Sternwallfahrt: Keine heile Welt im Zusammenleben

Von: Anna Petra Thomas
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Pfarrer Markus Bruns, Leiter der GdG Heinsberg-Waldfeucht, zelebrierte in diesem Jahr die heilige Messe anlässlich der Sternwallfahrt der Frauen zum Kloster Maria Lind in Braunsrath. Foto: Anna Petra Thomas

Waldfeucht-Braunsrath. „Wie konntest du uns das antun? Die Mutter Jesu im Konflikt.“ So war in diesem Jahr die Sternwallfahrt der Frauen aus der GdG Heinsberg-Waldfeucht zum Kloster Maria Lind in Braunsrath überschrieben.

Schon weit vor Beginn der heiligen Messe mit Pfarrer Markus Bruns, Leiter der GdG, hatte sich die Kirche bis auf den letzten Platz mit Frauen gefüllt, die bis zum Beginn der von der Frauengemeinschaft Kempen gestalteten Messe den Rosenkranz beteten.

Lebendige Tradition

Als „lebendige Tradition“ würdigte Bruns die Wallfahrt in seiner Begrüßung. „Wie konntest du uns das antun?“, wiederholte er die Frage der Mutter Jesu an ihren Sohn aus dem Lukasevangelium (2,41-52). Maria stellte ihrem Sohn diese Frage, nachdem er bei der Abreise der Familie vom Pascha-Fest ohne Wissen seiner Eltern einfach in Jerusalem geblieben war und sie ihn einen Tag später suchen mussten.

„Diese Frage der Mutter Jesu an ihren zwölfjährigen Sohn prägt hin und wieder auch unser alltägliches Zusammenleben“, erklärte Bruns. „So sehr wir uns nach Harmonie und Geborgenheit sehnen, wissen wir doch auch, dass alle menschlichen Beziehungen, gerade auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, einem ständigen Prozess der Entwicklung und des Wachstums unterworfen sind.“

Und zu solch einem Prozess würden notwendigerweise Spannungen und Konflikte gehören. Diese Erfahrung sei auch der Mutter Jesu nicht erspart geblieben. „Davon berichtetet das heutige Evangelium, das uns ermutigen will, uns wie Maria auf diese Wachstumsprozesse einzulassen und in diesen wie in unserer Beziehung zu Gott zu wachsen.“

Nein, Familie sei keineswegs heile Welt, betonte Bruns auch in seiner Predigt. „Den Anderen ertragen, das bedeutet, ihn anzunehmen, so wie er oder sie ist, mit all den Sehnsüchten und Träumen, mit den Hoffnungen Erwartungen, aber auch mit den Grenzen und Verwundungen, auch mit Schuld und Scheitern“, erklärte er in Anlehnung an den Kolosserbrief. „Einander ertragen, einander annehmen, einander vergeben – das kann ein guter Weg sein, mit Konflikten umzugehen.“ Zugleich seien Konflikte aber auch eine Möglichkeit, aneinander zu wachsen. „Spannungen sind immer auch eine Chance, sich weiter zu entwickeln.“

Wie Gegenbauer Martin Schleske erklärte auch Bruns den Bau einer Geige zum Gleichnis für Leben und Glauben. Jeder Klang erlange vollkommene Schönheit nur, wenn die notwendige Spannung erhalten bleibe. „Dieses Grundgesetz der Schönheit in der Musik gilt auch für unser Miteinander: Es wird dort gelingen, wo das Spannungsfeld aus Vertrautheit und Überraschtheit, Erwartung und Erfüllung gewahrt bleibt.“ Was für die Geige gelte, gelte auch für das Miteinander: „Entwicklung und Gleichförmigkeit, Lebendigkeit und Banalität schließen sich aus“, sagte Bruns.

Und so bedeute Seelenkraft gerade nicht, dass alles in einem ungefährlichen Mittelmaß und in wohldosierter Gleichzeitigkeit geschehe. „Es geht nicht darum, das Leben in einer schwingungslosen Mitte zur Ruhe zu bringen. „Da wäre jeder Klang erstorben und alles in einer feigen Mitte stillgelegt.“ Auch Maria und Josef hätten nicht in einer heilen Welt gelebt, „aber sie haben ihr Leben und ihren Alltag zum Klingen gebracht und damit geheiligt“.

Kollekte für Grundschulen

Die Kollekte der diesjährigen Sternwallfahrt kam den Fördervereinen der Grundschulen in Kempen und Haaren zugute. Nach der heiligen Messe trafen sich die Frauen im Pilgersaal zu Kaffee und Kuchen, den die Frauengemeinschaft Braunsrath vorbereitet hatte.

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