Spektakuläre Funde: Die Keimzelle von Katzem ausgegraben

Von: Helmut Wichlatz
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Bodenverfärbungen geben Hinweise auf eine Brunneneinfassung aus dem 3. Jahrhundert. Foto: hewi
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Weist die Geschossspitze aus Bronze darauf hin, dass es einen Überfall gegeben hat, der den Besitzern des Hofes zum Verhängnis wurde? Foto: hewi
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Martha Aeissen und ihr Team fanden Grundmauern einer römischen Villa Rustica, die in Katzem vom ersten Jahrhundert vor Christi bis zum fünften Jahrhundert nach Christi stand. Foto: hewi

Erkelenz-Katzem. Die Entwicklung des Baugebietes „In Katzem, Hohlstraße“ mit der Nummer XIV hat es in sich. „Wir haben die Keimzelle Katzems ausgegraben“, betonte der technische Beigeordnete Ansgar Lurweg bei einem Termin vor Ort. Der Fokus der Grabungen, mit denen die Bonner Fachfirma Archaeonet beauftragt wurde, lag auf den römischen Ansiedlungen.

Von denen könne man im Erkelenzer Raum ausgehen, betonte die Archäologin Martha Aeissen. Und tatsächlich fand man Grundmauern einer römischen Villa Rustica, die dort vom ersten Jahrhundert vor Christi bis zum fünften Jahrhundert nach Christi stand. Das Besondere an den Funden sind die Grundmauern selbst, denn normalerweise müsse man schon die Phantasie anstrengen, um aus den üblichen Verfärbungen im Erdreich Rückschlüsse auf die einstige Bebauung zu erlangen.

Schon das allein wäre eine kleine Sensation, doch zu den Funden aus der Römerzeit kamen weitaus ältere. So wurden auch Funde aus der sogenannten Hallstatt-Zeit (ca. 800 – 450 v.Chr.) und sogar noch ältere aus der jungneolithischen Zeit (4300 – 2800 v. Chr.) gemacht. Die jüngsten Funde stammen aus dem Hochmittelalter (12. Jahrhundert) und gehen einher mit der ersten schriftlichen Erwähnung des Ortes Katzem.

Der römische Gutshof war rund 1,4 Hektar groß und bestand aus mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Interessant an dem Fund sei, dass der Hof nachweislich noch bewirtschaftet wurde, als die Römer sich längst aus dem Rheinland zurückgezogen hatten, betonte Aeissen. „Die Bewohner haben noch rund hundert Jahre nach dem Rückzug der Römer hier gelebt und gewirtschaftet“, erklärte sie. Was in der Zeit bis zu den nächsten datierbaren Funden dort passierte, wisse man nicht.

Darüber könne nur gemutmaßt werden. Belegt werden können die Besiedlungszeiträume neben den römischen Fundamenten und Brunneneinschalungen vor allem durch Scherbenfunde. Durch diese lasse sich die zeitliche Zuordnung relativ genau durchführen. Nicht erkennen lässt sich, weshalb der Hof dann von seinen Besitzern aufgegeben wurde. Vielleicht ist ja die Geschossspitze aus Bronze dafür von Bedeutung, die man dort gefunden hat, wo einmal die Darre zum Trocknen und zur Haltbarmachung der Ernteerträge gestanden hat. Hat es vielleicht einen Überfall gegeben? Solche Spekulationen sind nichts für Archäologen. Deren Aufgabe sei es, die Funde für die Nachwelt zu konservieren und zu dokumentieren. Sie werden dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn übergeben und im Rheinischen Landesmuseum ausgestellt.

„Wir haben hier verstärkt mit Bodendenkmälern zu tun“, erklärte Lurweg. In Erkelenz wurden deshalb schon einmal im Rahmen der tagebaubedingten Umsiedlung großflächig Bodenuntersuchungen durchgeführt. „Wir wollten bei den Umsiedlungen nicht ins Ungewisse laufen“, betonte er. Einen so umfangreichen Fund in einer Ortslage habe es bislang noch nicht gegeben. Die sogenannte Vorsondierung gehört in Erkelenz bei Bauplanverfahren dazu. Nach ersten Funden in Katzem vor zwei Jahren hatte der Rat einer genauen Untersuchung zugestimmt. Die Kosten belaufen sich auf rund 200.000 Euro und werden letztendlich auf den Kaufpreis der Grundstücke aufgeschlagen.

Problematisch sei, dass man nie wisse, was man vorfinde und wie damit umzugehen sei. „Die Kosten sind deshalb schwer abzuschätzen“, so Lurweg. Insgesamt wird eine Nettobaulandfläche von 11.900 Quadratmetern erschlossen. Mit den Erschließungsarbeiten soll in den kommenden Wochen nach der Beendigung der archäologischen Arbeiten begonnen werden.

Mit den Verkaufsgesprächen für die Grundstücke beginnt die städtische Grundstücksentwicklungsgesellschaft GEE im Oktober. Bis dahin sind die Bodenfunde katalogisiert und wieder zugedeckt, damit an der geschichtsträchtigen Stelle auch gebaut werden kann. An die Brunneneinschalung, die derzeit noch offengelegt ist und untersucht wird, erinnert danach nichts mehr.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden auch im Stadtarchiv eingelagert, damit man später weiß, was es mit den seltsam verfärbten Bodenschichten auf sich hat, wenn der neue Hausherr seinerseits auf die Idee kommt zu graben.

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