Stadtbücherei Erkelenz hat digitalen Wandel im Blick

Von: Daniel Gerhards
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Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht: Egal ob digital oder gedruckt, die Büchereien geben Orientierung in Sachen Literatur. Sonst verlieren sich manche Leser in der großen Vielfalt. Fotos (5): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards
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Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht: Egal ob digital oder gedruckt, die Büchereien geben Orientierung in Sachen Literatur. Sonst verlieren sich manche Leser in der großen Vielfalt. Fotos (5): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards
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Von Daniel Gerhards Heinsberg/Erkelenz. Hier folgt der Grundtext.
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Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht: Egal ob digital oder gedruckt, die Büchereien geben Orientierung in Sachen Literatur. Sonst verlieren sich manche Leser in der großen Vielfalt. Fotos (5): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards
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Von Daniel Gerhards Heinsberg/Erkelenz. Hier folgt der Grundtext.
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Von Daniel Gerhards Heinsberg/Erkelenz. Hier folgt der Grundtext.

Heinsberg/Erkelenz. Für die einen ist die Bibliothek faszinierend, für die anderen furchtbar langweilig. Das hängt mit den Merkmalen zusammen, die ihr seit jeher zugeschrieben werden. Zum einen versammelt sie das Wissen der Welt auf engem Raum. Das fasziniert.

Zum anderen ist sie ein leicht angestaubter Ort der Stille, in dem man sich schwer zurechtfindet. Das langweilt. Beides stimmt nicht mehr. Einen viel größeren Wissensfundus als jede Bibliothek hält heute das Internet bereit, gleichzeitig entwickeln sich Büchereien zu offenen, freundlichen Kommunikationsräumen.

Dass der digitale Wandel auch die Arbeit der Bibliothekare in unserer Region auf den Kopf stellt, zeigt das Beispiel der Erkelenzer Stadtbücherei. „Wir müssen immer am Puls der Zeit bleiben“, sagt Angela Peschen, Leiterin der Erkelenzer Bibliothek. Viel habe sich im Laufe der Jahre getan, irgendwann konnte man neben Büchern auch CDs und Gesellschaftsspiele ausleihen. Aber im Vergleich zur jüngsten Entwicklung waren solche Veränderungen nicht einmal ein Sturm im Wasserglas. „Die Revolution sind die elektronischen Medien“, sagt sie. Tablet-Computer und E-Book-Reader ersetzen heute so manches Bücherregal.

Um bei dieser Entwicklung Schritt zu halten, hat sich die Erkelenzer Stadtbücherei dem Onleihe-Verbund in der Region Aachen angeschlossen. Das heißt, dass man dort nun zum Beispiel digitale Bücher ausleihen und auf dem eigenen Gerät lesen kann. Rund 8000 elektronische Medien bietet die Bibliothek auf diesem Weg an. Einmal in der Woche gibt es in der Bücherei eine Sprechstunde, in der es um Fragen zu E-Readern, Tablets und elektronischen Medien geht.

Davon ist die Heinsberger Stadtbücherei noch ein gutes Stück entfernt. Die Onleihe habe man aus Kostengründen nicht eingeführt, sagt Gerd Sonntag, Leiter der Heinsberger Stadtbücherei. Einmalig hätte die Einführung der Onleihe 6500 Euro gekostet. Die Folgekosten hätten im ersten Jahr 12.000 Euro und ab dem zweiten Jahr 8500 Euro betragen. Das war der Stadt Heinsberg zu teuer. Was die digitalen Angebote angeht, beschränkt sich die Bücherei auf CDs, Hörbücher und DVDs.

Bei all dem Wandel zum Lesen auf dem Bildschirm sei das Buch aber noch längst kein Auslaufmodell, sagt Peschen. Der eine blättere sich eben lieber Seite für Seite voran. Der andere schätze die Handlichkeit eines E-Readers. „Ich finde noch nicht einmal so wichtig, wie die Leute lesen. Sondern dass sie lesen“, sagt Rademacher. Für die Bibliotheken sind die Möglichkeiten der E-Books aber nicht unbegrenzt. Auch wenn sich digitale Texte eigentlich einfach kopieren ließen, müssen die Büchereien für jedes E-Book eine einzelne Lizenz kaufen. Das heißt, dass man auch auf elektronische Bücher unter Umständen warten muss. Für ein elektronisches Charlotte-Link-Buch gibt es in Erkelenz 43 Vormerkungen.

Eine wichtige Aufgabe der Bibliotheken bleibt, Orientierung zu bieten. Es gibt eine unüberschaubare Zahl von Büchern, und es gibt Internetquellen, denen es an Seriosität mangelt. Deshalb stellt sich die Erkelenzer Stadtbücherei nicht bloß Bücher ins Regal, sie macht Veranstaltungen für Kinder, die sehr niedrigschwellig schon für Zwei- bis Vierjährige konzipiert sind. Das Angebot für Jugendliche, Familien und Erwachsene geht bis hin zu einem Crime and Mystery Book Club, in dem englische Literatur auf Englisch besprochen wird.

Solche Angebote tragen auch dazu bei, dass Bibliotheken heute mehr sind als reine Bücherstuben. Sie werden zu Kommunikationszentren. Sie sind hell, einladend nicht mehr ganz so still wie früher. In die Büchereien in Heinsberg und Erkelenz kommen die Leute nicht mehr nur, um Bücher auszuleihen. Sie verbringen ihre Mittagspause dort, schauen in eine Zeitschrift oder unterhalten sich – dafür braucht man noch nicht einmal einen Bibliotheksausweis.

Wenn sich Bibliotheken nun als Kommunikationszentren verstehen, dann müssen sie ihre Öffnungszeiten überdenken. Am Samstag einige Stunden zu öffnen, reicht auf lange Sicht nicht aus. Am Abend, am Sonn- und Feiertag haben die Leute Zeit, in die Bücherei zu gehen. Dann dürfen sie nicht vor verschlossenen Türen stehen.

Wenn die Bibliotheken in der Region öffnen, dann bedeutet das auch, dass Personal da sein muss. Den Open-Library-Trend aus Dänemark halten Peschen und Rademacher für „reine Utopie“. Dabei können Nutzer ihre Bücher ganz ohne Hilfe eines Bibliothekars ausleihen. Sie scannen das Buch und buchen es auf ihr Konto. Die Rückgabe läuft ähnlich. Und was ist, wenn jemand beraten werden möchte? Das funktioniert. Aber nur persönlich, nicht digital.

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