Sparsame Verbraucher zahlen jetzt mehr

Von: Daniel Gerhards
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Insgesamt wird das Wasser in Heinsberg für viele teurer. Und das obwohl der Preis für den Verbrauch je Kubikmeter sinkt. Dafür haben die Stadtwerke den Grundpreis angehoben. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Die Rechnungen der Stadtwerke Heinsberg haben bei vielen Verbrauchern für Verwunderung gesorgt. Eine Kostenaufstellung zum Jahreswechsel ist eigentlich nichts besonderes. Doch dieses Schreiben hatte es in sich. Ihm war zu entnehmen, dass das Trinkwasser in Heinsberg deutlich teurer wird.

Der Grundpreis, den jeder unabhängig vom Verbrauch zahlen muss, steigt von 3,10 Euro auf 7,80 Euro im Monat. Im Gegenzug sinkt der Preis je verbrauchtem Kubikmeter um 7 Cent auf 1,05 Euro. Besonders sparsame  und auch Durchschnittsverbraucher zahlen am Ende drauf.

Dass viele Heinsberger mit der Grundpreiserhöhung nicht einverstanden sind, zeigen die Reaktionen zum Beispiel im Internet. Ulrich Ivens aus Karken hatte dort seinem Ärger Luft gemacht. Er schrieb im sozialen Netzwerk Facebook, dass er mit der Preispolitik der Stadtwerke nicht zufrieden sei. Innerhalb weniger Tage wurde sein Beitrag rund 100 Mal geteilt. Ivens muss bei gleichem Verbrauch für sich, seine Frau und seine beiden Kinder nun 45 Euro mehr bezahlen. Aber darum gehe es ihm gar nicht. Seiner Meinung nach ist es nicht nachhaltig, dass der Verbrauchspreis niedriger und der Grundpreis „massiv höher“ wird. „Wer Wasser spart, wird bestraft“, sagt Ivens. Im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Trinkwasser fände Ivens es „nachvollziehbar, wenn sich der Verbrauchspreis erhöhen würde, nicht der Grundpreis“. Das Vorgehen der Stadtwerke finde er deshalb unökologisch und unsozial.

Ivens hätte sich zudem vorab mehr Informationen gewünscht. Dann hätte man in der Stadt einen Diskurs über die Tarife führen können. Für ihn und viele andere Verbraucher kam die Preiserhöhung „aus dem Nichts“. Hans-Walter Schönleber, Geschäftsführer der Stadtwerke, räumt ein, dass die Kunden nach dem Gesellschafterbeschluss zu den neuen Preisen im November des vergangenen Jahres nicht in einem separaten Schreiben informiert worden sind. Allerdings standen die neuen Preise in einer Bekanntmachung und auf der Internetseite der Stadtwerke. Schönleber möchte in diesem Zusammenhang nicht von einer Preiserhöhung sprechen. Er nennt den Vorgang „eine längst überfällige Veränderung in der Tarifstruktur“. Und diese begründet er so: Der Grundpreis habe die fixen Kosten zu decken, die unabhängig vom Verbrauch entstehen. Der Arbeitspreis decke die variablen Kosten, die abhängig vom jeweiligen Wasserverbrauch sind. So weit, so gut. In dieser Rechnung der Heinsberger Stadtwerke habe es in den vergangenen Jahren aber ein Missverhältnis gegeben. Der Anteil der Fixkosten überstieg den Anteil der Erträge aus dem Grundpreis bei weitem. 19 Prozent der Erträge stammen aus dem Grundpreis, 81 Prozent aus dem Arbeitspreis. Dagegen liegen die fixen Aufwendungen bei 43 Prozent, die variablen bei 57 Prozent. „Eine Anhebung des Grundpreises und eine Absenkung des Arbeitspreises war daher geboten“, sagt Schönleber.

Höherer Grundpreis, niedrigerer Verbrauchspreis, das bedeutet für die Stadtwerke unter dem Strich mehr Geld. Schönleber erwartet Mehreinnahmen von 500 000 Euro. Dieses Geld brauche man, weil die Stadtwerke in den vergangenen Jahren ein Defizit erwirtschaftet hätten. Klar ist, dass die Heinsberger immer weniger Wasser benötigen. Ein repräsentativer Vier-Personen-Haushalt in Heinsberg verbrauche im Schnitt 100 bis 120 Kubikmeter Wasser pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren sei der Verbrauch um 13 Prozent gesunken. Dass das Heinsberger Wassernetz für den immer weiter sinkenden Bedarf überdimensioniert ist, weist Schönleber zurück.
Bei vielen Verbrauchern wird trotzdem ein ungutes Gefühl zurückbleiben. Nicht nur, weil sie mehr bezahlen müssen. Sondern auch, weil sie die Erhöhung nicht gerecht finden.

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