„Sommernachtstraum(a)“ hätte Shakespeare erfreut

Von: defi
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Zu Ehren William Shakespeares führte das Theaterensemble des Kreisgymnasiums Heinsberg ein „Sommernachtstraum(a)“ auf. Die Premiere wurde vom Publikum mit lebhaftem Applaus gefeiert. Foto: defi

Heinsberg. Ähnlich wie Jogi Löw hatte auch Norbert Paffen keine Aufstellungsprobleme: „Wir konnten aus dem Vollem schöpfen.“ Anders als Löw tauschte Paffen aber fast sein komplettes Team für das zweite Spiel aus. Gespielt wurde auf dem „Tintenhügel“ in Heinsberg an der Linderner Straße ein „Sommernachtstraum(a)“ zu Ehren von William Shakespeare.

Shakespeare (außer seinem Geburtsdatum schlummert auch die Urheberschaft manches Klassikers im Dunkeln) wäre, wenn er nicht gestorben wäre, jetzt irgendwann 450 Jahre alt geworden.

Er hätte sich gefreut, seinen „Sommernachtstraum“ in der Inszenierung von Norbert Paffen mit dem Theaterensemble des Kreisgymnasiums Heinsberg erleben zu dürfen. Nicht nur das tolle Bühnenbild und die überzeugende Ensembleleistung von – vor und hinter dem Vorhang – 75 Schülerinnen und Schülern hätten ihn beeindruckt. William Shakespeare hätte sich vor allem gefreut, vom Fleck weg einen Schauspieler engagieren zu können, der ihm die Kassen seines Theaters gefüllt hätte. So scheinbar unscheinbar schlurfte da einer auf die Bühne, dass es eine Freude war, ihm zuzusehen.

Das baumwollene Karo-Hemd kunstvoll mit der einen Spitze in der Hose drapiert, mit der anderen über dem schlotternden Hosenbund, im Knopfloch etwas wie eine Blume, die schon zu Shakespeares Lebzeiten nicht mehr ganz frisch war, trat Müllkutscher Snuggle auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Einfach grandios, nur noch zu toppen von einer krächzenden Stimme, die den Stimmbruch hoffentlich unbeschadet überstehen wird. Hut ab – nicht nur vor Frederick Kohnen, der als jüngstes Ensemblemitglied einer der wenigen Schauspieler war, die in beiden bislang dargebotenen Vorstellungen der aktuellen Inszenierung am KGH auftreten durften, sondern vor dem gesamten Ensemble.

Müllkutscher Snuggle gehörte zu einer kleinen Bande Revoluzzer, allesamt Handwerker, die den König stürzen und die Demokratie einführen wollten. Angeführt von Quince, sorgte die Gruppe für so manchen herzhaften Lacher. Vor allem Nico Krasinsky – erst als Handwerker Bottom, dann als deren Anführer in der zweiten Vorstellung – kam groß raus. Der große Blonde wäre ebenfalls reif gewesen für das Globe Theatre. Das Bühnenbild stellte dar zum einen den Palast von Theseus, Herzog von Athen, und zum anderen den Athener Stadtwald. Beide Schauplätze wurden anhand weniger Versatzstücke, eine Baumsilhouette aus Pappe etwa, illusioniert und mit Hilfe einer gekonnten Lichtdramaturgie sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt.

Auch das Regenwetter am Wochenende hatten die Bühnengestalter noch kurzfristig in den Griff bekommen und den Spielort vom Außengelände des KGH in die Aula verlegt. Kobold Puck, bei der Premiere sehr schön gespielt von Paula Randerath, sorgte dafür, dass das Verwirrspiel um die liebe Liebe und ihre Triebe nicht vor Männlein und Weiblein und auch nicht vor dem Esel haltmachte. Der Zauberkobold konnte aber auch nicht verhindern, dass für Norbert Paffen nach 22 Jahren als Impresario des KGH-Theaters der letzte Vorhang fällt.

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