St. Bonifatius soll Grabeskirche werden

Von: Norbert F. Schuldei
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Selbst Wohlgesinnte würden St. Bonifatius in Schaufenberg kaum als Schmuckstück bezeichnen. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven-Schaufenberg. Nichts bleibt, wie es ist: Mit den Zeiten ändern sich auch die Gewohnheiten der Menschen. Über den Daumen 2000 Katholiken zählt die Gemeinde St. Bonifatius im Hückelhovener Stadtteil Schaufenberg.

Vor nicht einmal einem Menschenleben war es ein Ort, der fast ausschließlich von Bergarbeitern und ihren Familien besiedelt war, nicht wenige von ihnen mit polnischen Wurzeln, die meisten katholischer Konfession. Die Zeiten, an denen das Gotteshaus gefüllt war, sind Vergangenheit wie der Bergbau. „Ich schätze, ein halbes Prozent der Gläubigen sind heute noch regelmäßige Kirchgänger“, sagt Gertrud Pacilli. Sie ist Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Bonifatius. Und in diesem Gremium hat man sich Gedanken gemacht, wie man das Sakrale, das dem Gebäude innewohnt, erhalten kann – auch wenn man die innere Form verändert. „Ja, wir haben einen Antrag beim Bistum gestellt, die Pfarrkirche St. Bonifatius zu einer Grabeskirche zu wandeln“, sagt Ute Errens. Sie ist Gemeindereferentin an St. Lambertus in Hückelhoven, der Nachbargemeinde. Es wäre, sagt Errens, die „erste Grabeskirche in der Region Heinsberg“.

Anderenorts sind Urnen-Kirchen in Pfarrgemeinden, die von ähnlichen Sorgen geplagt werden wie die Schaufenberger, ein Erfolgsmodell. Im benachbarten Mönchengladbach etwa, ehemals auch eine Hochburg des Katholizismus, gibt es mittlerweile vier Grabeskirchen. Zu diesem Zweck müssen die Gebäude natürlich hergerichtet werden. Die nach einem eigenwilligen Plan des Wassenberger Architekten Wilhelm Andermahr in Form eines Kelches erbaute Kirche wurde im September 1956 geweiht. Ein maßstabgerechtes Modell der Bauzeichnung findet als Kelch im Gottesdienst Verwendung. Im Jahr darauf erhielt die Pfarrgemeinde ein besonderes Geschenk des Erzbischofs von Fulda: Die Reliquie des heiligen Bonifatius. Das Knochenstück wird in einem Eichenholzschrein aufbewahrt.

„Ich finde, die Umnutzung zu einer Grabeskirche wäre für unsere Kirche das Würdigste“, sagt Gertrud Pacilli. „Besser jedenfalls, als wenn man Büroräume oder Altenwohnungen da-raus macht.“ Jeder Friedhof sei ja ein, wie sie sagt, „heiliger“ Ort. Als Grabeskirche würde St. Bonifatius diesen „Status“ behalten. Fraglich, ob die Bonifatius-Knochenstücke in der neuen Nutzung die alte Funktion als Reliquie behalten.

Jetzt ist das Bistum am Zug. Das heißt: Es geht auch um Geld. Denn ein Umbau kostet Geld. Bringt aber auch wieder etwas rein: Der Preis für eine Einzelurne in einer Grabeskirche bei einer Liegedauer von 15 Jahren liegt im Schnitt bei rund 3000 Euro.

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