Sternsinger: Offene Türen für den königlichen Besuch

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
9184372.jpg
Fine Penners mit ihrer großen Königsschar: In Erpen sind die Drei Heiligen Könige und ihr Gefolge gleich gekleidet. So gibt es keinen Streit. Foto: anna
9184376.jpg
Da muss der Segensspruch hin: genau über die Haustür von Andrea und Hanni Beemelmanns. Sternträger Jakob erfüllt diesen Wunsch gerne. Foto: anna
9184382.jpg
Ein wenig schwarze Schminke verwandelt Fine Penners Enkelin Lena in einen der Drei Heiligen Könige. Foto: anna

Heinsberg-Erpen. Fein säuberlich aufgereiht hängen sie auf Kleiderbügeln an den Schränken der Einbauküche von Fine Penners in Erpen: neun goldgelbe Kleider und darüber Umhänge in Rot, Blau, Grün und Lila, rundherum verziert mit Goldlitze.

Festlich hat die 65-Jährige heute ihren Küchentisch gedeckt, denn sie erwartet königlichen Besuch. Wie schon seit mehr als zehn Jahren, wird sie auch heute Erpener Kinder fein ankleiden, gut drei Stunden mit ihnen durch den Ort ziehen und um Spenden für das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ bitten.

Nach und nach trudeln sie ein, die Könige und ihre Begleiter. Neun sind es heute. „Eigentlich wären es noch zwei mehr, aber zwei haben heute ein Fußballturnier“, erklärt Fine Penners fast entschuldigend. Aber gleich neun Kinder, die sich in dem kleinen Örtchen, das vielleicht gerade einmal 50 Häuser zählt, am Morgen eines ihrer Weihnachtsferientage ganz ehrenamtlich engagieren? „Das war hier noch nie ein Problem!“, strahlt Fine Penners. Dass es hier im kleinen Erpen so gut klappt mit der Aktion der Sternsinger, dafür sorgt sie selbst. Schon bei der Weihnachtsfeier im Ort spricht sie die Kinder an. Und alle, die mitmachen wollen, besucht sie danach, bespricht mit ihnen den Text, den sie sprechen sollen und die Aufgabe, die sie übernehmen werden.

Die Erpener Sternsinger sind eine von zwölf Gruppen, die in der Pfarrei St. Nikolaus Waldenrath zwischen dem 31. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Januar von Haus zu Haus ziehen. Die Bekleidung hängt im Pfarrzentrum in Waldenrath, und der Schlüssel dazu wird von Begleiter zu Begleiter weitergegeben. Fine Penners hat ihn von der Gruppe übernommen, die in Pütt unterwegs war, und wird ihn an die Gruppe weitergeben, die durch Scheifendahl zieht. Alles ist gut organisiert.

Mittlerweile sind alle angezogen, doch keiner will der dunkelhäutige König sein. Da muss Enkelkind Lena für die schwarze Schminke im Gesicht herhalten. Die Elfjährige wohnt eigentlich in Wassenberg. Vor acht Jahren ging sie aber mit, weil sie zufällig bei Oma Fine zu Besuch war. Nun kommt sie in jedem Jahr, um mit ihrer Großmutter durch Erpen zu ziehen. „Es macht mir Spaß, und wir sammeln damit Geld für die armen Kinder“, sagt sie. Spaß scheint der Trubel in Omas Küche auch Enkelkind Lilli (3) zu machen, die mit Krone auf dem Kopf mächtig strahlt. Doch die muss sie jetzt hergeben, denn sonst fehlt eine. „Nächstes Jahr darfst Du auch mit“, verspricht ihr die Großmutter. Doch neun Kronen für neun Könige? „Aber nein!“, korrigiert Fine Penners. Drei Könige seien es und ihr „Hofstaat“. Aber alle sind halt gleich angezogen. So gibt es keinen Streit unter den Kindern.

Kurze Sprechprobe in der Küche

Noch eine kurze Sprechprobe in der Küche. Alle können ihren Text. „So, Jakob, den Stern! Dann geht‘s los!“ Fine Penners mahnt zum Aufbruch. Und tatsächlich, die Sternsinger werden schon erwartet. An einigen Häusern brauchen sie erst gar nicht zu klingeln, denn die Tür steht ihnen schon offen. Und manchmal müssen sie sogar hinein ins Haus, bis zur Krippe. Da gehören sie ja auch hin, die Heiligen Drei Könige.

Weiter geht‘s. Es beginnt zu regnen. Den Kronen macht es nichts, die sind wetterfest. Den Sternsingern macht es auch nichts, die freuen sich schon auf den gemütlichen Abschluss beim Kakao rund um den Küchentisch von Fine Penners. Jetzt genießen die Sternsinger erst einmal das Lob, das ihnen für ihr Engagement entgegengebracht wird. „Was für eine große Schar!“, freut sich auch Heinrich Jansen (89), der schon auf die Kinder gewartet hat. Hier und da gibt es sogar Applaus, wenn der lange Segensspruch, abwechselnd auswendig gesprochen, wieder gut geklappt hat.

Auch Andrea und Hanni Bee-melmanns sind begeistert. Sie entscheiden sich nicht für die in Kreide geschriebene Variante des Segensspruchs, sondern für den fertigen Aufkleber. Und den bringt Jakob auf Wunsch natürlich auch ganz oben auf dem Türrahmen an. „Den Segen kann man gut gebrauchen“, erklärt Andrea Beemelmanns. Eine Geldspende gibt es auch hier. „Uns selbst geht es so gut. Da muss man doch was abgeben“, sagt sie. Ihre Mutter gibt noch Süßigkeiten in die Tasche. Die werden nachher in Fine Penners Küche gerecht aufgeteilt.

Am Samstag, 10. Januar, treffen sich alle Sternsinger zur Dankmesse in der Pfarrkirche in Waldenrath. Danach gibt es im Pfarrzentrum für alle ein Hot-Dog-Essen als Dankeschön. Und Fine Penners hofft, dass der Erpener Beitrag zum Waldenrather Spendentopf auch in diesem Jahr wieder der höchste ist – pro Erpener gerechnet natürlich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert