St. Bonifatius lebt als Grabeskirche weiter

Von: Ingo Kalauz
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Gertrud Pacilli und Volker Meintz (kl.Foto) sind die Sprecher der Gemeindemitglieder von St. Bonifatius, die ihre Kirche zu einer Grabeskirche vorangetrieben haben. So wird das Kolumbarium aussehen. Nach dem Ende der ersten Ausbaustufe finden dort bis zu 1350 Urnen Platz. Foto: Kalauz
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Das Kirchengebäude von St. Bonifatius bleibt erhalten. Nur ein Teil des Sakralbaus wird entwidmet.

Hückelhoven-Schaufenberg. Am Anfang war das Wort. Oder besser: Die Ankündigung des Bistums Aachen, dass man nach der Einrichtung der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) in Hückelhoven nicht mehr so viele Kirchen braucht wie bisher, das sind zehn im gesamten Stadtgebiet.

Da handelt die Kirche nicht anders als jedes weltliche Wirtschaftsunternehmen: Bei einem Zusammenschluss wird irgendwo irgendwas „freigesetzt“. Zwei Kirchen, das wurde schnell klar, in Hückelhoven würden dem „Rotstift“ zum Opfer fallen.

Die eine ist St. Barbara – und die andere? „Da unsere Gemeinde mit knapp 2000 Katholiken akut bedroht war, haben wir uns zusammengesetzt und darüber nachgedacht, wie es weitergehen könnte, wie wir die Kirche trotz drohender Schließung erhalten könnten“, sagt Gertrud Pacilli. Sie ist zusammen mit Volker Meintz so etwas wie Wortführerin des Kirchenvorstandes Schaufenberg-Millich. „Seit zwei Jahren“, sagt Volker Meintz, „arbeiten wir jetzt daran, unser Kirchengebäude St. Bonifatius in ein Kolumbarium, also in eine Grabeskirche, umzuwandeln.“ Nach der Ankündigung aus Aachen kam also eine Trotzreaktion: Wie können wir das drohende Ende für unsere Kirche in einen neuen Anfang verwandeln? „Im April 2013 haben wir beim Bistum Aachen den Antrag zum Prüfverfahren zur Umwandlung in eine Grabeskirche gestellt und haben angeboten, St. Bonifatius auf die Rote Liste beim Kirchlichen Immobilienmanagement (KIM) setzen zu lassen“, sagt Volker Meintz. Das Bistum hat dem Antrag stattgegeben.

Es ist ein Projekt, das im Stadtgebiet Hückelhoven einmalig ist, für das man auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen konnte. Also wurde ein Wettbewerb ausgelobt – und siehe da: „Die Preisrichter der diözesanen Kunstkommission favorisierten den Entwurf, der auch unser Favorit war“, erinnert sich Gertrud Pacilli. „Nach diesen Plänen des renommierten Architekturbüros Paulsen + Schlimm wird es eine Teilentwidmung des Sakralbaus geben. Chorraum und die Sakramentskapelle bleiben gewidmet“, sagt Volker Meintz. „Es wird keine Hochzeiten, keine Taufen und keine Kommunionfeiern in der Kirche mehr geben. Aber beispielsweise am Totensonntag werden noch heilige Messen gefeiert werden können“, ergänzt Gertrud Pacilli.

Der Diözesanadministrator, Weihbischof Karl Borsch, hat den modifizierten Plänen der Profanierung der Kirche St. Bonifatius inzwischen zugestimmt; das Dekret zur Teilentwidmung wird für den Ostermontag, 28. März, 2016, ausgestellt und dem Diözesanadministrator zur Unterschrift vorgelegt.

Nach diesen Plänen wird die karge Einfachheit des 1954 entstandenen Sakralbaues sozusagen als schützende Hülle für einen zylindrischen Körper genutzt, der, in zwei Ebenen unterteilt, die Aufbewahrung von Urnen ermöglicht. „Die Urnenfelder und Urnenwände“, erläutert Volker Meintz, „werden radial als ein Kreislabyrinth angeordnet“. Das Labyrinth, betont er, sei aber übersichtlich und für jeden begreifbar. Ursprünglich war geplant, die beiden inneren Kreise des Labyrinths mit trapezförmigen Kupferkuben auszubilden – Kupfer galt in frühen Hochkulturen als ein Metall der Unsterblichkeit – davon wurde aber inzwischen Abstand genommen: „Das wäre bei den Preisen heute zu teuer geworden. Wir streichen die Metallplatten jetzt mit einer Kupferlegierung. Auch das gibt dem Ganzen einen hochwertigen und aufgeräumten Charakter“, sagt Gertrud Pacilli.

Apropos Preise: Rund eine Million Euro wird der Umbau von St. Bonifatius zu einem Kolumbarium in der ersten Ausbaustufe wohl kosten, mindestens 900 Urnen können in dieser Phase in Einzelgräbern in 50 Zentimeter Höhe beigesetzt werden. „Übrigens kann man heute schon einen Platz im Vorverkauf reservieren“, sagt Meintz. Aus Aachen hat man die Versicherung erhalten, dass „wir mit der Grabeskirche Bestandsschutz haben“. Es wird also so schnell keine weitere Kirche im Umkreis geben, in der man sich oder seine Angehörigen bestatten lassen kann.

Der derzeitige Pfarrgarten zwischen Pfarrhaus und Kirche soll als ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens als Seerosenteich mit einer Begräbnisinsel gestaltet werden. „Und überdies“, so Gertrud Pacilli, „auch als ein Ort einer würdigen Aufbewahrung der Asche und Urnen nach dem Ende der Liegezeit im Kolumbarium“. Das angrenzende Jugendheim können bis zu 130 Personen für den Beerdigungskaffee nutzen.

Für Gertrud Pacilli und Volker Meintz ist eines schon jetzt ganz sicher: „Unsere Gemeinde erhält durch den Umbau und die Gestaltung des Kirchenumfeldes eine enorme Aufwertung, der Bestand des Kirchengebäudes wird dadurch auf lange Zeit gesichert“. Obwohl es ganz direkt mit dem Tod zu tun hat, da sind sich die beiden einig, werde das Kolumbarium „viel Leben in unsere Gemeinde bringen“. Die alte Kirche, dem Tod geweiht und zu neuem Leben auferstanden – was könnte besser zum Osterfest passen?

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