Selfkants Bürgermeister Corsten lässt Katze aus dem Sack

Von: Rainer Herwartz
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Bei der Bürgermeisterwahl am 13. September wird sich zeigen, ob es im Rathaus von Selfkant zu einem Wechsel an der Spitze kommt. Foto: Herwartz
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Keine Zeit für Ruhestand: Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten möchte auch mit 70 noch im Amt sein.

Selfkant. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Lange hatte sich Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten Zeit gelassen mit seiner Entscheidung. Als sich die meisten seiner Amtskollegen im Kreis Heinsberg entschlossen hatten, ihre Amtszeit zu verkürzen, um sich schon im Mai letzten Jahres gemeinsam mit den potenziellen neuen Mitgliedern der Räte zur Kommunalwahl zu stellen, beharrte er darauf, die Legislaturperiode, wie ursprünglich geplant, zu Ende zu bringen.

Fest steht nun, dass er erneut seinen Hut in den Ring werfen wird im Kampf um das höchste Verwaltungsamt in der Kommune. Von Amtsmüdigkeit ist bei dem 65-Jährigen keine Spur. Im Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung erklärt er, warum er trotz besten Rentenalters noch einmal durchstarten möchte.

„Es waren von Anfang an fünf Dinge , die ich vorangestellt habe“, sagt Corsten. „Zum Ersten meine Gesundheit. Wenn man sich für dieses Amt zur Verfügung stellt, sollte diese Basis schon gegeben sein.“ Das sei definitiv der Fall, wie ein ärztlicher Check bewiesen habe. Als zweiten Punkt nennt Corsten seine Familie. „Ich habe sie gefragt, ob sie bereit sei, die Entscheidung mitzutragen, da das Amt, so wie ich es ausübe, sehr zeitintensiv ist.“

Hinzu kam, dass noch vor einem Jahr ein Damoklesschwert über der Familie pendelte. „Wenn meine Frau nach einer ernsthaften Erkrankung nicht wieder völlig gesund geworden wäre, hätte ich mich auch nicht für eine erneute Kandidatur entschieden, sondern meine volle Aufmerksamkeit meiner Frau gewidmet.“

Er selbst, das nennt Corsten als dritten Aspekt, habe sich aber auch die Frage gestellt, „ob ich noch genügend sinnvolle Ideen im Kopf habe, um die Gemeinde nach vorne zu bringen. Zudem (Punkt 4) musste ich das Gefühl haben, auch mit 65 Jahren und über zehn Jahren im Amt in dieser Funktion von den Bürgern noch gewünscht zu sein. Natürlich, und das war der letzte Aspekt, mussten auch bei mir noch die Freude und der Elan an der Arbeit gegeben sein.“ Letztlich, so erklärt er, habe sich gezeigt, dass er alle fünf selbst gesteckten Voraussetzungen erfüllt sah.

Nachgehakt, was Corsten denn noch so für „sinnvolle Ideen“ für die Gemeinde im Kopf habe, sprudelt es gleich aus ihm heraus. „Das erste große Paket wäre die Erweiterung der Nahversorgung. Sie ist zwar auf den Weg gebracht, aber noch lange nicht so, wie ich es mir vorstelle.“

Und wie wäre das? „In naher Zukunft werden sich, das steht schon fest, auf einer Gesamtfläche von rund 3700 Quadratmetern in Tüddern ein Netto-Markt, ein mittelgroßer Blumenhandelsbetrieb, Adler-Moden, Mister-Lady, K&K-Schuhe sowie voraussichtlich ein Optiker ansiedeln.“ Auch für die Gewerbeansiedlung könne westlich der neuen Gemeindeverbindungsstraße zwischen der Landesstraße 228 und der Kreisstraße 1 ein entsprechendes Areal angeboten werden.

„Wir haben auch bei der Werbung in eigener Sache noch einiges zu leisten“, glaubt der Bürgermeister. „Durch die Fertigstellung der Bundesstraße 56n mit direkter Anbindung an die Autobahn 46 und die vollständige Ausstattung aller Orte mit Glasfaser ist ein Infrastrukturpotenzial vorhanden, das dazu auffordert, beworben zu werden. Ich gehe davon aus, dass dies sowohl bei Gewerbetreibenden als auch Wohnungssuchenden aus dem deutschen Raum auf großes Interesse stoßen wird“, sagt Corsten.

Froh sei er, so Corsten, „dass wir uns durch die Kooperation mit Heinsberg für eine neue Leader-Periode aufstellen konnten. Wenn wir mit der Bewerbung Erfolg haben, werden Landes- und EU-Mittel in Höhe von 65 Prozent fließen und eine Finanzierung durch Dritte in Höhe von 25 Prozent möglich sein.“ Die Gemeinde selbst würde dann nur noch mit zehn Prozent zur Kasse gebeten, wenn zum Beispiel vereinsfördernde oder touristische Investi-tionen in die Tat umgesetzt werden. Das gewinne besonders an Bedeutung im Hinblick auf die Finanzlage der Kommunen.

„Die Haushaltssituation stellt sich nach dem Abschluss 2012, der Grundlage für den Haushalt 2015 ist, wesentlich besser dar, als vorher von den Oppositionsparteien öffentlich prognostiziert. Wir werden nach jetzigem Stand auch für 2015 keine Kredite aufnehmen müssen, so dass die Pro-Kopf-Verschuldung von derzeit rund 75 Euro weiter sinken wird. Gleichwohl ist die Finanzlage – für die Zukunft betrachtet – als ernst anzusehen, wenn die Differenz zwischen Schlüsselzuweisungen und Kreisumlage weiter auseinanderdriftet.“

Keine allzu rosigen Aussichten also. Doch den Bürgermeister schreckt das nicht. Für Corsten ist klar: „Meine Zielsetzung ist eindeutig, die komplette Legislaturperiode bis 2020 im Amt zu bleiben. Alles andere wäre aus meiner Sicht nicht vertretbar.“

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