SPD-Kandidat Ralf Derichs will mit klaren Konzepten punkten

Von: Daniel Gerhards
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Wahlkampf in der Wegberger Fußgängerzone: SPD-Kandidat Ralf Derichs will die Wähler mit klaren Konzepten überzeugen. Foto: Daniel Gerhards
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Prominenter Gastredner: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz spricht über soziale Gerechtigkeit. Foto: Daniel Gerhards

Erkelenz/Wegberg. Die Musikkapelle spielt, ein kalter Wind weht durch die Fußgängerzone und einige Zuschauer warten vor einer Treppe, auf der ein Rednerpult aufgebaut ist. Gerade haben die Helfer noch rote Banner und Politikerplakate aufgehängt.

Immer mehr Leute bleiben auf dem Stück Straße zwischen türkischem Imbiss, Strickwarenladen und Restaurant stehen. Die Musik kommt vom Musikverein Rath-Anhoven, die Fußgängerzone gehört zur Stadt Wegberg und am Rednerpult steht Olaf Scholz. Es ist Wahlkampf in der Provinz.

Der Erste Bürgermeister der Weltstadt Hamburg unterstützt seine Genossen aus dem Kreis Heinsberg. Besonders Ralf Derichs. Der will im Wahlkreis Heinsberg-Nord für die SPD in den Landtag. Und dabei soll das prominente Parteigesicht von Olaf Scholz helfen.

Ralf Derichs ist bisher vor allem in der Kommunalpolitik in Erscheinung getreten. Seit 2014 als Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag. 1980 kam er zur SPD, „im Landtagswahlkampf“, wie er sagt. 1985 machte er dann im Wahlkampf mit, als der Wahlkreis Heinsberg-Nord zum bislang einzigen Mal an den SPD-Kandidaten ging. Und jetzt will er selber nach Düsseldorf.

An diesem Nachmittag wird klar: Derichs, 55 Jahre, ist kein mitreißender Redner. Aber er hat klar formulierte Ziele. Eines davon bezieht sich auf den sozialen Wohnungsbau. „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass es im Kreis Heinsberg günstigen Wohnraum für Familien gibt“, sagt er.

Kürzlich habe die NRW-Bank in einer Studie festgestellt, dass im Kreis 5000 Wohneinheiten fehlen. Derichs will deshalb eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Heinsberg gründen. Derichs möchte sich keinem Flügel in der SPD zuordnen lassen. Er sei immer für soziale Gerechtigkeit gewesen, sagt er. Das ist an diesem Nachmittag auch das Thema von Olaf Scholz. Der spricht über wirtschaftliche Stärke als Grundlage des sozialen Ausgleichs.

Und darüber, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt Bedingung für die gute ökonomische Lage Deutschlands ist. Das fehle zum Beispiel in Großbritannien, wo der Brexit beschlossen wurde, und in Frankreich, wo die Rechtspopulistin Marine Le Pen um die Präsidentschaft ringt. Scholz verteidigt den Mindestlohn, fordert gebührenfreie Kitas und sagt, dass er die befristeten Jobs und die Leiharbeit eindämmen will. „Leiharbeit darf kein Konzept für schlechte Löhne sein.“

Auch Derichs redet über Arbeitsplätze. Er will, dass der Kreis Heinsberg enger mit den umliegenden Hochschulen kooperiert, damit gut bezahlte Jobs entstehen. Man könne Hochschulinstitute oder Forschungsunternehmen dazu bewegen, in den Kreis Heinsberg zu kommen, meint er. „Wir brauchen mehr gut bezahlte Arbeitsplätze, nicht nur Stellen im Handel und in der Logistik. Sonst bleibt für folgende Generationen nur die Alternative Auspendeln oder Niedriglohn“, sagt Derichs.

Als zwischen den Reden der Musikverein noch einmal spielt, nutzt Wegbergs Bürgermeister Michael Stock die Gelegenheit, sein goldenes Buch zu zücken. Er legt es auf das Rednerpult und lässt den Spitzengenossen Scholz unterschreiben. Scholz macht das alles mit einem Lächeln. Den Bürgermeister freut es, denn so ein Scholzbesuch ist für Wegberg eine große Sache.

Für Derichs ist es ein Beweis der „Solidarität“, dass der stellvertretende Parteivorsitzende kommt, um ihn beim Wahlkampf zu unterstützen. Weil Derichs aus Erkelenz kommt, will er auch mit dem Thema Tagebau punkten. Er sagt, dass man das Auslaufen von Garzweiler II als Chance begreifen müsse. „Ich setze mich dafür ein, unseren Kreis zu einem Zentrum für regenerative Energien zu machen“, sagt er.

Bei den Planungen für die Zeit nach dem Tagebau werde ihm zu viel über Landschaftsgestaltung und zu wenig über Gewerbe und Industrie gesprochen. „Wir haben geholfen, die Energieversorgung sicherzustellen, jetzt wollen wir auch dabei sein, wenn es um die Arbeitsplätze in den Energien der Zukunft geht“, sagt Derichs.

Ob Ralf Derichs im traditionell schwarzen Kreis Heinsberg in den Landtag einziehen kann, ist bis zur Wahl am 14. Mai völlig offen. Er selbst glaubt jedenfalls, eine reelle Chance zu haben. In den vergangenen Wochen, die er sich für den Wahlkampf frei genommen hat, hat er den Kreis noch einmal besser kennengelernt. Zum Beispiel bei einer historischen Stadtführung in Wassenberg.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Plakat, das falsch herum hängt. Ein gutes Omen sei das, den Kandidaten einmal auf den Kopf zu stellen, meinten die Wegberger Wahlhelfer. Das habe schließlich auch gewirkt, als Michael Stock die Wahl um den Chefsessel im Rathaus gewann. Derichs brachte es viel Aufmerksamkeit – TV-Beitrag inklusive. „Das ist zum Selbstläufer geworden“, sagt er.

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