Siegermodelle: Gleich zwei Kreuze für die Christuskirche

Von: Anna Petra Thomas
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Ein kleines Preisgeld gab es natürlich auch für die Projekte der Gewinner. Pfarrer Sebastian Walde (links) überreichte es an David Lange, Hannah Weiss, Alina Höffgen und Stella Jansen (von rechts). Foto: Anna Petra Thomas
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Die drei neuen „Bauprojekte“ der Christuskirche sind ein Kreuz aus Cortenstahl (links) für den Außenbereich, ein Kreuz aus Beton und Glas für den Innenraum (rechts) und für den Raum der Stille, im Modell vorne ganz klein, unter anderem ein Raumteiler mit magnetischen Plakatwänden. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Hell und freundlich, mit viel Weiß und Grau, mit Materialien wie Beton, Glas und Cortenstahl präsentiert sich die evangelische Christuskirche in der Heinsberger Innenstadt nach ihrer Sanierung und Erweiterung sowie ihrer Wiedereröffnung im Jahr 2013.

Seitdem sei der Wunsch der Gemeinde nach einem neuen Kreuz für den Kirchenraum, angepasst an den Raum und seine Architektur, stetig gewachsen, erklärte Pfarrer Sebastian Walde bei der Präsentation von gleich zwei neuen Kreuzmodellen.

Idee sei zunächst gewesen, gemeinsam mit dem Architekten Prof. Ludwig Rongen aus Wassenberg, der die Christuskirche zu einem Passivhaus gemacht hatte, einen Wettbewerb für seine Erfurter Studenten auszuloben. Dabei habe sich jedoch schnell gezeigt, dass viele Studenten die weite Entfernung zwischen beiden Städten gescheut hätten, so Walde. Rongen habe dann Kontakte zu zwei Kolleginnen an der Fachhochschule Aachen geknüpft, zu den Professorinnen Heike Matcha und Anke Fissabre. Dort war die Resonanz groß.

Rund 60 Architekturstudenten im dritten und fünften Semester befassten sich im Rahmen einer Projektwoche mit Entwurf und Modellbau eines neuen Kreuzes für die Christuskirche. Rund 20 Modelle entstanden dabei. „Unwahrscheinlich glücklich und auch ein bisschen überrascht“ sei er gewesen ob dieser großen Zahl, erklärte Walde bei der Vorstellung der Siegermodelle. „Ganz viele begeisterungsfähige junge Leute“ habe er bei dem Besuch der Studenten in der Christuskirche kennengelernt. Besonders freute ihn, dass auch viele muslimische Studenten die Herausforderung angenommen hätten, ein Kreuz für eine christliche Kirche zu entwerfen.

Nach einer Vorauswahl an der Fachhochschule blieben sechs Modelle übrig, die der Heinsberger Jury mit Mitgliedern aus Presbyterium und Kirchbauverein vorgestellt wurden. „Es war ein schöner, langer Abend – und eine schwierige Entscheidung“, erinnerte sich Walde. Am Ende seien zwei Modelle übriggeblieben, zwischen denen man sich nicht habe entscheiden können, so der Pfarrer. Also blieben es zwei. Eines der beiden Modelle soll jetzt für den Innenraum realisiert werden, das zweite im Außenbereich der Christuskirche seinen Platz finden.

Alina Höffgen und Stella Jansen erläuterten zunächst ihr Kreuz aus Cortenstahl. Bestehen soll es aus zwei Platten, wobei die eine quasi das Negativ der anderen ist. Beide Teile sollen separat voneinander jedes einen Sockel aus Stahl auf Rollen haben, der mit Beton ummantelt ist. So ließen sich bei Bedarf beide Teile ineinanderschieben und seien zusammen nur noch ein großes Rechteck.

Die Jury habe entschieden, dieses Modell für den Außenbereich der Kirche zu realisieren, sagte Walde. Dort könnten dann auch Open-Air-Gottesdienste gefeiert werden. „Zudem ist es ein Zeichen, auch in der Mitte der Stadt einen christlichen Ort zu haben.“

Auf die Materialien Glas und Beton hatten David Lange, Hannah Weiss und Jonas Wübbe mit ihrem Siegermodell gesetzt. Dabei handelt es sich um ein offenes Glaskreuz, auf das von außen dünne Betonplatten aufgesetzt werden. „Unsere Überlegung war, die Bedeutung der horizontalen und vertikalen Achse des christlichen Kreuzes durch die biblische Zahlensymbolik hervorzuheben“, betonte Lange bei der Präsentation. Die horizontale Achse stehe in jedem christlichen Kreuz für das Irdische. So hatten die Studenten für ihre vertikale Achse vier gleich große Quader gewählt. „Da die Zahl Vier in der biblischen Zahlensymbolik ebenfalls für das Irdische steht, etwa für vier Himmelsrichtungen oder vier Elemente.“ Die vertikale Achse stehe für das Himmlische. „In der biblischen Zahlensymbolik wäre eigentlich die Zahl Drei für die Dreifaltigkeit passend.“ Die Studenten entschieden sich jedoch für die Zahl Sieben, die in der Bibel für die Gesamtheit von Himmel und Erde stehe (3 + 4 = 7), um die enge Verbindung zwischen Gott und der Welt zu verdeutlichen.

Auch dieses zweite Modell, das für den Innenraum der Kirche realisiert werden soll, wird einen ­Sockel aus Beton auf Rollen erhalten. Gedacht ist es für die dem Erweiterungsbau zugewandte Altarseite, quasi als „Carpe Diem“ und damit Gegenpol zum gegenüberliegenden Seitenschiff, das dem Leitsatz „Memento Mori“ folgt.

In einer zweiten Wettbewerbsaufgabe sollten die Studenten zudem eine Möblierung für den ­Stilleraum in der Christuskirche entwerfen. Da gewann ebenfalls die Studentengruppe Lange-Weiss-Wübbe mit ihren Vorschlägen. So soll der große Holztisch einer Lamellenwand aus Holz weichen, in die je nach Bedarf Boxen oder Regalbretter eingeschoben werden können. Zudem sollen drei magnetische Plakatwände in Form eines Raumteilers entstehen, wobei sich von einem Teil sogar ein kleiner Tisch abklappen lässt, der bei Veranstaltungen als Kassenbereich genutzt werden kann.

Er sei erstaunt, wie professionell sich die Preisträger, allesamt erst im dritten Semester, mit ihrer Aufgabe auseinandergesetzt und ihre Ergebnisse präsentiert hätten, würdigte Rongen die Arbeiten. „Das hätten wir nicht besser realisieren können“, sagte er. Durch die Auswahl der beiden Kreuze werde nun die Innen-Freiraum-Vernetzung noch weiter gesteigert.

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