„Sei stille dem Herrn“: Konzert zur inneren Einkehr

Von: Anna Petra Thomas
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Heinsberg. Im Monat November gedenken die Menschen ihrer Verstorbenen und besinnen sich auch ihrer eigenen Sterblichkeit. Davon inspiriert präsentierten Susanne Peschen (Sopran) und Monika Schumacher (Mezzosopran) mit Regionalkantor Winfried Kleinen (Klavier/Orgel) ein Konzert mit dem Titel „Sei stille dem Herrn“. Es war Teil der Reihe „Musik in St. Gangolf“ als Kooperation der Pfarrei St. Gangolf mit der Kulturgemeinde der Stadt.

Dem Motto des Konzerts folgend hatten die drei Künstler zunächst Stücke ausgewählt, die sich dem Innehalten und der Einkehr widmeten. Am Anfang standen zwei Duette von Heinrich Schütz, der als erster deutscher Musiker von internationalem Rang gilt.

„Eins bitte ich vom Herrn” und „Habe deine Lust an dem Herren”, vorgetragen im Altarraum der Propsteikirche, illustrierten den ruhig-fließenden, anmutigen Stil des frühbarocken „Vaters der deutschen Musik”. Ihm folgten zwei Soli aus Schemellis Gesangbuch, das 1736 unter Mitwirkung von Johann Sebastian Bach erschienen war.

Weiter ging es nun auf der Orgelbühne, von der Mozarts „Ora pro nobis” erklang, glänzend vorgetragen von Susanne Peschen.

Gemeinsam wandte das Trio sich dann Felix Mendelssohn Bartholdy zu. Zwei seiner bekanntesten Duette, das sehnsuchtsvolle „Zion streckt ihre Hände aus” und das zuversichtliche „Ich harrete des Herrn”, umrahmten das „Mottostück” des Konzertes, das Monika Schumacher mit wunderbar warmem Timbre interpretierte „Sei stille dem Herrn”.

Aus dem Requiem, der Totenmesse, stammt das „Pie Jesu”, mit dem Jesus um ewigen Frieden für die Verstorbenen angerufen wird. Gleich drei verschiedene Vertonungen kamen in St. Gangolf zum Vortrag: nach solistischen Fassungen von Gabriel Fauré und Maurice Duruflé hatte 1984 auch der Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber den Text im Requiem für seinen verstorbenen Vater verarbeitet.

Im letzten Teil des Konzertes, nun wieder im Altarraum, drehte sich alles um das Bild des Wassers. Propst Markus Bruns, der die musikalischen Vorträge mit meditativen Impulsen begleitete, erinnerte an die Vision des Propheten Ezechiel von der Tempelquelle, dem Traum von der Wiederherstellung des Paradieses.

In Antonín Dvoáks „An den Wassern zu Babylon” leidet das Volk Israel noch in der Verbannung, aber „Gott ist mein Hirte” zeigt das Vertrauen auf den Hirten, der die ihm Anvertrauten zum Wasser führt.

Antonín Dvoák hatte Ende des 19. Jahrhunderts in den USA gelebt und dort auch Spirituals studiert, die Musik der afroamerikanischen Sklaven, die denn auch den Abschluss des Konzertes bilden sollten. Nach „I Stood on the River of Jordan” des Dvoák-Schülers H.T. Burleigh erklang mit „Deep River” eines der wohl bekanntesten Stücke dieser Gattung, das von den beiden Solistinnen mit viel Intensität und wunderbar harmonierenden Stimmen vorgetragen wurde.

Auch Kleinen konnte hier noch einmal zeigen, dass Klavier und Orgel nicht nur Begleitinstrumente waren, sondern eine wesentliche Rolle bei diesem musikalischen Streifzug durch die Jahrhunderte spielten. Begeistert war das große Publikum nach dem vielfältigen Konzert, das doch „aus einem Guss” erschien. Stehenden Ovationen folgte als Zugabe eine weitere Version von Webbers „Pie Jesu”.

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