Schwester Emilie wird auch 157 Jahre nach ihrem Tod noch verehrt

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
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Die Künstlerin Carla Bosma hat die Büste für den Emilie-Schneider-Platz gestaltet, die 2009 eingesegnet wurde. Foto: mib
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Für das Porträt hat Schwester Emilie Schneider übrigens nie selbst Model gesessen, sondern eine Schwester, die ihr ähnlich sah. Foto: mib
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An Schwester Emilie Schneider erinnern an ihrem Geburtsort ein Platz, eine Straße, eine Büste, ein Gedenkstein und eine Tafel an der ehemaligen Kirche St. Jan-Klus. Foto: mib
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An Schwester Emilie Schneider erinnern an ihrem Geburtsort ein Platz, eine Straße, eine Büste, ein Gedenkstein und eine Tafel an der ehemaligen Kirche St. Jan-Klus. Foto: mib
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An Schwester Emilie Schneider erinnern an ihrem Geburtsort ein Platz, eine Straße, eine Büste, ein Gedenkstein und eine Tafel an der ehemaligen Kirche St. Jan-Klus. Foto: mib
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An Schwester Emilie Schneider erinnern an ihrem Geburtsort ein Platz, eine Straße, eine Büste, ein Gedenkstein und eine Tafel an der ehemaligen Kirche St. Jan-Klus. Foto: mib
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An Schwester Emilie Schneider erinnern an ihrem Geburtsort ein Platz, eine Straße, eine Büste, ein Gedenkstein und eine Tafel an der ehemaligen Kirche St. Jan-Klus. Foto: mib

Waldfeucht-Haaren/Düsseldorf. Ein Zipfel ihres Kleides als Reliquie, eine Berührung ihres Körpers mit dem Rosenkranz, ein Blick auf ihr friedliches Gesicht erhaschen: Wer Schwester Emilie gekannt hatte, wollte ihr noch in den Tagen nach ihrem Tode nahe sein.

„Das war eine Heilige“, raunten die Menschen, das berichtet ihr Beichtvater Rektor Joseph von der Burg später. Schwester Emilie Schneider hatte ihr Leben, das genau 38 Jahre, sechs Monate und 15 Tage dauerte, ganz der Pflege der Armen, Kranken und Alten gewidmet. Und natürlich Gott.

30 Jahre nach dem Tod

Aber ganz so einfach ist es mit dem Heiligwerden nicht. Zuvor muss Rom einen Menschen selig sprechen. Und damals im Jahr 1859 durfte der Seligsprechungsprozess erst 30 Jahre nach dem Tod beginnen. Heute geht es schneller, da muss nur fünf Jahre gewartet werden. Und bei besonderen Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II (drei Monate) und Mutter Theresa von Kalkutta (zwei Jahre) gilt auch diese Frist nicht. Ein solcher Prozess dauert manchmal einige Jahre, öfter aber Jahrzehnte.

Der Seligsprechungsprozess von Schwester Emilie Schneider, die als Julie Schneider in Haaren geboren wurde, steckt allerdings „im Stau“, wie es Pfarrer Dr. Thomas Vollmer ausdrückt. Er schaut während des Gesprächs immer wieder auf ein kleine Gebetsbild der Schwester des Ordens der Töchter des Heiligen Kreuzes. Schon als er als Messdiener in der Kapelle des Düsseldorfer Theresienhospitals diente, hat er sich mit der Person Emilie Schneider befasst. Denn dort hat sie sechs Jahre lang als Oberin gewirkt. Dort sie gestorben. Dort ruhen ihre Gebeine. Heute begleitet er als Vizepostulator den Prozess der Seligsprechung von Düsseldorf aus.

Der Prozess wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1926 begonnen, hat sich aber aus mehreren Gründen verzögert, schreibt Irmgard Wolf in ihrer wissenschaftlichen Arbeit, die sie über Schwester Emilie Schneider unter dem Titel „Ihr Leben, ihr Wirken, ihre Düsseldorfer Zeit“ veröffentlicht hat.

Der zweite Weltkrieg brach an, es gab keine lebenden Zeugen mehr, so dass erst durch umfangreiche Recherche dokumentiert werden musste, dass ihr Leben von Glaube, Liebe und Hoffnung bestimmt war. Zwar hatten die Schwestern ihres Ordens bereits kurz nach ihrem Tod sorgsam Erinnerungen und Berichte gesammelt, aber es dauerte bis 1934 bis dieser erzbischöfliche Informationsprozess abgeschlossen war.

