Sparkassen-Gespräche über die Bedeutung von Verantwortung

Von: anna
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Die Sparkassen-Gespräche sind fortgesetzt worden: Sparkassendirektor Thomas Pennartz (r.) begrüßte diesmal Professor Dr. Birger Priddat in der Heinsberger Filialdirektion. Foto: Anna Petra Thomas:

Kreis Heinsberg. „Wer trägt die Verantwortung?“ So lautet die Fragestellung, mit der die Sparkassen-Gespräche in diesem Jahr überschrieben sind. Nach Prof. Dr. Ludger Heidbrink, der sich mit den Grenzen von Verantwortung befasst hatte, referierte Prof. Dr. Birger Priddat in der Heinsberger Filialdirektion des Geldinstituts über die Bedeutung der Thematik für Wirtschaftsunternehmen.

Priddat ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Wirtschaftsfakultät an der privaten Universität Witten/Herdecke. Von August 2007 bis Dezember 2008 war er zugleich Präsident der Universität. „Was heißt es eigentlich, wenn ein Unternehmen verantwortlich sein soll?“ So hatte Professor Priddat seinen Vortrag überschrieben.

Es sei schön zu erleben, wie schon vor Beginn der Veranstaltung ein reger Austausch stattfinde, erklärte Thomas Pennartz, Vorstandssprecher der Kreissparkasse, bei seiner Begrüßung zum zweiten Termin der Gesprächsreihe in diesem Jahr. Er verdeutlichte den Gästen die eindrucksvolle Biographie Priddats vom Abi-Abbrecher und Kunststudenten, Stahlbau- und Werftarbeiter bis hin zum prominenten Wissenschaftler, der nicht zuletzt Berater von Bundeskanzler Gerhard Schröder gewesen sei.

„Brexit“

Ganz aktuell, mit dem „Brexit“, stieg Priddat in die Thematik des Abends ein. „Wer hat jetzt da die Verantwortung?“ So fragte er in die Runde und gab die Antwort selbst. „Das ist gerade nicht geklärt. Denn die, die dafür waren, stehlen sich jetzt ein bisschen aus der Verantwortung.“ Realistisch für ihn ist die sogenannte norwegische Lösung, nach der für die Briten dann weiterhin Regelungen und Zahlungsverpflichtungen der EU gelten würden, sie aber kein Mitspracherecht mehr hätten.

„Jemand muss jemandem antworten auf die Frage: Was hast Du getan?“ So definierte der 66-Jährige dann zunächst den Begriff der Verantwortung ganz allgemein. Verantwortung sei eigentlich ein Kompetenzbegriff, der jedoch in der heutigen Zeit manchmal fälschlicherweise allein moralisch verwendet werde. Drei Dimensionen schrieb Priddat dem Begriff zu. Sie ergeben sich für ihn als Antworten auf die drei folgenden Fragen: „Wofür, für wen und vor wem?“

So sei zum Beispiel der Hausmeister verantwortlich, die Schule abzuschließen (wofür), der Trainer verantwortlich für seine Mannschaft (für wen) und ein Lehrer verantwortlich vor dem Rektor einer Schule (vor wem).

„Mehr ist es erst einmal nicht“, so Priddat. Die Zuweisung von Verantwortung alleine reiche jedoch nicht aus. Geprüft werden müsse auch, ob derjenige, dem die Verantwortung zugewiesen worden sei, diese auch tragen könne. Und dann gebe es da auch noch die moralische Dimension, in dem jeder prüfen müsse, ob er das, was ihm zu tun aufgegeben worden sei, vor seinem eigenen Gewissen verantworten könne. „Sie sehen: Management und Führung sind gar nicht so einfach.“

Detailliert beleuchtete der Referent im Hinblick auf den Begriff der Verantwortung die Folgen des Flugzeug-Absturzes von Germanwings für den Lufthansa-Konzern. Sicherlich stelle sich jetzt die Frage, ob der Auswahlprozess für Piloten um eine psychologische Prüfung erweitert werden müsse. Dennoch: Der Konzern habe alles getan, was möglich gewesen sei. „Er hat also die Verantwortung übernommen“, so Priddat. „Was jedoch nicht vorhersehbar war, kann er auch nicht verantworten.“ Jetzt sei es nur möglich, alles zu tun, dass so etwas nicht noch einmal passiere, „soweit man das wissen kann“.

Abgas-Skandal

Zweites Beispiel war der Abgas-Skandal bei VW. „Hier wissen wir noch gar nicht, wie die Prozesse wirklich laufen“, sagte er. „Und niemand kann frei reden, denn jede Aussage wird gerichtlich verwertet.“ Möglich sei, dass sich in der Unternehmenskultur von VW niemand getraut habe, den Fehler einzugestehen, oder dass Vorgesetzte ihn gekannt, aber die Verantwortung nicht hätten übernehmen wollen. „Beides ist möglich.“ Da es um Software gehe, müsse es aber auch über VW hinaus Mitwisser geben, so Priddats Vermutung.

Dass VW-Chef Matthias Müller jetzt einen Neuanfang plane mit dem Fokus auf dem Elektroantrieb, hält er für den richtigen Weg. „Doch wer traut sich, Verantwortung zu übernehmen, wenn das in der Unternehmenskultur gar nicht gewünscht ist?“ Dies bleibt für ihn die Frage. „Dieser Laden ist nicht auf verantwortungsbewusstes Handeln hin austariert.“ Müller habe das begriffen, könne das aber wegen ausstehender juristischer Prozesse noch nicht ändern. „Das Beste wäre, wenn keine Köpfe rollen, sondern man lernt“, so Priddats grundsätzliches Fazit zur Thematik.

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