Heinsberg - Spannender Rundgang durch das mittelalterliche Heinsberg

Spannender Rundgang durch das mittelalterliche Heinsberg

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
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Während der Führung durch Heinsberg stellte Paulußen Kräuter vor, berichtete vom Leben der Menschen im Mittelalter und vom Aberglauben. Foto: Bindels

Heinsberg. Ginge es nach der offiziellen Beschreibung, dann beinhaltete eine Themenführung, dass keine Gebäude oder Anlagen besichtigt werden, auch wenn Gebäude wie der Selfkantdom Anlaufpunkte sind. „Während der Führung stelle ich Kräuter vor, berichte vom Leben der Menschen im Mittelalter und vom Aberglauben“ beschreibt Petra Paulußen, Gästeführerin bei Westblicke, ihren Rundgang.

Gekommen sind zehn interessierte Männer und Frauen jeglichen Alters. Sie erlebten spannende, abwechslungsreiche und interessante anderthalb Stunden in und rund um Heinsberg. An sechs Plätzen erfahren die Gäste, an wen die Menschen im Mittelalter sich bei Krankheiten wandten und welche Kräuterkenntnisse sich die Kräuterweiber aneigneten. Sie erhielten aber auch Antworten auf die Frage, was es mit der Unglückszahl 13 auf sich hatte oder woher der Brauch des Anstoßens stammt.

Der Rundgang startete am Krankenhaus und Paulußen stellt sogleich den Bezug zur Gegenwart her: „Was heute im Krankheitsfall zur Versorgung selbstverständlich ist, war im Mittelalter längst nicht der Fall. Die Klöster waren früher Orte, die sich mit dem Anbau von Kräutern und der Versorgung von Krankheiten auskannten.“ So sind die ersten Versorgungsstationen die sogenannten Hospitäler gewesen, die von den Orden betrieben wurden. Aber diese waren zugleich auch Pflege- und Gasthöfe. Im Volksmund auch als „Jaastes“ bezeichnet. „Um die laufenden Kosten zu decken, war es Brauch, dass Menschen sich vor dem Fegefeuer bewahren konnten, wenn sie Ablässe kauften“, erklärt Paulußen. So habe Heinrich von Heinsberg sein Ross gespendet.

„Die damaligen Ärzte hatten in der Bevölkerung eher einen schlechten Ruf, auch weil sie nach der damaligen Lehre als Christen nicht mit den ‚unreinen Säften‘ wie Blut und Sekreten in Berührung kommen durften“, ergänzt Paulußen. Um das Ziehen von Zähnen, Brüche und Wunden hätten sich die „Bader“ gekümmert, die gleichzeitig Bade- und Freudenhäuser betrieben hätten.

Kräuterfrauen

Als Alternative blieb dem Volk dann nur, sich von den Kräuterfrauen behandeln zu lassen, die sich mit der Heilwirkung von Kräutern gut ausgekannt hätten. Ihr hohes Ansehen hatten diese wohl auch, weil sie ebenfalls als Hebammen tätig waren.

In den Augen der Amtskirche war dies nicht gern gesehen, denn mit ihren Kenntnissen von Heilwirkung und Geburt hatten die Kräuterfrauen auch Wissen um Abtreibung und Verhütung. Um diesen Einfluss zu unterbinden, wären sie als Hexen bezeichnet worden und mit dem Hexenhammer auch den Folterungen ausgesetzt gewesen. Dass sich „Bräuche“ aus dieser Zeit bis heute erhalten haben, belege die sogenannte Aussegnung der Frauen nach einer Geburt, weil sie bis zum Segen der Kirche als unrein galten und zuvor nicht einkaufen durften.

Manna wird gereicht

An der „Schlangen-Kapelle“ am Klosterhof war es dann soweit und mit dem Blick auf die Felder wird das Eisenkraut als erstes Heilkraut vorgestellt. Mit dem weiteren auch heute noch bekannten und genutzten Johanniskraut habe es die Bewandtnis, dass es „als Liebesbarometer“ eingesetzt wurde, aber auch, um sich von unerwünschter Liebe zu befreien. Heute werde es bei depressiver Verstimmung auch ärztlich verordnet, wissen die Gäste zu ergänzen.

Und dann reicht Paulußen eine Kostprobe von Manna, einem Harz, welches zur Darmreinigung eingesetzt wurde. Jedoch nur so viel, dass es den Rundgang nicht beeinträchtigte. Paulußen erzählt auch vom Missbrauch der Kräuter. Zum Beispiel vom hochgiftigen blauen Eisenhut, der als „Mordwerkzeug“ genutzt wurde. Dass mit dem Kräuterwissen noch ein gewisser Schutz gegen ansteckende Krankheiten möglich gewesen sei, soll das Beispiel des „Dr. Schnabel“ belegen, einer Figur mit langem Mantel und spitzen Schnabel, in dem mit Kräutertinkturen getränkte Tücher lagen und mit ihrer antibakteriellen Wirkung die Behandlung von Pestkranken ohne sich anzustecken ermöglicht hätten.

Die Teilnehmer erhalten noch ein Infoblatt zur Geschichte des „Essig der vier Diebe“. Mit diesem handfesten Beleg und den vielen Geschichten im Kopf endet ein unterhaltsamer Rundgang.

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