Spende für Strafgefangene: Die Geste zum Fest

Von: Anna Petra Thomas
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Diese Tüten wollen sie zu Weihnachten für alle Gefangenen füllen: Pfarrer Gernot Müller, Häftling Jean-Pierre, Norbert Tillmanshöfer von der Gefangenenhilfe, Häftling Amro, Pfarrer Rüdiger Hagens und Diakon Stephan Lütgemeier (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest machen sich die evangelischen und katholischen Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg derzeit Sorgen. Natürlich würdigen auch sie das große Engagement für die Flüchtlinge, die in der Region ankommen und versorgt werden müssen.

„Nichtsdestotrotz hoffen wir, dass unsere diesjährige ökumenische Spendenaktion für jugendliche Strafgefangene zum Weihnachtsfest nicht ins Leere läuft“, sagte der katholische Pfarrer Rüdiger Hagens. Diese Zuwendung sei ein Auftrag, „den uns Papst Franziskus praktisch und glaubwürdig vor Augen führt, indem er immer wieder Gefängnisse in aller Welt aufsucht“, so der Pfarrer.

Seit vielen Jahren bekommen die jungen Häftlinge nach einem Gottesdienst in der Gefängniskirche vom Seelsorger, der sie betreut, eine große Papiertüte mit einer Grußkarte des Bischofs und mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln, die vorher gespendet worden waren. Um die Tüten zu füllen, wünschen sich die Seelsorger neben Geld- auch Sachspenden, und die „bitte nur lose“, nicht zu Päckchen verpackt: Kaffee (löslich oder gemahlen), Tabak, Dauerwurst, Konserven, Süßigkeiten. Wichtig ist, dass keine der Spenden Alkohol enthält. Der könne zum Beispiel in After Shave oder Sprays enthalten sein. Auch leicht Verderbliches wie frisches Obst sei nicht geeignet.

Es gehe darum, den Häftlingen zu diesem Fest die weihnachtliche Stimmung zu vermitteln, dafür zu sorgen, dass diese Zeit für sie nicht zu einer Phase werde, in der sie ganz besonders unter Einsamkeit und Isolation leiden müssten, sagte Hagens.

Jean-Pierre (22) aus Duisburg, der zu Weihnachten schon einmal eine solche Tüte bekommen hat, kann sich noch gut daran erinnern: „Das war sehr schön! Ich freue mich schon jetzt wieder darauf. Was drin ist, ist eigentlich egal. Das ist einfach eine sehr schöne Geste.“ Amro (21) aus Moers, könnte zum ersten Mal eine solche Tüte bekommen, er hat von anderen Häftlingen bereits davon gehört: „Ich habe gehört, dass diese Gaben hier sehr wertgeschätzt werden“, sagte er.

Der Glaube spielt keine Rolle

Das Weihnachtsfest sei ein guter Anlass, alle Gefangenen zu bedenken, egal welchen Glaubens, ergänzte Hagens. Für Muslime bedeute dieses Fest schließlich auch die Geburt eines großen Propheten. Etwa 30 Prozent der aktuell in der JVA einsitzenden Jugendlichen seien Muslime. 425 Gefangene sind es insgesamt, die sich auf eine „Zuwendung“ der Seelsorger freuen, wie es offiziell heißt. Denn auch die neuen Gebäude mit 120 Plätzen für die Untersuchungshaft seien derzeit mit 116 Häftlingen fast voll belegt, sagte Diakon Stephan Lütgemeier.

Wertvoll ist die Gabe der Seelsorger aber auch deshalb, weil die Gefangenen schon seit einigen Jahren zum Weihnachtsfest keine Päckchen von ihren Familien erhalten dürfen. Die Gaben aus der Bevölkerung, die über die Seelsorge an sie weitergegeben werden, sind somit die einzigen „Geschenke“. Eine „Bescherung“ könne man das eigentlich gar nicht nennen, so der evangelische Pfarrer Gernot Müller. Es sei entscheidend, dass es Gesten wie diese in der Gesellschaft gebe.

In puncto Flüchtlingsthematik beschreibt er noch eine weitere Sorge, die derzeit auch die Seelsorge beschäftigt. Die jungen Flüchtlinge würden meist in soziale Einrichtungen entlassen. „Doch immer, wenn Plätze rar werden, ist unsere Klientel als erstes betroffen“, so Müller. Er meint damit Praktikums- und Arbeitsplätze für entlassene Strafgefangene.

Zudem bestehe die Gefahr, dass Resozialisierungseinrichtungen in Flüchtlingsheime umgewandelt würden. Der evangelische Pfarrer Norbert Tillmannshöfer, Vorsitzender des Vereins Gefangenenhilfe Heinsberg, berichtete davon, dass der Verein die Gefangenen nach ihrer Entlassung unterstütze. Er sprach zum Beispiel über einen Gefangenen, der für seinen Arbeitsplatz einen Führerschein benötigte. Der Verein half finanziell in Form eines Kredits, den der ehemalige Gefangene später zurückzahlte.

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