Stolpersteine sollen an die Juden in Heinsberg erinnern

Von: Anna Petra Thomas
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Schon Ende 2011 hat der Künstler Gunter Demnig, hier unterstützt von Bauhofmitarbeiter Thomas Merbecks, in Wassenberg die ersten Stolpersteine verlegt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Wie schon in vielen anderen Städten und Gemeinden sollen auch im Heinsberger Stadtgebiet schon bald die ersten Stolpersteine verlegt werden. Sie werden dann auch hier an die letzten Wohnorte der jüdischen Mitbürger erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihre Heimat verlassen mussten, die vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

Schon anlässlich der ökumenischen Gedenkfeier im November 2014, genau 70 Jahre nach der Bombardierung Heinsbergs, hatte Jakob Gerards, Erster Beigeordneter der Stadt, Anregungen dazu aus der Bevölkerung erhalten. „Damals hat der Gedanke, die Erinnerung wachzuhalten, noch einmal richtig Nahrung gefunden“, sagt er.

Mit Unterstützung lokaler Historiker und ihrer schriftlichen Aufzeichnungen machte er sich dann an das Werk, ein vollständiges Bild von den jüdischen Mitbürgern zu erfassen, die seinerzeit in Heinsberg lebten. Erste Recherchen führten zu insgesamt 47 Juden, die noch im Mai 1933 in der Heinsberger Innenstadt gewohnt hatten. Die meisten jüdischen Heinsberger hätten damals an der Hoch- und and der Apfelstraße oder einer der umliegenden Straßen gelebt, so Gerards.

Buch von Hans Beythen

Diese erste Recherche stützte sich auf ein Buch von Hans Bey-then. „Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft während der NS-Zeit“ lautete sein Titel. Darin heißt es, dass der nationalsozialistische Plan, die Juden zu vernichten, in Heinsberg „rasch umgesetzt“ werden sollte. Alle, denen die Flucht nicht mehr gelungen sei, hätten 1941 ihre Wohnungen aufgeben müssen und seien in der ehemaligen Gerberei, genannt „Manasses Lues“ zusammengepfercht worden. „Von dort wurden sie an einem Sonntag im März 1942 zum Heinsberger Bahnhof gebracht“, so Gerards. In einem Lager in Eschweiler bei Aachen verliere sich ihre Spur. „Sie haben kein Todesdatum und kein Grab“, schreibt Beythen dazu.

Diesen ersten Ergebnissen mit dem Ziel der Verlegung von Stolpersteinen folgte Mitte 2015 eine Anregung des Kulturausschusses der Stadt, die Recherchen auf alle Stadtteile Heinsbergs auszudehnen. Er habe alle Ortsvorsteher angeschrieben und um Mithilfe gebeten, so Gerards.

Aus Waldenrath war schon bekannt, dass auch dort viele Juden lebten. Hier fand er viel Unterstützung bei Heinz Cleef. Weiter erfuhr Gerards auf diese Weise jedoch auch von drei jüdischen Mitbürgern in Dremmen. Einen weiteren Mitbürger aus Karken hatte er selbst schon im März 2011 entdeckt, als der Zug der Erinnerung in Heinsberg Station machte.

Für Waldenrath seien die Recherchen inzwischen abgeschlossen, berichtet Gerards. Für 22 jüdische Mitbürger konnten acht Stellen einwandfrei identifiziert werden, an denen sie gewohnt haben. Mitte Februar kommenden Jahres, so lange hat Künstler Gunter Demnig derzeit Wartezeit, wird der Künstler nun zunächst nach Waldenrath kommen, um dort an fünf Stellen die ersten Stolpersteine zu verlegen.

War zunächst überlegt worden, die Patenschaften im Wert von 120 Euro pro verlegtem Stolperstein zu vergeben, haben sich inzwischen zwei Spender gefunden, die alle Kosten übernehmen, wie Gerards verrät, einer für Waldenrath und einer für Heinsberg. Die Entwürfe für alle Steine hat Gerards schon vorbereitet und ausgedruckt, in schwarzer Schrift auf goldenem Untergrund, so, wie die Schrift in die Messingoberfläche der zehn mal zehn Zentimeter großen Steine eingelassen sein soll.

Recherche noch nicht fertig

In der Heinsberger Innenstadt sind die Recherchen derweil noch nicht ganz beendet. Sie müssen ganz exakt zu einem letzten Wohnort führen, da die Steine ansonsten nicht verlegt werden können. Mit der genauen Lokalisierung auf der Ostpromenade gebe es in Heinsberg noch Probleme, erklärt Gerards, da die Zahlenfolge der Hausnummern dort vor dem Krieg anscheinend genau umgekehrt verlaufen sei als dies heute der Fall sei.

Mit weiterer Unterstützung von Historikern und Zeitzeugen ist er aber derzeit dabei, auch diese Orte genau zu bezeichnen. Insgesamt sollen in der Innenstadt ebenfalls an acht Stellen insgesamt 38 Steine verlegt werden, in Dremmen weitere drei an zwei Stellen.

Schon anlässlich des Gedenktages am 9. November dieses Jahres soll zudem an der Stelle der ehemaligen Gerberei, wo sich heute der Hubschrauber-Landeplatz des städtischen Krankenhauses befindet, eine Gedenktafel für die Insassen des Lagers in der ehemaligen Gerberei aufgestellt werden. Diese werde vom Krankenhaus gestiftet, so Gerards. Weiterhin sei in der Überlegung, im Radweg gleich daneben eine Stolperschwelle einzubauen.

Während es inzwischen mehr als 60 000 Stolpersteine sind, die Demnig verlegt hat, sind es bisher erst gut zwei Dutzend Stolperschwellen. Diese verlegt er überall dort, wo für alle die notwendigen Steine gar nicht genug Platz wäre, wie eben auch am Lager „Manasses Lues“, in das nicht nur die Heinsberger, sondern auch die Wassenberger Juden gebracht wurden. „Vielleicht könnten wir ja auch später an der Stelle der früheren Synagoge der jüdischen Mitbürger aus Waldenrath in Straeten im Bürgersteig noch eine solche Schwelle einbauen lassen“, sagt Gerards.

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