Stolpersteine sollen an Heinsbergs jüdisches Leben erinnern

Von: Daniel Gerhards
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Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus: Auch in Heinsberg sollen bald Stolpersteine an den ehemaligen Wohnorten der jüdischen Bürger verlegt werden. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Heute deutet nur noch wenig auf jüdisches Leben in Heinsberg hin. Dort, wo einmal die Synagoge stand, ist heute ein Kino. Und wo die Juden bis in die 1930er Jahre lebten, wissen heute nur noch wenige historisch gebildete Menschen. Das soll sich ändern: In Heinsberg sollen bald Stolpersteine verlegt werden.

Das sind Steine mit einer Messingplatte, die vor den ehemaligen Wohnhäusern von Juden verlegt werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

50.000 Steine, 1300 Orte

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Er hat bis Januar dieses Jahres 50 000 Steine an 1300 Orten in Europa verlegt – jeweils am letzten selbstgewählten Wohnort der Juden. Und soll Heinsberg bald auch dazugehören.

Erste Recherchen haben die Stadtverwaltung zu 47 Juden geführt, die im Mai 1933 in der Heinsberger Innenstadt lebten. Dabei stütze man sich auf das Buch „Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft während der NS-Zeit“ von Hans Beythen, sagt Jakob Gerards, Erster Beigeordneter der Stadt. Die meisten jüdischen Heinsberger hätten damals an der Hoch- und der Apfelstraße oder einer der umliegenden Straßen gewohnt. Die Stadt habe sich nun dem Projekt angenommen, weil es entsprechende Anregungen aus der Bevölkerung gab, sagt Gerards.

In Heinsberg sollte, laut den Beschreibungen von Hans Beythen, der nationalsozialistische Plan, die Juden zu vernichten, „rasch umgesetzt“ werden. Einige jüdische Einwohner seien noch in der Lage gewesen, Heinsberg beziehungsweise Deutschland zu verlassen. Die anderen mussten 1941 ihre Wohnungen aufgeben und wurden an der ehemaligen Mannasses‘chen Gerberei zusammengepfercht.

Von dort aus wurden sie an einem Sonntag im März 1942 zum Heinsberger Bahnhof gebracht. Sie kamen in ein Lager in Eschweiler im ehemaligen Kreis Aachen. Dort verliert sich ihre Spur. Die Juden wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt in Vernichtungslager gebracht. „Sie haben kein Todesdatum und kein Grab“, schreibt Beythen in seinem Buch.

Deshalb will Demnig mit seinen Stolpersteinen an sie erinnern. An der ehemaligen Mannasses‘chen Gerberei, in etwa an der Stelle, wo heute der Hubschrauberlandeplatz des Krankenhauses ist, könne man auch eine größere Gedenktafel anbringen, eine Stolperschwelle, sagt Gerards.

Recherche ausdehnen

Auf Anregung des Kulturausschusses wird die Stadt Heinsberg ihre Recherchen noch ausdehnen und versuchen, herauszufinden, wo Juden in den anderen Ortsteilen von Heinsberg lebten. Man sei dabei auf die Hilfe aus den einzelnen Orten und Dörfern angewiesen, sagt Gerards. Denn die Liste der ehemaligen Heinsberger jüdischen Glaubens und deren Adressen soll möglichst lückenlos sein.

Finanzieren möchte die Stadt die Stolpersteine über ein Patenschaftsmodell. Das heißt, dass jeder die Patenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine übernehmen kann. Die Kosten dafür liegen bei 120 Euro pro Stein.

Zudem gibt es Überlegungen, ein Begleitbuch zu den Heinsberger Stolpersteinen zu veröffentlichen, in dem vielleicht ein Weg entlang der Gedenksteine nachgezeichnet werden könnte.

Wenn es der Verwaltung zügig gelingt, eine Liste mit Namen und Anschriften der Heinsberger Juden, die in den 30er Jahren im Stadtgebiet lebten, zusammenzustellen, dann können die ersten Steine auch schon recht bald verlegt werden. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres sei ein Start realistisch.

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