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Sozialforscher schauen sich in Brachelen um

Von: Helmut Wichlatz
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Dr. Monika Goldmann und Prof. Hugh Armstrong im Austausch mit Kollegen über ihre Beobachtungen in St. Gereon. Foto: Helmut Wichlatz
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Bürgermeister Bernd Jansen, Dr. Monika Goldmann und Pflegedienstleiter Thomas Franzen beim Gespräch im Rathaus. Foto: Helmut Wichlatz

Hückelhoven. Im Rahmen einer internationalen Studie über erfolgversprechende Praktiken der stationären Langzeitpflege hat eine Arbeitsgruppe aus amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern das Haus Berg in Brachelen besucht.

Denn als erste Pflegeeinrichtung hat es eine Auszeichnung bekommen. „A great place to work“, erklärte der Kanadier Hugh Armstrong von der Projektgruppe. Ziel der Gruppe ist es, erfolgversprechende Konzepte in der Langzeitpflege zu finden und von ihnen zu lernen.

Und ein solches Konzept scheint St. Gereon zu sein. Denn bei der Zufriedenheit in der Langzeitpflege spielen viele Faktoren mit. Unter anderem auch die Zufriedenheit der Arbeitnehmer, die sich auch auf die Pflege und damit auch auf die Bewohner überträgt. Es sei ein Geflecht von verschiedenen Faktoren von der Architektur bis hin zum Umfeld und der Gestaltung der Angebote, erklärte Dr. Monika Goldmann von der Uni Dortmund im Rahmen eines Besuchs im Hückelhovener Rathaus. Goldmann begleitet daTelefonProjekt in Deutschland und ist sich sicher, dass man auch hierzulande von den Ergebnissen profitieren wird. „Es geht um den Erhalt der Würde und um Respekt“, fasst sie das Projekt zusammen.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, reisen die Forscher um die ganze Welt und besuchen Einrichtungen, um vor Ort zu erfahren, wie dort gearbeitet wird. „Es gibt einige, die es besser machen als andere“, ergänzte Armstrong beim Gespräch mit unserer Zeitung. Der Arbeitsalltag in der Pflege wird bestimmt von Regularien und einer genauen Dokumentation, die einerseits wichtig ist, andererseits aber kaum mehr Zeit lässt für das Eigentliche – die Pflege und den würdevollen Umgang mit alten Menschen.

Das interdisziplinär aufgestellte Team hat sich schon in der ersten Phase den internationalen Vergleich erstellt. Ein Ergebnis sei, dass die Langzeitpflege in gewinnorientierten Einrichtungen im Schnitt schlechter abschneide als die gemeinnütziger Anbieter. Am Ende des auf mehrere Jahre angelegten Projektes sollen „erfolgversprechende Praktiken“ herausgearbeitet worden sein, an denen man sich orientieren kann.

Armstrong betonte aber, dass es nicht „einen besten Weg“ gebe. Trotzdem müsse man voneinander lernen und besser werden. Er verwies auf die Weltgesundheitsorganisation WHO, nach deren Definition eine Gesellschaft, die „ihre verletzlichsten Mitglieder mit Mitgefühl behandelt“, eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft für alle sei.

Drei Tage waren die Forscher im Haus Berg, beobachteten den Tagesablauf und sprachen mit Bewohnern und Mitarbeitern. Bernd Bogert, Geschäftsführer des Hauses Berg, sah sich durch das Interesse der Forscher in der Arbeit seines Hauses bestätigt. „Entscheidend ist, wie das Miteinander gelebt wird“, erklärte er. Ein Schlüssel zum Erfolg seien sicher auch die Auszubildenden, die das Unternehmen in großer Zahl einstellt. Und dies war auch eine Anregung, die das Forschungsteam aus dem Besuch mitnahm. Denn ein wichtiger Aspekt bei der Langzeitpflege sei auch, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und gerne arbeiten. „Jede Einrichtung kann selbst dazu beitragen, dass die Arbeit Spaß macht“, lautete sein Fazit.

Bei einem Besuch der Gruppe im Rathaus betonte Bürgermeister Bernd Jansen, dass man in Hückelhoven früh auf den demografischen Wandel in der Gesellschaft reagiert habe und die Lebensqualität in den Ortschaften ausbaue. „Man muss da, wo man immer gelebt hat, auch alt werden können“, erklärte er. Die Arbeit der Pflegeforscher begrüßte er und betonte, dass man in Brachelen sicher ein gutes Beispiel gefunden habe. Von Brachelen aus ging es für Armstrong und seine Kollegen weiter nach Schweden, um sich Einblicke in die dortige Pflegesituation und ihre Besonderheiten zu verschaffen.

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