Stadt Hückelhoven verbietet Auftritt von Hooligan-Band

Von: Michael Klarmann
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Ein Fan der Band „Kategorie C“ bei einem rechtsextremen Aufmarsch in Linnich im Juni 2016.
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Kontrollstelle der Polizei aus Richtung Granterath am Samstagnachmittag. Die Fahrer der Fahrzeuge auf dem Bild wurden nicht kontrolliert und konnten ihre Fahrt fortsetzen. Fotos (2): Michael Klarmann Foto: Michael Klarmann

Hückelhoven-Baal. Polizeikontrollen an allen Zugangsstraßen, immer wieder fahren Kleintransporter mit Polizisten der Einsatzhundertschaft durch Baal, postieren sich an verschiedenen Stellen im Ortskern. Während sich vor dem Clubhaus der Rocker der „Outlaws MC Heinsberg“ und auf deren Innenhof Besucher sammeln, notieren sich Streifenbeamte mit Strichlisten deren stetig wachsende Zahl.

Staatsschützer des Polizeipräsidiums Aachen begutachten das Geschehen aus der Entfernung.

Klage zurückgewiesen

Samstagabend, gegen 18.30 Uhr. Eigentlich sollte in Baal die rechtsextreme Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC) aus Bremen auf einer privaten Geburtstagsfeier ihres Mitarbeiters aus dem benachbarten Linnich auftreten. Doch die Stadtverwaltung in Hückelhoven hat das Konzert verboten. Dies bestätigt eine Sprecherin unserer Zeitung am Samstagnachmittag. Gegen das Konzert sei eine Verbotsverfügung erlassen worden.

Das Verbot sei nach einer Klage eines für das Haus der Rocker zuständigen Mannes vor dem Verwaltungsgericht Aachen von der Justiz auch bestätigt worden, heißt es. Verboten worden sei der Auftritt der Musikgruppe, die sich nach dem polizeilichen Fachbegriff für gewaltbereite Fußballfans benannt hat, wegen einer befürchteten Gefahr für die Sicherheit und Ordnung, sagt die Sprecherin der Stadt. Polizeisprecherin Angela Jansen bestätigt am Nachmittag das Verbot.

Da die Geburtstagsfeier am Abend dennoch stattfindet, ist die Polizei am Samstagnachmittag mit einem größeren Aufgebot vor Ort. Nach Baal einfahrende Fahrzeuge werden in Augenschein genommen, erkennbare Besucher der Feier, die aus der Region und verschiedenen Teilen Deutschlands anreisen, werden aus dem Verkehr gewunken und die Insassen kontrolliert.

Am Ortseingang Richtung Körrenzig müssen auch die Musiker der Band einen Zwischenstopp einlegen. Sie sind mit mehreren Wagen gegen 17.10 Uhr angereist und werden von der Polizei auf dem Parkplatz eines Autohauses kontrolliert. Später dürfen sie zwar weiter zum Clubhaus der Rocker fahren, auftreten sollen sie dort indes nicht. Auf der Party will man wohl dennoch ihre Musik hören, abgespielt jedoch von Tonträgern. Unter den Gästen befinden sich am frühen Abend Rocker, Glatzköpfe in T-Shirts der Band und Hooligans, allerdings auch erkennbare Rechtsextremisten. Kennzeichen an einigen Autos enthalten etwa beliebte Buchstaben- und Zifferncodes aus der Neonazi-Szene, andere Besucher tragen szenentypische Modemarken.

Lieder über Fußball und Gewalt

„Kategorie C“ präsentierte sich über Jahre als unpolitische Band die „nur“ über Fußball, Gewalt und das Leben als Hooligan singen will. Nicht jeder Fan der Band ist ein Rechtsextremist. Im Verfassungsschutzbericht des Bundeslandes Bremen für das Jahr 2015 heißt es jedoch, die „bundesweit bekannte rechtsextremistische Hooligan-Band“ sei Teil der „rechtsextremistischen Musik-Szene Bremens“. Bands wie KC würden „bei rechtsextremistischen Konzerten in Deutschland und im europäischen Ausland“ auftreten.

Die Musikgruppe, heißt es in dem Verfassungsschutzbericht weiter, sei „Bindeglied der Hooligan- und der rechtsextremistischen Szene, weil sie in beiden Szenen vor allem wegen ihrer gewaltverherrlichenden Lieder sehr beliebt ist“ und sie „mit ihren Konzerten zum Zusammenhalt und zur Mobilisierung beiträgt“. Die Band hat etwa die Hymne der fremdenfeindlichen Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) geschrieben. Die Zweitband „Nahkampf“ zeigt laut Verfassungsschutz die politische Gesinnung der Musiker, da diese – anders als KC selbst – „offen rechtsextremistische Inhalte“ thematisiere. Musiker von „Kategorie C“ waren 2016 schon bei den „Outlaws“ in Baal und in einem Partyraum in Heinsberg aufgetreten.

Waffen sichergestellt

Der Polizeieinsatz selbst dauert bis zum späten Abend. Ihre akribischen Kontrollen begründet die Polizei in der am Sonntagmorgen verschickten Pressemitteilung mit „strafrechtlich relevanten Ereignissen“ aus der Vergangenheit im Umfeld verfeindeter Rockerbanden, auch in Baal. Ziel des Einsatzes in Kooperation mit anderen Behörden und der Kommune sei es gewesen, „die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten und Straftaten zu verhindern“. Insgesamt haben die Polizisten am Samstag nach eigenen Angaben 222 Personen und 88 Fahrzeuge kontrolliert.

Festgestellt worden seien dabei vier Verstöße gegen das Waffengesetz, in drei Fällen seien Waffen sichergestellt und Anzeigen gefertigt worden. Eine Person habe eine Ordnungswidrigkeitsanzeige kassiert. Bei zwei Fahrern sei festgestellt worden, dass sie Betäubungsmittel konsumiert hatten, ein Fahrer habe seinen Wagen unter Alkoholeinfluss gelenkt. Allen wurde die Weiterfahrt untersagt und Blutproben entnommen. Dank der Präsenz der Beamten „verlief der Einsatz friedlich“, resümiert die Polizei.

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