Selbsthilfebuch soll Kindern von Suchtkranken Mut machen

Von: hewi
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Heilpraktikerin Waltraut Barnowski-Geiser schreibt über Suchtprobleme. Foto: Wichlatz

Erkelenz. „Vater, Mutter, Sucht“ heißt das Buch der Erkelenzer Musiktherapeutin und Heilpraktikerin Waltraut Barnowski-Geiser. Darin widmet sie sich den mittlerweile erwachsenen Kindern, die in Familien mit suchtkranken Eltern aufgewachsen sind und ein Leben lang daran zu knabbern haben.

Als Kind in einer Suchtfamilie aufwachsen zu müssen, bedeutet für Betroffene oft lebenslanges Leiden an den Folgen. Nicht zuletzt prominente Beispiele wie etwa Uli Hoeness zeigen, es tauchen neue Formen in durchaus gutsituierten Kreisen auf, wie etwa Spekulations- und Spielsucht. Diese werden noch wenig als Süchte im offiziellen Kontext wahrgenommen, ihre Auswirkungen werden aber erforscht. Dazu kommt, dass die Eltern oftmals die Existenz der Sucht negieren und das Kind mit seinen Ängsten allein lassen. Das Kind lernt also, dass es an etwas leidet, „was es nur in meinem Kopf gibt“.

Das kann störende Auswirkungen auf das weitere Leben haben, wie Barnowski-Geiser darstellt. „Die Suchterkrankung der Eltern wurde tabuisiert und verdrängt“, berichtet sie. „Deshalb leiden viele Betroffene als Erwachsene unter körperlichen und seelischen Beschwerden, etwa massiven Selbstwert- und Beziehungsproblemen.“ Diese bringen sie zumeist selbst nicht mehr mit ihrer familiären Situation in Verbindung und suchen jahrelang nach Ursachen für ihre Probleme. Und es birgt weitere Probleme, denn ein Drittel der Kinder von Alkoholikern greife statistisch gesehen später selbst zur Flasche. Vor allem Männer greifen zur Flasche, bei Frauen seien Essstörungen verbreiteter.

Das Buch der Autorin, die seit 2006 mit Betroffenen in ihrer Praxis in Erkelenz-Katzem arbeitet, ermöglicht auf der Basis des von ihr entwickelten Awokado-Konzeptes Hilfe zur Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige.

Mit dem Begriff „Suchtfamilie“ wird landläufig vielfach die sozial schwache Randfamilie assoziiert. Doch das Suchtproblem zieht sich durch alle Schichten und hat die unterschiedlichsten Formen. Davon berichtet Barnowski-Geiser in ihrem Buch, das erstmals 2011 erschien und mittlerweile vergriffen ist. Die neue Ausgabe bei Klett-Cotta ist erweitert und von der Autorin überarbeitet. „Nach der ersten Ausgabe haben sich viele Betroffene bei mir gemeldet und mir ihre Geschichten erzählt“, berichtet sie.

Diese seien teilweise in das neue Buch mit eingeflossen. „Ich habe das Buch geschrieben, damit Betroffene sich verstanden fühlen und Mut schöpfen können“, betont Barnowski-Geiser. Es beinhaltet Lösungsvorschläge, mit denen man arbeiten kann. Denn Erfolgserlebnisse stärken und helfen dabei, ein positives Selbstbild aufzubauen und den eigenen Platz im Leben zu finden.

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