Spinnen mit Häuptling „Flinke Hand“: Mitmachen im Flachsmuseum

Von: Monika Baltes
Letzte Aktualisierung:
13934537.jpg
Die Teilnehmer des Spinnkurses „Spinnenfürjedermann“ im Flachsmuseum Beeck bestaunen ehrfürchtig die Fingerfertigkeit von Kursleiter Hajo Schukey.
13934543.jpg
Nicht immer klappt es so wie es sollte. Das eigene Werk erinnert bisweilen an „flauschige schwangere Regenwürmer“.
13934552.jpg
Beim Umgang mit dem Spinnrad ist Fingerfertigkeit gefragt.

Wegberg-Beeck. Das sieht leicht aus, kinderleicht. Ein Schubs für die freihängende Spindel, ein geübter Griff an das Faserdreieck und einen winzigen Moment später wandert der Drall der Handspindel hoch und verzwirnt das erste Stück Faden. So einfach kann Spinnen sein! Faszinierend. Die Teilnehmer des Spinnkurses „Spinnen für jedermann“ im Flachsmuseum Beeck bestaunen ehrfürchtig die Fingerfertigkeit von Kursleiter Hajo Schukey. Ein Häuptling „Flinke Hand“, wie sich bald herausstellen soll.

Denn die ersten eigenen Versuche der Teilnehmer sind weit entfernt von der unglaublichen Leichtigkeit, der perfekten Koordination, dem richtigen Maß für den Schwung der Spindel. Und überhaupt: Beim Meister ist ein wunderbarer, ebenmäßiger Wollfaden herausgekommen, das eigene Werk erinnert an „flauschige schwangere Regenwürmer“. So nennt man das jedenfalls in Spinnerkreisen.

Hajo Schukey lacht. Übung macht den Meister. Er spinnt seit mehr als 40 Jahren. Und er ist sicher: Mit ein bisschen Geduld ist das Spinnen leicht erlernbar – und zwar in jedem Alter. Kleine Berge feinster Schafwolle türmen sich auf dem Tisch. „Sie ist viel weicher als Flachs und deshalb für Anfänger leichter zu verarbeiten“, erklärt Klara Schlömer vom Heimatverein Wegberg-Beeck. Aber am Ende des eintägigen Kurses werden die „Spinner“ im Flachsmuseum auch mit Flachs arbeiten können und die Handspindel wird bis dahin durch das Spinnrad ersetzt.

Die Teilnehmer am ersten Spinnkurs kommen aus Beeck, Heinsberg Schwaam, Ratheim. Alle wollen sich in der alten Kunst üben, der Anstoß für den Kurs war aber bei jedem individuell. Klara Schlömer will bei ihren Führungen durch das Flachsmuseum das Spinnen nicht nur in Worten erläutern, sondern auch zeigen können.

Ein Ehrenamtler (ja, auch ein Mann ist dabei!) des benachbarten Museums für Europäische Volkstrachten will ganz weit zurück zu den Wurzeln der Trachten aus feinstem Leinen. Und eine Märchenerzählerin will ganz genau ergründen, wie das denn damals zugegangen ist bei Dornröschen. „Die gängigen Abbildungen mit dem Spinnrad sind nämlich irreführend, Dornröschen hat sich an einer Handspindel gestochen.“

Sorgenfalten machen sich breit

Sorgenfalten machen sich auf der einen oder anderen Stirn breit. „Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen“, sagt der Volksmund. Und damit sind nicht – wie irrtümlich oft angenommen wird – die Krabbeltiere gemeint, sondern die Volksweisheit bezieht sich auf die Tätigkeit des Spinnens von Wolle. In den ärmeren Schichten mussten die Frauen bereits früh damit beginnen, zu spinnen, um etwas Geld hinzuzuverdienen. In den begüterten Kreisen galt es als angemessener Zeitvertreib für die Damen am Abend. „Spinnen am Abend – erquickend und labend.“

Und schon wieder hat einen eifrigen Handarbeiter die größte denkbare Katastrophe beim Spinnen erwischt: Faden verloren! Ein Drama, das sprachlich schon wieder beweist, wie tief das alte Handwerk in unserer Umgangssprache verwurzelt ist. „Drehen, drehen, drehen“, mahnt Hajo Schukey. Mühsam ist der Weg zum gesponnenen Faden, aber nicht unmöglich. Erste Erfolge stellen sich ein, sehr zur Freude der Teilnehmer.

Sechs Spinnkurse bietet der Heimatverein Wegberg-Beeck in diesem Jahr im Flachsmuseum an und betritt damit Neuland in dem Bemühen, das alte traditionelle Handwerk der Region präsent zu halten.

Mit Erfolg, denn: „Wir haben sogar Anfragen aus Ratingen, und eine Nachbarschaft will den Spinnkurs zu einem runden Geburtstag verschenken“, plaudert der Geschäftsführer des Heimatvereins, Dieter Göris, aus dem Nähkästchen. Die Teilnehmer der ersten beiden Spinnkurse im Januar haben jedenfalls alle spinnen gelernt. Vielleicht war der Faden nicht ganz so perfekt wie bei Hajo Schukey, aber doch durchaus ansehnlich und ohne Zweifel ein Erfolgserlebnis.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert