Skalpell statt Gewehr: Kastration gegen Katzenflut

Von: Rainer Herwartz
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Das Jagen liegt letztlich in der Natur der Katzen, egal ob herrenlos oder als Familienmitglied. Deshalb ist das verbindende Ziel von Jägern und Tierschützern, auf sanftem Weg ihre Vermehrung zu beschränken. Foto: stock/Marco Stepniak
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Dr. Heiner Breickmann möchte nicht die Abschussmöglichkeit für wildernde Katzen wieder einführen. „Ich bin in erster Linie Tierarzt und erst in zweiter Linie Jäger“, sagt er. Foto: Herwartz

Kreis Heinsberg. Das Thema dürfe nicht sang- und klanglos einschlafen, sagt Dr. Heiner Breickmann. Doch die Anzeichen mehrten sich, dass beim Umweltministerium des Landes NRW offenbar kein allzu großes Interesse mehr bestehe, sich damit zu befassen.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft und Sprecher der Veterinäre im Kreis Heinsberg meint damit den Umgang mit herrenlosen, wildernden und sich unkontrolliert vermehrenden Katzen.

Mit Inkrafttreten des Ökologischen Jagdgesetzes in NRW dürfen Katzen nicht mehr geschossen werden. Grundsätzlich sei dies eine Regelung, die auch er mittrage, so Breickmann. „Ich bin in erster Linie Tierarzt und erst in zweiter Linie Jäger. Für mich ist der Abschuss weder als Jäger noch als Tierarzt eine Lösung. Das wird meines Wissens nach auch in der Jägerschaft allgemein so gesehen“, sagt er. Doch das Problem sei damit nicht aus der Welt.

„Auf die seit langem von Jägern, Tier- und Naturschützern gleichermaßen erhobene Forderung nach einer landesweiten Kastrations-, Registrierungs- und Chippflicht geht das Ministerium ebenso wenig ein, wie auf die finanzielle Mehrbelastung für die Kommunen, die nun für die Unterbringung von Fundkatzen verantwortlich sind. Das hat das Verwaltungsgericht Münster ja am 15. Oktober so entschieden (Anmerk. d. Red. Az. 1 L 1290/15). Es geht um die freilaufenden Katzen, die herrenlos sind und eigentlich kastriert werden müssten“, erklärt Breickmann. „Das ist für alle Kommunen ein Problem. Hinzu kommt, dass immer mehr Katzen den Markt überschwemmen.“

Mit 233 getöteten Katzen stellte der Kreis Heinsberg im Jagdjahr 2014/2015 letztmalig den Löwenanteil im Regierungsbezirk Köln, wo insgesamt 583 getötete Tiere zu Buche schlugen. Doch nicht alle vielen einem Abschuss zum Opfer. 45 wurden tot aufgefunden und 27 ließen durch einen Unfall im Straßenverkehr ihr Leben.

Katzen, so erläutert Breickmann, erjagten und töteten ihre Beute leider nicht nur zum Verzehr, sondern quasi aus Spaß an der Freud, weil ihnen das Jagen einfach im Blut liege. Dabei beschränkten sie sich in ihrem Jagdverhalten nicht nur auf Mäuse, sondern bejagten auch Kleinkaninchen, junge Fasane, Rebhühner und alle Singvogelarten. Besonders kräftige Tiere brächten durchaus auch schon mal ein ausgewachsenes Kaninchen zur Strecke. Gleichwohl räumt Breickmann ein: „Gefährdet ist im Bestand durch Katzen derzeit hier noch keine Art. Die Krähenpopulationen sind da ein größeres Problem.“

Eine wildernde Katze zu identifizieren, sei „relativ leicht“, so Breickmann. „Man sieht die Katze immer an den gleichen Stellen im Revier, auch stets zu den gleichen Uhrzeiten. Zudem lässt der schlechtere Pflegezustand der Tiere darauf schließen, dass sie herrenlos ist.“

Damit nicht am Ende doch noch andere Tierarten durch die Katzen gefährdet würden, „ist das Wesentliche, auf das wir uns konzentrieren müssen, die Kastration freilebender Katzen“. Viele Jahre habe in Gangelt eine sogenannte Drittellösung gut funktioniert, so Breickmann. Brachte ein Bürger eine freilebende Katze zur Kastration zum Tierarzt, so wurden die Kosten zwischen Tierschutz, Gemeinde und dem Überbringer des Tieres aufgeteilt. Und der Tierarzt gewährte „einen gewissen Preisnachlass“.

Doch dieses Modell sei irgendwie eingeschlafen, meint Breickmann. „Ich würde mir wünschen, dass wir einen runden Tisch installieren könnten, an dem der Kreis, Vertreter der Gemeinden, des Tierschutzes, der Tierärzte, des Veterinäramtes und der Jägerschaft sitzen, um zu einer tragfähigen Lösung zu kommen.“ Damit steht der Appell im Raum. Jetzt müssen nur Taten folgen.

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