Erkelenz/Amsterdam - Steine aus Erkelenz für das weltbekannte Rijksmuseum

Steine aus Erkelenz für das weltbekannte Rijksmuseum

Von: Norbert F. Schuldei
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Im Ringofen des Klinkerwerkes Gillrath in Wockerth am Rande von Erkelenz wurden die Ziegel für Amsterdam gebrannt. Foto: N. Schuldei
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Zehn Jahre hat der Umbau des Amsterdamer Rijksmuseums gedauert. Nach der Wiedereröffnung wurde das Bauwerk mit Lob überhäuft. Die neuen, „alten“ Klinker stammen zum Teil aus der Ziegelei Gillrath in Erkelenz.

Erkelenz/Amsterdam. Sie kennen die Nachtwache? Nein, nicht die aus dem Krankenhaus. Die von Rembrandt. Genau: Das berühmte Gemälde, das in Amsterdam im Rijksmuseum ausgestellt wird. Seit ein paar Tagen hat Rembrandts Meisterwerk aus dem Jahr 1642 ein neues Zuhause: Nach einem Umbau, der zehn Jahre dauerte und 375 Millionen Euro kostete, hängt die „Nachtwache“ jetzt wieder im detailgenau rekonstruierten Festsaal des Rijksmuseums.

Die Kritiker haben das neue alte Museum nach der Wiedereröffnung mit Lobeshymnen besungen: Der trutzige Altbau des Rijksmuseums habe sich ein zweites Mal erfunden. Einen nicht unerheblichen Beitrag zum Gelingen des Riesenprojektes hat das Ziegel- und Klinkerwerk Gillrath aus Erkelenz geleistet. „Ja, wir haben beim Umbau des Rijksmuseums die Klinker für das Atrium nach Amsterdam geliefert“, sagt Marcus Gillrath. Er ist in dem Betrieb am Rande der Stadt, der inzwischen in der vierten Generation besteht („Gillrath – gebrannt für Generationen“), für den Verkauf verantwortlich; Bruder Bastian für die Produktentwicklung, Vater Heinz ist Geschäftsführer des Unternehmens.

Warum hat gerade die Ziegelei aus Erkelenz den Zuschlag für das Projekt in Amsterdam bekommen? „Dafür gibt es mehrere Gründe“, sagt Marcus. Vielleicht der wichtigste: „Die Steine für das Atrium des Museums sollten aus der Nähe von Roermond kommen“.

Warum das? „Weil der damalige Architekt Pierre Cuypers aus Roermond stammte und für den neugotischen Bau damals, also 1885, Baustoffe aus der Region verwendet hat. Die sollten jetzt ersetzt und ergänzt werden“, sagt Gillrath.

Der Ton, der sozusagen direkt vor der Tür zur Kernstadt abgebaut wird, ist rot brennender Lößlehm. „Der Eisenoxidgehalt ist hier in der Gegend sehr hoch“, erklärt Marcus Gillrath dieses Phänomen. Der Ton wird, dies ist der zweite Grund, bei Gillrath in einem Ringofen gebrannt. „Anders als bei Tunnel- oder Kammeröfen wandert das Feuer bei uns.

Dadurch ergibt sich ein einzigartiges Farbspiel, jeder Klinker ist praktisch ein Unikat“, sagt Gillrath, den Stein in der Hand wiegend. Für die Lieferung nach Amsterdam haben die Erkelenzer eigens ein neues „Mundstück“ in die Produktionsanlage eingebaut: Der Lehm wird im Format 25 x 12 x 6,5 Zentimeter aus der Maschine rausgepresst. „Das ist das alte Reichsformat“, so Marcus Gillrath. „Normalerweise pressen auch wir nach der Deutschen Industrienorm.“

Klar, an „normalen“ Projekten wie beispielsweise dem Klinikum in Bremen-Mitte, für das Gillrath die Ziegel liefert, wird nach DIN gebaut. Rund vier Millionen Ziegel pro Jahr oder etwa 20 000 am Tag werden nach dieser Norm in Erkelenz gebrannt.

Aber zurück zu den komplexen Bau- und Restaurierungsarbeiten am Amsterdamer Rijksmuseum und dem Beitrag der Erkelenzer Ziegelei daran. „Wir haben ein Jahr für das Projekt gearbeitet“, sagt Marcus Gillrath. „Da ist schon einiges mehr an Arbeitsleistung zu erbringen als bei normalen Aufträgen.“ 15 Mitarbeiter arbeiteten für diese Produktion mit der Hand.

In erster Linie sei es für das Unternehmen ein Prestigeobjekt gewesen. Aber auch eine Herausforderung an das, was man mit dem Löß aus dem Erkelenzer Land alles formen und herstellen kann. „Wir experimentieren augenblicklich mit Steinen, die bei extrem hohen Temperaturen von 1200 Grad Celsius gebrannt werden“, sagt Gillrath. „Überbrannte Steine“ nennen sie das Produkt. Das sieht aus, als käme es direkt aus einer archäologischen Grabung: Es fehlt die Glätte, das genormte, die Steine wölben sich nach außen, es sieht aus, als seien da Blasen auf der Oberfläche, die Klötze sehen rau, roh, unfertig aus – kurz: sehr interessant.

„Das ist bei einer Ziegelei nicht anders als in anderen Branchen aus“, sagt Marcus Gillrath. „Wir müssen unsere Produktpalette ständig erweitern“. 21 Mitarbeiter arbeiten zurzeit in dem Erkelenzer Klinkerwerk. Und Aufträge wie der für das Rijskmuseum in Amsterdam sorgen dafür, dass deren Arbeitsplätze sicher sind.

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