Schwerkranke Welpen im Heizungskeller gefunden

Von: Rainer Herwartz
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Franziska Steiner, Elisabeth Kremers und Barbara Macko (von links) kämpfen im Heinsberger Tierheim bis zur Erschöpfung um das Leben der kleinen Welpen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Für den Kreis Heinsberg sei es ein absolutes Novum, sagt Sina Braun, die Leiterin des Tierheimes in Kirchhoven. Und ein trauriges noch dazu. Selbst deutschlandweit sei der Fund der außergewöhnlich jungen Welpen eine Seltenheit.

Fast täglich lese man in den Zeitungen über beschlagnahmte Hundewelpen, die aus Osteuropa nach Deutschland eingeschleust werden. „Nun traf es uns: Veterinäramt und Polizei riefen uns zu einem Haus in Dremmen, in dem abgeschieden von der Außenwelt, in einem dunklen Heizungskeller 19 Welpen in ihren eigenen Ausscheidungen saßen. In der Wohnung fanden sich weitere fünf Babys, allesamt Flaschenkinder. Alle illegal ins Land geschmuggelt, um hier verkauft zu werden.“

Das die kleinen Hundebabys krank, mager und in keinem guten Zustand waren, sahen die Tierschützer auf den ersten Blick. Die Jüngsten waren geradeeinmal zweieinhalb Wochen alt, keines der Tiere wohl älter als sieben Wochen. „Einen Tag später brachte uns das Veterinäramt noch drei Welpen, die schon verkauft worden waren.“ Zwei der kranken Hündchen sind mittlerweile gestorben.

Ansteckende Parasiten

Spulwürmer und die hochansteckenden Dünndarmparasiten Giardien machen den unterernährten Welpen das Leben schwer. „Die Tiere erhalten derzeit täglich eine medikamentöse Therapie und werden adäquat gefüttert“, sagt Bianka Mai, die Vorsitzende des Tierschutzvereins für den Kreis Heinsberg. „Bei Bedarf werden auch Infusionen gelegt. Die Kleinen gehen halt jetzt durch eine Talsohle, das kann man nicht beschönigen.“ Wichtig sei in diesem Zusammenhang die absolute Sauberkeit bei der Unterbringung, „da sich die Welpen an ihrem eigenen Kot erneut infizieren können“, beschreibt Bianka Mai die gefährliche Situation. „Für unsere Mitarbeiter bedeutet das Schwerstarbeit und höchste Konzentration.

Alle Hygienemaßnahmen müssen peinlich genau eingehalten werden.“ Sich zehn bis 20 Mal am Tag umzuziehen, ist für die Tierpfleger, die im Quarantänebereich die Welpen betreuen, schon zum Standard geworden. Drei Tierpfleger und drei Auszubildende sind im Moment für das gesamte Tierheim zuständig. Und die Gefahr, dass auch andere Hunde angesteckt werden könnten, sei nicht zu unterschätzen. Das müsse dringend verhindert werden. 80 Katzen, noch 26 weitere Hunde und einige Kleintiere gelte es momentan zu versorgen. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes könne das Tierheim übrigens noch eine zusätzliche Kraft beschäftigen, sagt Bianka Mai.

„Auch Decken, Handtücher und ähnliches Gebrauchsmaterial werden am Tag mindestens fünfmal gewechselt, dann in Plastiksäcken dicht verpackt und so dem Restmüll zur Verbrennung zugeführt. „Zum Glück haben durch einen Facebook-Aufruf schon so viele Menschen brauchbare Dinge gespendet, dass wir für die nächsten Wochen gut gerüstet sind“, freut sich Sina Braun über die Hilfsbereitschaft.

Nicht Vorschub leisten

„Wir stellen zudem fest, dass die Menschen immer mehr hinschauen“, erklärt Bianka Mai und richtet gleichzeitig einen Appell an die Bevölkerung, dem illegalen Welpenhandel Einhalt zu gebieten, wenn es irgendwie geht. „Wenn sich eine Anzeige über Welpenverkauf so günstig darstellt, dass es eigentlich zu gut klingt um wahr zu sein, ist in der Regel auch nichts Gutes dahinter.“ Außerdem müsse die Mutter dabei sein, wenn die Welpen unter acht Wochen alt seien, ergänzt Sina Braun. „Sonst ist es nicht seriös.“ Einen seriösen Züchter koste die Welpenaufzucht pro Tier bis zur Abgabe nach etwa acht Wochen inklusive Futter und Impfungen zwischen 300 und 400 Euro – bei gesunden Tieren.

Immer einfach sei es selbstverständlich nicht, zu widerstehen, räumt Bianka Mai ein. „Das Pro-blem ist natürlich, wenn man die hilflosen armen Würmchen sieht, überborden die Gefühle und man möchte zumindest einem eine bessere Zukunft schenken. Aber letztlich leistet man diesen kriminellen Machenschaften so Vorschub. Man sollte an dieser Stelle lieber das Veterinäramt einschalten. Dieser Schritt hat ja auch unseren Welpen das Leben gerettet.“ Sina Braun sieht das genauso. „Wir haben hier im Kreis, das muss einmal gesagt werden, ein vorbildlich agierendes Veterinäramt.“

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