Stadt Erkelenz: Spielplätze abbauen oder aufrüsten?

Von: Stefan Klassen
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Ehemals Bolzplatz, nun nur noch städtische Grünfläche mit minimalem Spielplatzcharakter: das Gelände an der Stettiner Straße. Foto: S. Klassen

Erkelenz. Evi, 8, ist wahrscheinlich das erste Kind, das hier in diesem Jahr durch den Sand stapft, gekonnt auf die Schaukel hüpft und mächtig loslegt. Ihr großer Bruder Tim, 10, hat unterdessen nicht all zu viel Freude: Seinen Fußball hat er umsonst mitgebracht.

Der Boden ist zu tief, die Tore und Fangnetze auf dem Spielplatz an der Stettiner Straße im Erkelenzer Marienviertel sind schon lange abgebaut. „Eigentlich ist es kaum zu sehen, dass das hier noch ein Spielplatz ist“, meint Tim.

Nur noch Minimalstandard

In der Tat. Die Stadt Erkelenz hat das Gelände im Jahr 2006 nach eigehender Diskussion in den Gremien zurückgebaut. Lediglich ein Wipptier, eine Schaukel und eine stählerne Sitzgruppe gibt es an der Stettiner Straße noch. „Dieser Spielplatz ist immer noch als ein solcher ausgewiesen“, bestätigt Markus Wilmer. Er ist Stadtjugendpfleger und daher von Amts wegen mit den Spielplätzen im Stadtgebiet befasst und vertraut. Der Rückbau des Areals an der Stettiner Straße auf einen Minimalstandard ist Teil des städtischen Spielplatzkonzepts, betont er. Ziel ist es, wenig oder kaum genutzte Spielplätze zu schließen, um andere Standorte auszubauen.

„Ein sensibles Thema“

Zuletzt hatten die Fachleute der Verwaltung die Situation vor gut drei Jahren unter die Lupe genommen. Wilmer: „Die Frage ist: Wo gibt es möglicherweise sinnvolle Synergien, die allen Beteiligten etwas bringen?“ Dies beziehe sich sowohl auf die Nutzer als auch die Kosten. So hat an einigen Standorten aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der Kinder derart abgenommen, dass der Spielplatz zumeist verwaist ist. Möglicherweise, so betont Stadtjugendpfleger Wilmer, macht es dann Sinn, den einen oder anderen Spielplatz aufzugeben und einen in der Nähe liegenden aufzuwerten. Der Bauhof braucht dann nur noch einmal mit Mitarbeitern und Maschinen anzurücken.

Für Wilmer und seine Kollegen von Fachämtern und Bauhof bedeutet das reichlich Arbeit. Rund 60 Spielplatze und 20 Bolzplätze sind im gesamten Stadtgebiet verteilt. Da ist es oft schwierig, einen gemeinsamen Nenner zu finden, „zumal das immer ein sensibles Thema ist“, wie Markus Wilmer betont.

Da liegt es nahe, die Betroffenen – sprich: die Kinder – in Entscheidungsprozesse über die Zukunft von Spielplätzen mit einzubeziehen. So, wie es beispielsweise bei der Um- und Neugestaltung des Spielgeländes an der Wilhelmstraße geschah. Die in der Gegend wohnenden Kinder und Jugendlichen zwischen 4 und 14 Jahren waren von der Stadt angeschrieben und um ihre Meinung gebeten worden. Beim dann anberaumten Ortstermin erschienen dann noch einmal rund 30 Kinder und Jugendliche – „eine gute Resonanz“, sagt Wilmer.

Auf die gleiche Art und Weise verfährt die Stadt auch in Neubaugebieten, wenn es um den Bau ganz neuer Spielplätze in den Neubaugebieten geht. „Es ist uns ganz wichtig, den Nachwuchs einzubeziehen“, bekräftigt der Stadtjugendpfleger.

Eine Aufwertung des Platzes an der Stettiner Straße steht indes derzeit ebenso wenig zur Debatte wie dessen komplette Aufgabe. „Da gibt es aktuell keine Entscheidung, das Thema liegt für uns derzeit etwas auf Eis“, verdeutlicht Wilmer.

Dabei ist das Areal städtebaulich durchaus interessant: Als Baugrund etwa – doch von einer Altlastenverdachtsfläche war schon einmal die Rede; oder als Erweiterungsfläche des benachbarten Friedhofs – was aber aufgrund der Entwicklung im Bestattungswesen und aus Gründen des Grundwasserschutzes in Frage steht.

Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordneter der Stadt Erkelenz, verdeutlicht: „Es gibt unterschiedliche Überlegungen für das Gelände, es gibt aktuell aber keine konkreten Pläne.“

Nichts Spruchreifes also. Was die achtjährige Evi auf der Schaukel nicht weiter stört. Ihr gefällt es auf dem Spielplatz an der Stettiner Straße auch so.

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