Hückelhoven - Software-Schmiede JTL: Schneller wächst niemand in ganz NRW

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Software-Schmiede JTL: Schneller wächst niemand in ganz NRW

Von: dawin/kalauz
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Die Firma JTL Software der Brüder Janusch (l.) und Thomas Lisson gehört zu jenen 50 deutschen Technologie-Unternehmen, die wegen ihres rasanten Umsatz-Wachstums mit dem Deloitte Technology Fast 50 Award ausgezeichnet wurden. Foto: kalauz

Hückelhoven. Er war gerade mal vier, fünf Jahre alt. Ein Alter, in dem andere Jungs lieber zu Legoklötzchen greifen. Thomas Lisson aber war fasziniert von den Bausteinen der digitalen Computerwelt, die vor drei Jahrzehnten noch – ebenso wie er – in den Kinderschuhen steckte.

Das Wunderkind von damals ist erwachsen, ist inzwischen 33 Jahre alt. Seine früh erkennbare Begabung hat Thomas Lisson an die Spitze der deutschen IT-Spezialisten katapultiert. Dieses Talent teilt er sich mit Janusch, dem 40-jährigen Bruder. Gemeinsam haben sie aus den Bausteinen ein festes Firmenfundament geschaffen. Die beiden gründeten 2008 die Software-Schmiede JTL, benannt nach den Initialen ihrer Namen.

Das Unternehmen im Gründer-Service-Zentrum Hückelhoven (GSZH) legte in kurzer Zeit einen wahren Steigflug hin. So raketenartig, dass das Unternehmen in Hamburg mit dem Deloitte Technology Fast 50 Award ausgezeichnet wurde. Den IT-Bastlern aus Hückelhoven wurde damit offiziell attestiert: JTL Software reiht sich bei den 50 Technologie-Firmen bundesweit ein, die am schnellsten wachsen. „Um genau zu sein: Wir liegen auf Platz 12. Und in Nordrhein-Westfalen haben wir sogar den ersten Platz“, freut sich Thomas Lisson über die Anerkennung.

Wachstum? Was bedeutet das konkret? Janusch Lisson überrascht mit großen Zahlen: „Von 2009 bis 2013 haben wir beim Umsatz exakt 542,67 Prozent zugelegt. Das sind über drei Millionen Euro.“ Fassen lässt es sich nicht, es ist auch nicht in Kartons verpackt, was JTL umsetzt. „Es ist virtuell, es ist die von uns entwickelte Software, die unsere Kunden downloaden“, konkretisiert Thomas Lisson. Die Software-Lösungen sind insbesondere auf die Anforderungen im E-Commerce zugeschnitten, also auf Bestellungen, die nicht über den Ladentisch gehen, sondern die vom PC aus Zuhause aufgegeben werden.

Das professionelle Warenwirtschaftssystem (JTL Wawi) mit nahtloser Anbindung an eBay und Amazon sowie an andere Online-Shops, ein angebundenes Shopsystem (JTL Shop3) sowie ein raffiniertes Lagerverwaltungssystem für den Versandhandel (JTL WMS) bieten, so die Hückelhovener Senkrechtstarter, „beste Möglichkeiten, einen effizienten Handel im Internet zu betreiben“.

„Mit unserem Warenwirtschaftssystem können die Rechnungen, der Kundenstamm und das Warensortiment verwaltet werden. Die Software dazu ist kostenlos.“ In der Firmenkasse klingelt es erst dann, wenn sich der Händler, der seine Sachen bei den Online-Shops verkaufen möchte, dort einklickt: „Dann muss er zahlen. 100 Verkäufe pro Monat kosten 11,99 Euro, bei der Flatrate macht es 79,99 Euro“, erläutert Janusch Lisson. „Wir entwickeln eine intelligente Software. Das heißt, unser automatischer Preisanpassungsdienst macht es möglich, dass das Internet-Produkt unseres Kunden immer als das preisgünstigste und damit in der Angebotsliste obenan dasteht. Das ist ein immenser Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen.“

Ein weiterer Service aus der JTL-Werkstatt ist das so genannte Hosting. Dabei werden auf dem Webserver von JTL die durch die Kunden hochgeladenen Websites abgelegt, JTL übernimmt die technische Verwaltung und Organisation der Online-Shop-Wirtschaft. „Diese Software kann man für 399 Euro kaufen, aber auch für 39,99 Euro im Monat mieten“, sagt Janusch Lisson.

Der Umsatz stimmt nicht nur, er explodiert ganz gewaltig. Erstaunlich bei einem Unternehmen, bei dem das Durchschnittsalter der IT-Cracks offensichtlich um die 30 Jahre liegt. „Eine junge Branche halt“, konstatieren die Lissons, die das Wagnis, aber auch die Gunst der Zeit zu ihrem unternehmerischen Glück gewandelt haben. „Am Anfang haben wir Spiele entwickelt, ohne Geld damit zu verdienen. Dann kam der zündende Impuls durch einen Bekannten: Der bat uns, ihm für seinen Betrieb eine Verwaltungs-Software zu entwickeln. Das war unsere Initialzündung“, blickt Thomas Lisson auf den Ursprung der Erfolgsgeschichte zurück.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die vor allem in den familiären Tiefen ihre Wurzeln hat. Thomas hat Informatik in Aachen studiert, Janusch ist als Autodidakt in der Welt der Bits und Bytes ebenfalls zum exzellenten Experten gereift. Beide sind von Polen nach Deutschland umgesiedelt, beide sind, wie sie sagen, wesentlich geprägt durch den „technikaffinen Vater“. „Auch ich habe schon damals in Polen meine Leidenschaft für den Computer entdeckt, mein Interesse wurde durch den alten CV meines Vaters geweckt“, erinnert sich Janusch Lisson.

Den Apparat mit den zwei Buchstaben kennt heute kaum ein Mensch mehr. Dafür ist der Name mit den drei Buchstaben in der Branche längst zum Begriff geworden: JTL gehört mit mehr als 15 000 Kunden und über 180 Servicepartnern zu den führenden Herstellern von E-Commerce-Software im deutschsprachigen Raum. Im GSZH an der Rheinstraße sind 49 Beschäftigte, in Köln-Hürth, dem 2012 eröffneten zweiten JTL-Standbein, sind weitere 14 Mitarbeiter im Einsatz. Die Branche ist jung und die Chance, weiter zu expandieren und wachsende Umsätze zu machen, sei nicht unrealistisch., glaubt Thomas Lisson.

„Ende der 90er ist es mit dem Internethandel erst so richtig losgegangen. Die Entwicklung dauert an. Und daran wird sich so schnell nichts ändern, weil sich in der digitalen Welt permanent und immer was ändert. Auch wir müssen uns ständig verbessern und dazu lernen“, sagt Janusch Lisson. Der Umsatz, der derzeit in Deutschland mit dem Internethandel gemacht werde, liege bei 40 Milliarden Euro. Immerhin mit einem satten Wachstum von 13, 14 Prozent pro Jahr.

Die Lissons lassen aber längst den Blick über den deutschen Net-Rand hinweg schweifen. „China ist ein interessantes Ziel“, zeigt Thomas Lisson neuen Gründergeist, fügt aber im gleichen Atemzug hinzu: „Die Internationalisierung ist komplex. Und sie ist wegen der unterschiedlichen Gesetzgebung recht schwierig.“

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