Heinsberg - Seele oder Spiele: Skater könnten 2020 in Tokio um Medaillen fahren

Seele oder Spiele: Skater könnten 2020 in Tokio um Medaillen fahren

Von: Daniel Gerhards
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Reif für Olympia? Die Kunst, ein Brett auf Rollen zu beherrschen, ist eine der schwierigsten Übungen überhaupt. Foto: stock/Westend61
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Skater bei Olympia - Andi Nolte weiß nicht so recht, was er von dieser Idee halten soll. Foto: Daniel Gerhards
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Reif für Olympia? Die Kunst, ein Brett auf Rollen zu beherrschen, ist eine der schwierigsten Übungen überhaupt. Foto: stock/Westend61
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Skater bei Olympia - Andi Nolte weiß nicht so recht, was er von dieser Idee halten soll. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Wenn Andi Nolte aus Heinsberg auf seinem Skateboard steht, dann geht es ihm nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Er fährt, um Spaß zu haben, Zeit mit Freunden zu verbringen und ab und zu mal einen neuen Trick zu probieren. Beim Skaten gehe es um Gemeinschaft, Gleichheit – und nicht um den Wettkampf, findet er.

Seit einiger Zeit diskutiert die Szene der Skateboarder aber wieder einmal mit einer Mischung aus Horror und interessierter Erwartung über die olympischen Aussichten ihres Sports. Das Organisationskomitee der Spiele von Tokio 2020 hat Skateboarden auf die Vorschlagsliste für neue olympische Sportarten gesetzt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will am Rande der Spiele in Rio im kommenden Jahr über den Vorschlag entscheiden.

Die Frage, die über allem schwebt, lautet: Passt das zusammen, Skaten und Olympische Spiele? Mögliche Antworten gibt es genug: Ja, weil die Kunst ein Brett auf Rollen zu beherrschen, zu den anspruchsvollsten sportlichen Übungen überhaupt gehört. Ja, weil Skaten weltweit viel populärer ist als olympische Sportarten wie Kanu-Slalom oder Moderner Fünfkampf. Nein, weil die Seele des Sports wenig mit dem olympischen Gedanken zu tun hat. Skater pflegen ihr Image als Asphalt-Rowdies. Und Disziplin und starre Regeln passen nicht zum lockeren Skater-Lifestyle.

Andi Nolte, 26 Jahre, ist in der Skateboard-Blütezeit aufgewachsen. Mit neun Jahren stand er das erste Mal auf dem Brett. Er fuhr ab und zu mal. Das reichte ihm irgendwann nicht mehr. Also stellte er sich immer häufiger aufs Skateboard. An den Fußballplätzen in Dremmen, im Skatepark in Hückelhoven, an der Schule in Porselen, später auf dem Skateplatz in Haaren oder einfach auf der Straße – das Brett war immer dabei. „Wenn ich mit meinen Eltern in Urlaub gefahren bin, musste das Skateboard immer mit. Ich wusste ja nie, ob es da nicht irgendwo einen super Skatepark gibt“, sagt er.

Wieder ins Rampenlicht

Ob er nun dafür oder dagegen ist, dass Skateboarden olympisch wird, könne er gar nicht in einem Satz sagen. Gut fände er es, weil die Sportart dadurch noch einmal richtig ins Rampenlicht käme. Heute beginnt kaum noch ein Jugendlicher damit, Skateboard zu fahren. Aktuell sind Longboards der letzte Schrei. Und mit denen rollt man übers flache Land, für Tricks und Sprünge sind die langen Bretter nicht ausgelegt. Auf der anderen Seite kann sich Andi Nolte nicht vorstellen, wie eine faire Auswahl des Skate-Olympia-Teams ablaufen soll. Die Leute, die professionell skaten, seien oft gar nicht die besten Sportler, findet er. Geld könne man nur verdienen, wenn man einen Sponsor findet.

Und diese Firmen schauen nicht nur auf das technische Können, sondern auch auf die Werbewirkung ihrer Skater. Da spielt auch eine Rolle, wer die besten Videos von sich ins Netz stellt und damit die meiste Aufmerksamkeit erregt. Das müssen nicht immer die besten Fahrer sein. Außerdem gibt es keine Vereine und Ligen, über die sich gute Skater nach oben arbeiten können. Kurzum: Ob bei den Spielen wirklich die besten Sportler fahren würden, ist fraglich.

Überhaupt findet Andi Nolte, dass sportliches Kräftemessen nicht zum Skaten passt. „Ich sehe das persönlich nicht als Wettkampfsport. Ich mache das für mich“, sagt er. Bei Wettbewerben sei er zwar schon angetreten. Aber wenn er bei einem Contest – so nennen die Skater ihre Turniere – dabei war, dann meistens in der Jury. Deshalb weiß er auch, wie schwierig es ist, ein einheitliches Bewertungssystem zu finden. Soll es eher darum gehen, ein Programm flüssig durchzufahren, oder kommt es auf den einen, technisch herausragenden Trick an? Solche Fragen müsste man erstmal beantworten.

Die Wurzeln im Asphalt

Bei allem Festhalten an den Wurzeln des Skatens, die in den 1990er und frühen 2000er Jahren tief in den Asphalt deutscher Straßen und Plätze wuchsen, ist doch klar, dass sich der Sport entwickelt. Besonders in den USA entfernt sich das Skaten vom reinen Fun-Sport. Die Stars der Szene trainieren genauso hart wie Profis in anderen Sportarten. Professionelle Strukturen gibt es bereits in der amerikanischen Street League.

Viele Skater fürchten, ihre Leidenschaft an große, szenefremde Sponsoren zu verkaufen. Dass das längst schon passiert, zeigen Millionendeals von Skatern und Skate-Firmen sowie Veranstaltungen mit Giganten wie Nike, Toyota oder Red Bull. Bei Wettbewerben werden mittlerweile dank dieser Sponsoren Preisgelder von bis zu einer Million Dollar ausgelobt. Die Events werden in den USA live im Fernsehen übertragen.

Dem IOC würden olympische Skate-Wettbewerbe gleichwohl ins Konzept passen. Sie könnten die Spiele für junge Leute attraktiver machen, sagte IOC-Präsident Thomas Bach kürzlich. Und 2014 in Nanjing hatte Skateboarden schon einen Platz bei Jugend-Olympia.

Auch wenn Andi Nolte der Sache noch etwas skeptisch gegenübersteht, würde er sich die olympischen Wettbewerbe im Fernsehen anschauen: „Ich fände es gut, wenn das Skaten mal wieder mehr in die Öffentlichkeit kommen würde.“

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