Sprachsteuerung: Fahrprüfung für behinderte Menschen

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Welcher Sprachbefehl für welche Funktion? Die Liste müssen Frank Sodermanns (l.) und Cornelia Schiefer (r.) auswendig lernen, um das neue Auto mit der Stimme steuern zu können. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. „Radio leise.“ Nichts tut sich. „Radio leise!“, sagt Frank Sodermanns noch einmal etwas lauter, und schon setzt sich die Sonnenblende oben an der Windschutzscheibe in Bewegung. Das sieht erst einmal nach einem Fehler aus. Ist aber richtig. Doch dazu später.

Mit vielen Details, die sich mittels Sprache steuern lassen, wartet das neue Fahrschul-Fahrzeug auf, das der Wassenberger Kfz-Meister zusammen mit seinem Team, allen voran Kfz-Mechatroniker Artur Buchzik, weiterentwickelt hat. Nutzen kann es Fahrlehrerin Cornelia Schiefer, die einen eigenen Übungsplatz für die ersten Fahrten behinderter Menschen im für sie individuell umgebauten Fahrzeug hat.

„Wir bieten damit als erste in Deutschland bis auf den Joystick fürs Beschleunigen, Lenken und Bremsen ein komplett sprachgesteuertes Fahrzeug für die Fahrschularbeit an“, sagt Sodermanns. Und das nicht ohne Grund: „Ab 2017 müssen behinderte Menschen nicht nur ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Fahrzeug steuern können. Sondern auch das Fahrzeug, das sie in der Fahrschule genutzt haben, muss bereits ganz genau so ausgestattet gewesen sein wie ihr eigenes Fahrzeug“, erklärt Sodermanns die Anforderung, die auf alle behinderten Menschen zukommt, die künftig selbst ein Auto fahren wollen. „Da war die Aufgabe für uns, ein Fahrschulauto so einzurichten, dass es bis auf die Grundfunktionen komplett mittels Sprache gesteuert werden kann“, sagt er. Will heißen, ein Fahrzeug, das alles kann, ist auch für Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen zulässig.

Die Sprachsteuerung für die Sonnenblende – mit dem Befehl „Radio leise“ – ist dabei eigentlich nur ein Detail. Aber darauf sind Sodermanns und Buchzik besonders stolz, weil sie in Wassenberg entwickelt wurde. Die im Fahrzeug verbaute Software sei seit einem Jahr auf dem Markt, erklärt Buchzik. Da ein Befehl für die Sonnenblende in der Liste der rund 150 möglichen Sprachbefehle nicht vorgesehen gewesen sei, nutzte er den Befehl für Lautstärkeregelung des Radios einfach für die Funktionalität der Sonnenblende.

Einstieg per App

Damit auch das Einsteigen ins Auto problemlos funktioniert, ist die Sprachsteuerung über eine eigene App auch mittels Mobiltelefon oder Tablet möglich. Nur beschleunigen, lenken und bremsen muss der Fahrer noch mit einem Joystick, wie er auch in einem Flugzeug genutzt wird.

Zwei interessierte Fahrschüler, die mit dem Fahrzeug ihre Prüfung machen wollen, hat die Fahrschule schon. Eine sei aufgrund einer angeborenen Gelenksteife auf die Sprachsteuerung angewiesen, die zweite habe keine Finger an ihren Händen, sagt Sodermanns.

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