Waldfeucht - Spaziergang durch die Geschichte: Stadttore schräg aufgestellt

Spaziergang durch die Geschichte: Stadttore schräg aufgestellt

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
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Waldfeucht war nicht zu jeder Zeit offen für alle Besucher. Ein spannender Spaziergang durch die Geschichte des Ortes lässt noch Raum für Fantasie. Archivar Manfred Rulands, weiß wo man suchen muss. Foto: Bindels

Waldfeucht. „Für mich sind die größten Veränderungen auf den Bildern zu sehen, die den Blick von der Kirche über die Brabanter Straße in Richtung ehemaliges Obertor richtet“, erläutert Manfred Rulands, Archivar und Schatzmeister im Historischen Verein Waldfeucht, und zeigt Fotos aus den Jahren 1900 und 1940.

Die Freude ist ihm anzumerken, sein Wissen und die zahlreichen Informationen ins Gespräch einfließen zu lassen. Dass der Funke überspringt und der Zuhörer sich vor seinem geistigen Auge in eine reichhaltige Geschichte des Ortes Waldfeucht zurückversetzt fühlt, das ist die zwangsläufige Folge.

Waldfeucht ist eine ehemals befestigte Stadt, das lässt sich leicht nachvollziehen für den, der den Rundgang auf dem Wall der Stadtbefestigung macht. Und im Bildband „Waldfeucht“ von 1980 beschreibt Karl Cleef Waldfeucht als Ort, der Ende des 14. Jahrhunderts durch die Herrschaft Brabants „mit Wall, Graben und zwei Stadttoren befestigt wurde“. Der Durchmesser des befestigten Ortes betrug nur 380 Meter, der Graben selber bestand aus einem 15 Meter breiten Wassergraben mit einem zum Ort hin fünf Meter hohen Erdwall. Auf diesem verläuft der ausgeschilderte Weg fast kreisrund um den Ortskern.

„Die alten Stadttore standen schräg, damit kein Einblick von einem Tor bis zum anderen Tor dem Angreifer möglich war“, beschreibt Rulands eine von den mittelalterlichen Stadterbauern geplante Gestaltung. Wer dem Blick folgt, findet die Aussage bestätigt. Das Untertor im Nordwesten und das Obertor im Südosten, die einzig den Zugang zum Ort ermöglichten, wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs Anfang 1945 zerstört. Heute erinnern lediglich Umrisse im Pflaster und der Straßendecke an den Standort der beiden Tore und helfen, sich diese wieder vorzustellen.

„Ehemalige Patrizierhäuser sind ebenfalls den Kriegseinwirkungen ausgesetzt gewesen, und nur die ebenso genannten Giebelformen weisen auf die früheren Bauten an der Brabanter Straße hin“, erläutert Rulands und gibt Einblicke in den Straßenverlauf durch alte Fotos. „In Höhe des heutigen Marktplatzes stand bis 1840 das gotische Rathaus, an dessen Stelle dann ein Schul- und Gemeindehaus errichtet wurde. Gegenüberliegend ist das heutige Haus Thevissen ersichtlich, beim dem früher eine Zehntscheune gestanden hat“, belegt der Archivar seine Aussage an einem Foto von 1925. Unter dem auch heute noch vorhandenen Bogengang habe sich nach Überlieferung eine Stadtwaage befunden und dort stand ebenfalls das Schlosserzunfthaus.

Ein Kaufhaus des Westens gab es in Waldfeucht schon vor dem Zweiten Weltkrieg in dem Haus, wie ein weiteres Foto aus 1940 mit Blick auf das Obertor belegt. Bis heute ist die Frontsicht auch bei dem neuen Haus an gleicher Stelle als Bauvorschrift erhalten geblieben. Zum Rundgang durch die Geschichte des Ortes Waldfeucht gehört auch ein Abstecher in das Museum „Gerhard-Tholen-Stube“ mit seinem Archiv und den Ausstellungsexponaten, die über den Wandel des Lebens in Waldfeucht vom Mittelalter bis heute Auskunft geben.

Waldfeucht ist es gelungen, im Zuge der Stadtsanierung und mit dem Engagement seiner Bewohner und dem „Aktionskreis Historischer Ortskern“ einen geschichtsträchtigen Ort in seinen Grundrissen zu erhalten, den Anforderungen an ein modernes und dennoch ruhiges Wohnumfeld zu entsprechen und somit Vergangenheit und Gegenwart für Zukünftiges verbindend zu gestalten. Dass dies gelungen ist, zeigen nicht zuletzt die Auszeichnungen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, an dem sich die Gemeinde auch 2014 wieder beteiligen wird.

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