1940 wurde festgestellt, dass ihre Schriften mit den kirchlichen Lehren übereinstimmen. Fehlte nur noch ein Wunder. Denn das ist eine Bedingung für die Seligsprechung, also die höchstpäpstliche Erlaubnis, einen Menschen vor Ort öffentlich zu verehren und ihn um seine Fürsprache bei Gott zu bitten. Das oder ein Tod als Märtyrer.

Dann, 1965, starb der Postulator. Der Prozess wurde unterbrochen. Erst 1984 wurden in Rom der Postulator und im örtlichen Bistum in Köln der Vizepostulator neu ernannt, so dass es weitergehen konnte.

1992 übergab der damalige Postulator in Rom, Prälat Dr. Helmut Moll, Berichte über zwei medizinisch nicht erklärbare Heilungen der römischen Kongregation für Seligsprechungsverfahren. Ein Staatsanwalt aus Koblenz und eine Ordensschwester aus Düsseldorf bezeugten, dass sie durch die Fürsprache von Schwester Emilie von ihren todbringenden Krankheiten genesen seien und legten ärztliche Dokumente vor.

Doch es reichte nicht. Zwar erkannte Papst Benedikt XVI ihr am 6. Juli 2007 den heroischen Tugendgrad zu, allein, die Wunder überzeugten die römische Kommission nicht.

Das zeige, „dass es strenge Regularien gibt, die erfüllt werden müssen“, erklärt Vizepostulator Vollmer. Das Verfahren sei „streng wissenschaftlich und kein Schmu“, sagt er lax. Natürlich sei das Scheitern ernüchternd und enttäuschend. Und man wisse nicht, ob es überhaupt je gelingen wird, die wundersame Kraft eines Gebets an Emilie Schneider zu bestätigen. Für ihn persönlich ändert das allerdings nicht viel. Er wird weiter an die tiefgläubige, disziplinierte, demütige Frau erinnern, und er wird weiter einmal im Monat eine Messe zu ihren Ehren halten.

Eine solche Messe gibt es auch in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Haaren (die nächste am Donnerstag, 14. Juli, 18 Uhr). Vor allem für Kranke wird gebetet. Sofie und Heinz Schröder besuchen sie regelmäßig. Sie gehören zu den Haarener Emilienfreunden, die sich trotz des Rückschlags dafür einsetzen, dass die Verehrung für Schwester Emilie lebendig bleibt. Die weiter hoffen, beten, glauben. „An ihrem Todestag, dem 21. März, sieht man, wie stark die Bewegung ist“, erzählt Heinz Schröder. Einen Bus für 50 Personen bekommt die Gemeinschaft immer voll, wenn sie nach Düsseldorf fahren, um der Gedenkmesse zu lauschen.

Einen Sprecher haben die Emilienfreunde nicht, doch bei Heinz Schröder wird fündig, wer Informationen zu der tugendhaften Haarenerin sucht. Das liegt vermutlich daran, dass sein Sohn Thomas gemeinsam mit seinem Freund Wilfried Schröders im Alter von 18 Jahren einen langen Artikel über das Leben der Schwester Emilie für eine Sonderausgabe der Zeitung des Historischen Vereins Waldfeucht verfasst hat. Das war im Jahr 1993.

Auf dem Esstisch der Familie Schröder liegen Bücher, Zeitungsartikel, Schriften. Und sie sind auch kundige Führer zu den Orten in Haaren, an denen an Emilie Schneider erinnert wird: der Findling an dem Ort, wo ihr Geburtshaus stand, die Tafel an der ehemaligen Stiftskirche St. Jan-Klus, in der sie vier Tage nach ihrer Geburt 1820 auf den Namen Juliane Eva Hubertina getauft wurde, die nach ihr benannte Straße, der Platz, an dem ihre Büste steht. Das Gemälde, das ihr ähnlich sehen soll, hängt noch im Pfarrraum der Kirche St. Johannes der Täufer. Erst wenn sie seliggesprochen wird, darf es in der Kirche aufgehängt werden. Dafür braucht es jedoch noch ein Wunder.

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