Startschuss für die nächste Kanal-Etappe

Von: Stefan Klassen
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Aufreißen, sanieren, planen: Der St.-Rochus-Weg (oben) steht auf der Prioritätenliste auf Platz 1. In Kürze gehen die Bauarbeiten richtig los. Unterdessen leben die Anwohner der Rosenstraße (links) und Kolberger Straße (rechts) bereits in ihrem runderneuerten Wohnumfeld. 2016 soll auch der Marienweg (unten Mitte) teilweise einen neuen Kanal und einen neuen Straßenbelag samt Gehwegen bekommen. Foto: Stefan Klassen
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Aufreißen, sanieren, planen: Der St.-Rochus-Weg (oben) steht auf der Prioritätenliste auf Platz 1. In Kürze gehen die Bauarbeiten richtig los. Unterdessen leben die Anwohner der Rosenstraße (links) und Kolberger Straße (rechts) bereits in ihrem runderneuerten Wohnumfeld. 2016 soll auch der Marienweg (unten Mitte) teilweise einen neuen Kanal und einen neuen Straßenbelag samt Gehwegen bekommen. Foto: Stefan Klassen
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Aufreißen, sanieren, planen: Der St.-Rochus-Weg (oben) steht auf der Prioritätenliste auf Platz 1. In Kürze gehen die Bauarbeiten richtig los. Unterdessen leben die Anwohner der Rosenstraße (links) und Kolberger Straße (rechts) bereits in ihrem runderneuerten Wohnumfeld. 2016 soll auch der Marienweg (unten Mitte) teilweise einen neuen Kanal und einen neuen Straßenbelag samt Gehwegen bekommen. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz. Einen Vorgeschmack auf das, was sie in den nächsten Monaten fast täglich erwarten wird, haben die Anwohner des St.-Rochus-Weges schon bekommen: den Lärm von Baggern, Lastwagen und Presslufthämmern, zudem Schmutz auf Straße und Fußweg sowie Verkehrsbehinderungen. Doch das ist nur der Anfang.

Die Vorhut der Bautrupps ist derzeit nämlich lediglich mit vorbereitenden Arbeiten zugange. So richtig los geht es in Kürze, dann wird der Kanal und im Zuge dessen die gesamte Straße erneuert. „Die Ausschreibung ist gelaufen, den Auftrag haben wir vor drei Wochen vergeben“, sagt Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordneter der Stadt Erkelenz.

Jahrzehnte alt und marode

Damit ist der Startschuss für die nächste großangelegte Kanalbaumaßnahme im Stadtgebiet gefallen. Vor wenigen Monaten erst sind die aufwendigen Arbeiten in Kolberger Straße, Memelstraße und Stettiner Straße abgeschlossen worden, nun folgt mit dem St.-Rochus-Weg die nächste Etappe im Marienviertel. Das in den 1950er Jahren gegründete Wohngebiet mit seinem mittlerweile maroden Abwassersystem ist notgedrungen bereits seit längerem im Visier des Tiefbauamts und des städtischen Abwasserbetriebs.

„Es ist ein typisches Beispiel für unsere Situation“, präzisiert Lurweg: Der Kanal ist derart löchrig, dass nur noch ein Neubau Sinn macht. Und zugleich sind Asphaltdecke und Gehwege ebenfalls so reparaturbedürftig, dass eine komplette Verschönerungskur angesagt ist. „Komplexmaßnahmen“ nennt der Technische Beigeordnete solche Fälle. Wenn schon die Straße zwecks Kanalsanierung aufgerissen werden muss, „dann macht es wirtschaftlich Sinn, auch die Straße neu zu bauen“.

Unmut und Klagen

Das gibt es allerdings nicht zum Nulltarif, wie die Anwohner beim Blick auf die Abgabenbescheide stets feststellen müssen. Das Kommunale Abgabengesetz (KAG) verpflichtet die Eigentümer, sich nach festgelegten Sätzen an den Kosten für die Straßensanierung zu beteiligen. Was dann – je nach Grundstücksgröße und Art der Immobilie – schon mal schnell in die Tausende gehen kann. Und genauso schnell regt sich dann der Unmut, was mitunter vor dem Kadi enden kann: An „zwei oder drei Klagen von Bürgern gegen die Bescheide in den vergangenen Jahren“ erinnert sich Lurweg. Stets aber seien diese im Sinne der Stadt Erkelenz entschieden worden. „Wir sind halt verpflichtet, die Beiträge gemäß KAG zu erheben.“

Dennoch: Der Ärger in der Bürgerschaft über die Eigenbeteiligung an den Straßensanierungsmaßnahmen und die Informationspolitik der Stadt im Allgemeinen war nicht selten laut und heftig – und artikulierte sich dann unter anderem bei den gesetzlich vorgeschriebenen Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung. Eine deshalb von der Stadtverwaltung vorgenommene Analyse kam zu der Erkenntnis, dass diese Unzufriedenheit einen erheblichen Mehraufwand für Verwaltung, Politik und auch die Bürger selbst bedeute. Aufwendige Einzelgespräche und neue Beratungen in Fachausschüssen würden dadurch nötig, was wichtige Kapazitäten verbrauche.

Um Abhilfe zu schaffen, konzipierte die Arbeitsgruppe der Verwaltung in Abstimmung mit der Politik ein „Zehn-Schritte-Modell“, das die Bürger bei Kanal- und Straßensanierungen früher als bislang einbeziehen soll. Ziel: Die Anwohner werden bereits im Vorjahr der geplanten Maßnahme über die Planung und den Planungsprozess informiert. Zudem gibt es zusätzliche Anschreiben an die Bürger sowie eine Bürgerbeteiligung, bei der Wünsche und Anregungen zur Straßengestaltung frühzeitig eingebracht werden können. Danach treten wieder Planer und Politiker auf den Plan und fassen endgültige Ausbaubeschlüsse. Erst dann gibt es die gesetzlich vorgeschriebene Informationsveranstaltung.

Positive Erfahrungen

„Das ,Zehn-Schritte-Modell ist kein Allheilmittel‘, sagt Ansgar Lurweg. Doch erste Erfahrungen mit dem neuen System seien durchaus positiv verlaufen. „Gute Gespräche mit den Bürgern“ habe es zu den Baumaßnahmen St.-Rochus-Weg und „Zum Eichhof“ in Katzem gegeben. Alles sei – diesmal – „friedlich und ruhig“ verlaufen. Doch die Nagelprobe kommt erst: Als nächste größere Kanalarbeiten stehen im Herzen der Stadt die Brückstraße (wohl in zwei Abschnitten) sowie die Südpromenade auf dem Plan. Diese sollen 2014/15 realisiert werden – wenn Sparkassen-Neubau und Finanzamt-Anbau stehen.

Und auch in den Jahren danach wird das Thema Kanal und Straßenerneuerung in Erkelenz weiter auf der Agenda stehen. Die in den 70ern gebauten Höfe am Schulring benötigen eine Frischzellenkur.

Bis frühestens 2015 haben dort die Anwohner aber noch Ruhe – vor Baulärm und Abgabenbescheiden.

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