschaft. „Der Rücktritt hat dafür gesorgt, dass ich in die Bresche springen musste, und ich werde mich auch heute nur ein wenig zähneknirschend zum Vorstandsvorsitzenden wählen lassen“, sagte er.

Er würde sich „niemals wählen lassen“, wenn nicht Gewissheit darüber bestehe, dass mit der Einrichtung eines neuen Geschäftsführerpostens und Rüdiger Strübig in dieser Funktion das operative Geschäft weitestgehend von seinen Schultern genommen werde. Einstimmig bei acht Enthaltungen wurde Strübig denn auch ins neue Amt gehoben. Ebenfalls dem Vorstand angehören werden Jürgen Dick als zweiter Vorsitzender, Michael Dahmen, Hans-Oskar Jülicher, Ulf Dohmen, Vera Düttmann, Heike Northemann, Stefan Emunds, Michael Gutt und Hans Imkamp.

Geruht hatte Heinrichs seit Juni als designierter Vorsitzender des Gewerbevereins keineswegs. Denn eine einschneidende Veränderung geht zweifellos mehrheitlich auf sein Konto: die Kirmes wird zukünftig in Absprache mit den Schützen und der Stadt nicht mehr auf dem ungeliebten Ostpromenadenparkplatz, sondern auf dem Marktplatz stattfinden. „An historischer Stelle“, wie Heinrichs erklärte. Und attraktiver werden soll sie auch. Erstmals wird dies beim City-Boulevard am 4. und 5. Juni der Fall sein.

Marketingbeauftragter Guenter Kleinen gab in dem Zusammenhang gleich einen Überblick über weitere Veranstaltungen. Am 10. April ist der nächste verkaufsoffene Sonntag mit zahlreichen Blumenhändlern und Modenschauen in der Stadt. Am 27. April folgt Oranje City, das Stadtfest im Zeichen der Inklusion, das gemeinsam mit der Lebenshilfe durchgeführt wird, ist vom 9. bis 11. September terminiert und zum Weihnachtsshoppen „im Klang der Stadt“ lädt der Gewerbe- und Verkehrsverein für den 18. Dezember ein.

Für das erste Aha-Erlebnis des Abends sorgte Heike Northemann, die Geschäftsführerin der Heinsberg Card. Der bonifizierte Umsatz mit der Heinsberg Card sei im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um sage und schreibe 55 Prozent gestiegen. Derzeit befänden sich 3750 aktive Kundenkarten in Umlauf, auf denen rund 30 000 Euro in Punkten verbucht seien.

40 bis 60 Neuanträge auf eine Karte erfolgten in jedem Monat. „Wir haben mit der Heinsberg Card für Heinsberg einen Mehrwert geschaffen“, stellte Northemann klar. Und das Ende der Möglichkeiten sei noch längst nicht in Sicht, denn für Kartenmuffel könne beispielsweise eine Heinsberg Card als App installiert werden mit vielen zusätzlichen Informationen, auch eine Händler übergreifende Gutscheinkarte sei denkbar oder das Parken mit der Heinsberg Card. Ein entsprechender Vorschlag sei bereits bei der Stadt eingereicht worden.

So erfreulich die Entwicklung bei der Heinsberg Card auch sein mochte, dürfte sie die Händler der Stadt kaum darüber hinweg trösten, dass der Wettbewerb, in dem sie sich befinden, immer härter wird. Der Vortrag von Sabine Buschmann zum Thema „Digitalisierung im Handel: Chancen und Herausforderungen für Händler“ machte dies nur allzu deutlich.

Zwar mache der Online-Umsatz derzeit nur 9,9 Prozent des Gesamtumsatzes aus, doch die Zuwachszahlen seien rasant, erläuterte Buschmann. Grundsätzlich würden drei Käufertypen unterschieden, der traditionelle Handelskäufer, der den stationären Händler bevorzuge, der Selektive Online-Shopper und der Begeisterte Online-Shopper. Zwischen 2013 und 2015 sei die Zahl der traditionellen Handelskäufer von 52 Prozent auf 32 Prozent gesunken, die Selektiven Online-Shopper von 31 Prozent auf 45 Prozent und die Begeisterten Online-Shopper von 11 auf 23 Prozent angewachsen.

Bei den so genannten Smart Natives, den exzessiven Handy-Nutzern, seien die Zahlen noch weit dramatischer. „Die Zukunft gehört den Selektiven Online-Shoppern“, sagte Buschmann. „Dabei ist Online der Showroom des stationären Handels.“ Ohne die professionelle Nutzung auch dieses Mediums werde es daher schwer, auf lange Sicht noch am Markt zu bestehen, glaubt die Kölnerin.

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