Stück „Die 39 Stufen“: Landestheater gastiert in der Stadthalle

Von: hl
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Erkelenz. Das Landestheater Dinkelsbühl gastierte wieder einmal in der Stadthalle, diesmal mit der Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“ nach einem Roman von John Buchan, auf dem Alfred Hitchcock’s berühmter Film basiert, der wiederum von Patrick Barlow in eine Karikatur verwandelt wurde.

Zum Inhalt: Ein durchschnittlicher Spießbürger gerät in eine Spionageaffäre, wobei ihm eine Agentin mit einem Messer im Rücken buchstäblich in den Schoß fällt. Für den Mörder gehalten, flieht er und sieht sich nun auf der Suche nach dem Oberschurken, dem Chef des Agentenrings „Die 39 Stufen“, verschiedenen Verfolgern ausgesetzt. Am Ende, nach mehreren Morden und Mordversuchen, wird offenbar, wohinter alle her sind: die Formel für einen lautlosen Flugzeugmotor. Wie diese Formel fast minutenlang aufgesagt wurde, war ein außergewöhnliches Beispiel für theatralische Sprechkultur.

Wer nun vielleicht erwartet hatte, ein Stück mit logischen Zusammenhängen und den Zutaten eines Thrillers zu sehen, sah sich getäuscht, möglicherweise auch enttäuscht. Ein roter Faden war nicht zu erkennen, und wenn überhaupt entwickelte er sich zu einem unentwirrbaren Knäuel.

In der Farce, wohl mit Absicht als solche aus den Vorlagen entwickelt, mit viel Klamauk und Affentheater ging es oft zu wie in einem Tollhaus. Völlig überdrehte Szenen mit auch witzigen Einfällen und manchmal sogar intelligenten Dialogen entzogen sich im Kern jedoch jeglicher Rationalität. Meist wusste man nicht, wer mit wem was und warum zu tun hatte. Bis zum Ende erfuhr man nicht, woher das Stück seinen Namen hatte (im Hitchcock-Film war dies ein Treffpunkt). Eine Treppe mit Stufen war auch nicht zu sehen.

Ob die Auslassungen des Bösewichtes, erkennbar an seinem fehlenden kleinen Finger an der linken Hand, als Hitler mit seinem Schwadronieren über Herrenrasse und Vorsehung in ein Lustspiel gehören, ist wohl Geschmacksache.

Ein großes Lob für außerordentliche Schauspielkunst galt Julian Niedermeier, Stefanie Steffen, Andreas Peteratzinger und Thomas Tucht, die in mehr als zehn Rollen ihren komödiantischen Fähigkeiten und ihrer überbordenden Spielfreude freien Lauf lassen konnten. Ergänzt wurden die Vier durch Katharina Feeling als Mischung aus Altjüngferlichkeit und Gouvernante als Geräuschmacherin.

Sehr viel Beifall am Schluss (und auch zwischendurch) und eigentlich immer irgendwo ein Glucksen gab es in der voll besetzten Stadthalle.

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