SPD-Kandidat Voßenkaul: „Nicht perfekt“, aber „der bessere Mann“

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Dr. Hans-Josef Voßenkaul will die Bürger stärker beteiligen. Foto: anna
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An der Wahlurne wird sich am 25. Mai zeigen, welcher der Bürgermeisterkandidaten für die Heinsberger Bürger am Ende doch die besseren Argumente hatte. Foto: imago/Thomas Frey

Heinsberg. Schon einmal sind sie um die Gunst der Heinsberger Wähler gegeneinander ins Rennen gegangen. Bei der Kommunalwahl im Jahr 2009 hatte Bürgermeister Wolfgang Dieder in der christdemokratisch-dominierten Kreisstadt am Ende mit weitem Abstand die Nase vorn. Doch Dr. Hans- Josef Voßenkaul, Vorsitzender der SPD und Ratsherr, will‘s am 25. Mai noch einmal wissen.

Rechnet er sich diesmal bessere Karten aus? Wo sieht er seine Chance? Und was hält er von seinem Widersacher im Kampf um den Chefsessel in der Verwaltung? Redakteur Rainer Herwartz sprach mit ihm.

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder erzielte bei der letzten Kommunalwahl 2009 70,3 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen, Sie 16,1 Prozent. Glauben Sie, dass diesmal mehr drin ist?

Voßenkaul: Ja, selbstverständlich. Ich glaube, dass die Bilanz meines Gegenkandidaten nicht besonders ist. 39 Millionen Euro Defizit, von denen alleine in diesem Jahr 6,1 Millionen eingeplant sind, sprechen eine eindeutige Sprache. Von 2009 an sind 8,7 Millionen Euro an Zinsen bezahlt oder eingeplant worden. Der Haushalt ist somit in meinen Augen ein Desaster. Es sind keine Ansätze darin enthalten, die uns aus dieser Misere herausführen könnten. Im Gegenteil. Maßnahmen, die zur Steigerung der Einnahmen bereits vereinbart waren, wie die Erhöhung der Grundsteuer, wurden zurückgenommen. Die Schulpolitik war bislang eine einzige Katastrophe. Die Festhalle Oberbruch ist etliche Jahre vernachlässigt worden. Wir haben dieses Thema durch eine Anfrage im Rat überhaupt erst in die öffentliche Diskussion gebracht. Und wenn ich jetzt lesen muss, dass der Ortsvorsteher erklärt, er habe den Bürgermeister schon seit Jahren auf die Missstände hingewiesen, empfinde ich das als Frechheit.

Trotz allem Optimismus, die CDU erreichte bei der letzten Wahl 61,1 Prozent. Hand aufs Herz, wenn in Heinsberg ein SPD-Mann Bürgermeister werden sollte, grenzt dies an ein biblisches Wunder. Warum also stellen Sie sich dennoch erneut als Herausforderer?

Voßenkaul: Weil ich mich für den besseren Mann halte, sonst würde ich mich nicht zur Wahl stellen. Ich finde, dass die Heinsberger eine Alternative verdient haben.

Was den prozentualen Zuspruch in Ihrer Partei angeht, unterscheiden Sie sich mit 92 Prozent kaum vom Amtsinhaber, der auch 91 Prozent der Stimmen seiner Leute auf sich vereinen konnte. Was, denken Sie, unterscheidet sie als Mensch?

Voßenkaul: Ich möchte mich an dieser Stelle nicht zu meinem Gegenkandidaten äußern, kann Ihnen aber gerne etwas zu meinem Politikverständnis sagen.

Das da wäre?

Voßenkaul: Ich bin ein absoluter Verfechter von Transparenz. Und ich glaube, dass auch politische Gegner gute Ideen haben können. Ich möchte für Heinsberg eine Politik, in der alle, unabhängig von ihrer politischen Grundausrichtung, die Probleme unserer Kommune offen auf den Tisch legen und diese gemeinsam anpacken. Ich hasse Vetternwirtschaft und Klientelpolitik. Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Spruch: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern, was du für dein Land tun kannst. Wir brauchen viel mehr Bürgerbeteiligung und müssen den Bürgern reinen Wein einschenken.

Wie begegnen Sie der Kritik, dass nur ein Verwaltungsfachmann sich sicher in den zum Teil komplizierten kommunalen Strukturen bewegen könne?

Voßenkaul: Woher nehmen Sie die Erkenntnis, dass ich diese Erfahrung nicht besitze?

Sie überraschen mich. Sollte mir da etwas entgangen sein?

Voßenkaul: Joh. Ich arbeite seit 20 Jahren in einer Behörde und war gerade 15 Monate als Referent im Justizministerium in NRW tätig. Wenn das keine Verwaltungserfahrungen sind . . . Darüber hinaus verfüge ich über fundierte kaufmännische Kenntnisse. Schließlich war ich auch lange Jahre als Industriekaufmann tätig. Und ich glaube, meine fünfjährige Erfahrung als Personalchef in der Druckindustrie dürfte da auch recht hilfreich sein. Zudem denke ich, es kann nur von Vorteil sein, einmal frischen Wind in die Heinsberger Stadtverwaltung zu bringen.

Wo sehen Sie denn die Hauptschwächen der Mehrheitsfraktion und ihres Kandidaten?

Voßenkaul: Mir fehlen die Visionen, die klare Linie sowie die Transparenz. Nehmen wir zum Beispiel einmal die reaktivierte Bahnlinie. Um gleich eines vorweg zu schicken, ich begrüße die neue Bahnstrecke ausdrücklich. Was ich jedoch bemängele, ist die Vorgehensweise. In einer öffentlichen Informationsveranstaltung habe ich gefragt, was die Reaktivierung den Bürger kosten würde. Daraufhin hat der Bürgermeister geantwortet: Keinen Cent. Doch schon wenig später musste ein Betriebskostenzuschuss beschlossen werden, ebenso wie die millionenschwere Anlage von Parkplätzen. Dabei spielt keine Rolle, wie viel das Land oder die Stadt bezahlen. Am Ende zahlt alles der Bürger. Durch die Aussage des Bürgermeisters ist eine inhaltliche Diskussion verhindert worden.

Jetzt ist die Rolle des Herausforderers, der – Sie mögen es mir verzeihen – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nie seine Ankündigungen in die Tat umsetzen muss, ja eine recht komfortable. Was macht Sie so sicher, der Aufgabe im Falle eines Falles dennoch gewachsen zu sein?

Voßenkaul: Ich liebe die Herausforderung. Und in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ich den verschiedensten Anforderungen gerecht geworden bin. Mir ist klar, dass ich nicht perfekt bin, aber ich glaube, das muss man auch gar nicht sein. Wichtig ist, dass man um seine Stärken und Schwächen weiß und bereit ist, mit anderen in Dialog zu treten. Ich muss nicht alles wissen und können, aber ich muss wissen, wo ich fehlendes Know-how herkriege. Ich glaube, mein bisheriger Lebensweg zeigt, dass ich kein Fachidiot bin, sondern eher ein Generalist. Und das muss ein erfolgreicher Bürgermeister sein.

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