Solid Power wächst schneller als gedacht

Von: Rainer Herwartz
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Solid Power-Geschäftsführer Guido Gummert mit den Kernstücken des BlueGen-Kraftwerks. Die Brennstoffzellen-Stacks produzieren die elektrische Energie. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. „Alles hat sich viel schneller entwickelt, als ich gedacht habe“, sagt Solid Power-Geschäftsführer Guido Gummert. Noch im März 2015 kreiste der Pleitegeier über der Firma Ceramic Fuel Cells GmbH (CFC) in Oberbruch. Das Start-up-Unternehmen hatte es nicht geschafft, genügend Stückzahlen der BlueGen getauften Brennstoffzelle auf den Markt zu bringen.

Ende 2006 war die Tochter einer australischen Mutterfirma in Oberbruch gegründet worden. Bis 2009 hatte es gedauert, bis die Produktionsstätte im Industriepark fertiggestellt war. Zwischen 2009 und 2012 erfolgte dann die Feldtest-Phase mit den Energieversorgern und ab 2012 die Markteinführung von BlueGen. Durch die Insolvenz standen nun im Frühjahr 2015 plötzlich alle Arbeitsplätze auf der Kippe.

Da erschien die Solid Power GmbH geradezu wie ein rettender Engel am Horizont. Das Unternehmen, das zu einem Konzern mit Hauptsitz im italienischen Mezzolombardo gehört, der ebenfalls Brennstoffzellen-Energiegeräte entwickelt, produziert und vertreibt, hatte zum 1. Juli 2015 die CFC GmbH in Heinsberg übernommen, inklusive aller noch verbliebenen 30 Mitarbeiter. Es sollte der Grundstein für eine rasante Entwicklung werden.

Recht behalten

„Mit der Übernahme von CFC erreichen wir in absehbarer Zeit einen interessanten und wettbewerbsgerechten Synergieeffekt“, hatte Guido Gummert, der Chef der Solid Power GmbH, seinerzeit erklärt. Und wie sich heute zeigt, sollte er Recht behalten. „Wir konnten alle Marktpartner mitnehmen, das ist nach einer Insolvenz nicht selbstverständlich“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Da wir alle Mitarbeiter übernommen haben, ist es uns auch leicht gefallen, die Kunden mit zu übernehmen. Diejenigen, die vorhatten, BlueGen bei CFC zu bestellen, haben es dann bei uns bestellt. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir nur zwei Monate gebraucht haben, bis wir wieder verkauft haben. In den ersten drei Monaten waren es schon 100 Aggregate.“ Noch Ende 2017 soll eine Produktionskapazität von 32 BlueGen pro Woche erreicht werden, sagt Gummert.

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 55 Mitarbeiter. 22 Kollegen wurden in Australien wieder eingestellt. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt auf Qualifizierungsprozessen für die Zulieferfirmen. „Es sind weitere Einstellungen geplant, weil das Unternehmen stark wächst.“ Allein im Produktionsbereich spricht der Geschäftsführer von zehn Mitarbeitern. In Heinsberg ist derzeit die Produktion angesiedelt, ebenso wie die Qualitätssicherung, der Einkauf, die Logistik, Vertrieb, Marketing, Betriebswirtschaft und Service.

Bei der Solid Power SA in der Schweiz liegt der Standort für Forschung und Entwicklung. Auch Solid Power SPA in Mezzolombardo befasst sich mit der Weiterentwicklung der Aggregate.

„Wir wollen fünfstellige Produktionsvolumina pro Jahr innerhalb der nächsten drei Jahre erzielen“, meint Gummert. Dabei sei die Qualitätssicherung überaus wichtig, schließlich biete das Unternehmen seinen Kunden ja auch einen Zehn-Jahre-Service-Wartungsvertrag an.

Beim Absatz profitiere Solid Power derzeit von einem Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, ein Technologieeinführungsprogramm. Dies garantiere eine circa siebenjährige degenerative Förderung beim Kauf eines Aggregats. „Wir dürfen aber die Hände nicht in den Schoß legen und müssen unsere Produktionskosten weiter senken“, denkt Gummert natürlich auch an die Zeit danach.

Dass BlueGen Zukunft hat, steht für den Geschäftsführer außer Frage. Schließlich erziele das Aggregat einen elektrischen Wirkungsgrad von über 60 Prozent, „was man normalerweise nur im großen Kraftwerksbereich erzielt“.

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