Steinkohle: Rückblick mit viel Wehmut und mit Stolz

Von: Helmut Wichlatz
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Schwarzes Gold und einst Symbol für den Aufschwung in Hückelhoven: die Steinkohleförderung auf der Zeche Sophia-Jacoba. Foto: Angelika Stöcker

Hückelhoven. „Wo Leben und Schaffen harmonisch sich fügt…“, heißt es im Hückelhoven-Lied aus der Feder eines unbekannten Bergmannes, dessen Text und Noten im Bergbaumuseum in Bochum schlummerten.

Beim Festakt zum 100. Jahrestag der ersten Kohleförderung in Hückelhoven erlebte es seine Weltpremiere durch eine Interpretation des Schachtchors unter der Leitung von Rainer Appelt. Mit Wehmut und Stolz verfolgten die Besucher des Festaktes in der Aula die rund einstündige Präsentation von Bildern, Fakten und Filmausschnitten, mit der an die Bergbaugeschichte der Stadt erinnert wurde. Diese hatte am 8. Januar 1914 offiziell in der damals noch „Maiblümchen“ genannten ersten Grube mit der ersten geförderten Ladung Kohle begonnen. Mit der letzten Lore endete sie am 27. März 1997 nach einem mehrjährigen Kampf der Kumpel um den Erhalt der Zeche. In ihrer 83-jährigen Geschichte hat die Zeche Sophia-Jacoba das Bild der Stadt Hückelhoven geprägt.

In der Präsentation, die vom Fördervereinsvorsitzenden Detlef Stab kommentiert wurde, konnte man den Aufstieg der Zeche und das Wachsen des Dorfes Hückelhoven zur Stadt noch einmal miterleben. Auch die Zeit des Nationalsozialismus wurde nicht unter den Tisch gekehrt.

Viele der Anwesenden hatten Teile „der guten alten Zeit“ ebenso noch miterlebt wie den Untergang der Traditionszeche. Sie hatten die 1930 gebaute Bergberufsschule besucht, die nun einem Einkaufszentrum weichen muss, hatten in den Zechensiedlungen gebaut, ihre Kinder großgezogen und am Ende um den Erhalt ihrer Zeche gekämpft. Vielleicht war der eine oder andere auch dabei, als auf dem Höhepunkt des Arbeitskampfes 800 Bergleute zehn Tage lang unter Tage ausharrten, während ihre Frauen über Tage demonstrierten und um Unterstützung warben.

Mancher sah sich selbst auf den Bildern und erinnerte sich an die Angst und Enttäuschung, als klar war, dass der Kampf aussichtslos war. Dann die Worte von Franz-Josef Sonnen, dem letzten Betriebsratsvorsitzenden auf Sophia-Jacoba: „Kopf hoch! Schämen müssen sich andere.“

Motor der Region

Über die Bedeutung der Zeche in Zahlen und Fakten referierten der ehemalige Generalbevollmächtigte Hans Georg Rieß und der ehemalige Arbeitsdirektor Heinz Preuß. Sie stellten eindrucksvoll dar, dass Sophia-Jacoba der wirtschaftliche Motor der Region war und zu den modernsten Zechen der Welt gehörte. Trotz moderner Sicherheitsvorkehrungen kam es aber auch immer wieder zu tödlichen Unfällen unter Tage. Rieß und Preuß erinnerten aber auch an die Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und Frankreich, die während des Krieges unter Tage eingesetzt wurden.

Erinnerung bleibt lebendig

Mit dem Ende der Zeche ist die Bergmannstradition in Hückelhoven aber längst noch nicht am Ende. Die Knappen, der Schachtchor, der Förderverein Schacht 3 und die Mineralienfreunde mit ihrem Museum tragen dazu bei, dass in Hückelhoven die Erinnerung an den Bergbau lebendig bleibt.

Dies betonte auch Bürgermeister Bernd Jansen, der darauf verwies, dass die Stadt den durch die Zechenschließung bedingten Wandel als Chance begriffen und gehandelt habe. Das heutige Hückelhoven brauche sich um die Abwanderung von Kaufkraft nicht zu sorgen, weise mehr Arbeitsplätze auf als zu Zeiten der Zeche. Trotzdem sei sich die Stadt ihrer Wurzeln bewusst und stolz auf die Bergbautradition.

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