Steht Sekundarschule schon vor dem Aus?

Von: dawin
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Die Sekundarschule in Haaren ist nach Einschätzung der Kölner Bezirksregierung ein Auslaufmodell, das hat die Aufsichtsbehörde unmissverständlich klar gemacht. Foto: dawin

Waldfeucht. Im Schuljahr 2013/14 ging sie hoffnungsvoll als Nachfolgerin der Verbundschule an den Start. Und jetzt, noch jung an Schuljahren, bangt die Sekundarschule in Haaren bereits um ihre Zukunft. Die Lage ist so ernst, dass am Donnerstag eigens eine Sitzung des Schul- und Kulturausschusses anberaumt wurde.

Darin informierten Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen und Kämmerer Johannes Blank, auch zuständig für das Schulwesen, über die neueste Entwicklung. Den Anstoß gab ein Schreiben der Bezirksregierung Köln vom März, in dem die Aufsichtsbehörde unmissverständlich klarmacht, dass sie für die Sekundarschule in Haaren künftig keine Dreizügigkeit bei den Eingangsklassen gewährleistet und mithin keine „Fortführungsperspektive“ mehr sieht. Dabei verweist die Bezirksregierung auf das aktuelle Schuljahr, als lediglich 42 Schüler angemeldet wurden und nur zwei fünfte Klassen gebildet werden konnten. #

Letztmalige Zulassung

Zum kommenden Schuljahr 2016/17 lässt die Kölner Behörde „letztmalig“ eine Eingangsklassenbildung in Haaren zu – laut Schreiben auch nur deshalb, um das „regionale Schulangebot der Sekundarstufe I mit ausreichend Schulplätzen sicherzustellen“. Im Klartext: Die Kinder, die an den weiterführenden Schulen in den Nachbarkommunen wegen Anmeldeüberhängen abgewiesen wurden, sollen in Haaren Aufnahme finden – und fanden diese auch. Nach Angaben von Johannes Blank konnte somit die Gemeinde Waldfeucht als Träger der Einrichtung die gesetzlich festgeschriebene Mindestmarke von 60 Anmeldungen erreichen, sogar mit 61 denkbar knapp überschreiten.

Diese punktuelle Feststellung interessiert die Kölner Aufsicht nicht, sie blickt auf nüchterne Zahlen und düstere Prognosen: „Das von der Grundschule in Waldfeucht abgeleitete künftige Schülerpotenzial für die Sekundarschule zeigt jedoch auf, dass die Mindestanmeldezahl dauerhaft nicht mit gemeindeeigenen Kindern erreicht werden kann.“ Zählt das jetzige vierte Schuljahr noch 76 Jungen und Mädchen, so sind es im dritten 55, im zweiten 74 und im ersten 54. Die Bezirksregierung geht nicht davon aus, dass mindestens drei Parallelklassen pro Jahrgang eingerichtet werden können.

Der Anteil von Schülern aus der Gemeinde ist, das bestätigte auch Johannes Blank, relativ gering, um die 20 Prozent: So sind unter den aktuellen Anmeldungen lediglich 17 Waldfeuchter, ansonsten 39 Heinsberger, fünf Wassenberger und zwei Flüchtlingskinder.

Ungünstig wirkt sich für die Sekundarschule in Haaren aus, dass die Konkurrenz in der regionalen Schullandschaft mittlerweile deutlich gewachsen ist: Sie ist umringt von den Gesamtschulen Gangelt/Selfkant, Oberbruch und Wassenberg sowie der Realschule Heinsberg.

Vor dieser Gesamtkulisse formuliert die Aufsicht die energische Bitte, „nach dem Schuljahresbeginn 2016/17 geeignete schulorganisatorische Maßnahmen für das darauffolgende Schuljahr 2017/18 zu beschließen. Hierbei kommt, verbunden mit einer auslaufenden Auflösung der Sekundarschule, eine gleichzeitige interkommunale Zusammenarbeit mit einem benachbarten Schulträger in Betracht – etwa eine gemeinsame Trägerschaft für eine bestehende weiterführende Schule.“

Die Sekundarschule in Haaren ein Auslaufmodell? Waldfeucht mittelfristig ohne eigene weiterführende Schule?

Die Zeilen aus Köln jedenfalls verheißen dem Schulstandort nichts Gutes – auch wenn das Schreiben nach Worten Blanks „eine nicht rechtsmittelfähige Mitteilung und noch kein Bescheid ist. Aber“, fügte der Kämmerer hinzu, „die Denke in Köln wird sehr deutlich“. Die vom Land NRW ausgegebene Marschrichtung ärgert ihn: „Es werden brutal alle Sekundarschulen weggehauen, die nicht dreizügig sind.“ Bürgermeister Schrammen, der ebenfalls die „knallharte Anwendung“ der gesetzlichen Vorgaben moniert, räumte ein, dass die geforderte Mindestanmeldezahl nicht mit Schülern „aus dem eigenen Beritt darstellbar ist. Aber was machen? Wir können die Kinder nicht herzaubern.“

Auch wenn es so klang, von Resignation ist der Bürgermeister noch weit weg. Chancen sieht er allemal: „Wir müssen sondieren, welches Schüler-Potenzial wir in den Nachbarkommunen heben können.“ Dazu sollen Gespräche mit den Nachbarkommunen sowie mit dem Kreis Heinsberg geführt werden. Schrammen und Blank setzen auf den „regionalen Konsens“, um den Schulstandort in Haaren zu retten. Außerdem sind sie der Meinung, dass der kreisweite Schulentwicklungsplan aktualisiert werden müsse.

Im politischen Raum wird vorerst nichts entschieden. Zunächst einmal will man die Gesprächsergebnisse abwarten und sich mit aussagekräftigen Zahlen und Fakten versorgen, um dann, vielleicht vor den Sommerferien, den Schul- und Kulturausschuss über eine Beschlussvorlage abstimmen zu lassen.

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