Schulleiter sehen in Gesamtschule keine Gefahr

Von: Rainer Herwartz
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Nur noch wenige Tage, dann beginnt das neue Schuljahr. Doch nicht nur für die Mädchen und Jungen, auch für sieben Schulleiter und Stellvertreter wird in Heinsberg viel Neues zu erleben sein. Foto: dpa

Heinsberg. Die gute Nachricht vorweg: einstimmig, ohne Gegenstimme und nicht mit einer einzigen Enthaltung votierten die Mitglieder des Heinsberger Rates in ihrer letzten Sitzung dafür, die Weichen für die Einrichtung einer Gesamtschule im Schulzentrum Oberbruch zu stellen. Damit fand ein monatelanger Disput zwischen der CDU auf der einen Seite und SPD, Grünen und FDP auf der anderen ein versöhnliches Ende.

Naja, zumindest beinahe. Wenn nicht Erwin Hausmann von der FDP kurz vor der Abstimmung noch einmal kurz den Stachel gelöckt hätte.

„Wohlwollend nehmen wir zur Kenntnis, dass die CDU-Fraktion nach erbittertem Widerstand den Elternwillen nicht nur im wörtlichen Sinne toleriert, also erduldet, nein, sie akzeptiert ihn sogar und stimmt einem entsprechenden Antrag zu“, legte Hausmann los, um dann von einer „erschreckenden Machtdemonstration der absoluten Mehrheit“ im Vorfeld zu sprechen und davon, dass die CDU den Elternwillen „mit Füßen getreten“ habe. „Offensichtlich hatten hier die anderen Fraktionen das Ohr näher am Bürger“, meinte er.

Die CDU allerdings ließ sich diesmal nicht aus der Reserve locken und verzichtete auf eine offene Erwiderung. Dies übernahm jedoch Bürgermeister Wolfgang Dieder, der süffisant bemerkte, man müsse auch nicht zu jedem Spiel ein Kartenspiel mitnehmen, vor allem, wenn es sich um Nachkarten handele.

Im Arbeitskreis Schulentwicklung hätten sich letztlich alle Beteiligten für die Einrichtung einer Gesamtschule ausgesprochen, berichtete Dieder. „Aus Sicht der teilnehmenden Schulleiter, insbesondere der Schulen, die auslaufen würden, hielt sich zwar die Begeisterung in Grenzen, aber niemand war dagegen.“ Nicht zuletzt zum Bestandsschutz der übrigen weiterführenden Schulen in der Stadt solle, so sei die einhellige Meinung gewesen, über eine Vierzügigkeit der Gesamtschule nachgedacht werden. Letzteres würde bedeuten, dass die Anmeldezahlen auf 100 Schüler beschränkt blieben. In den nächsten Schritten werden nun ein anlassbezogener Schulentwicklungsplan erstellt und der Bezirksregierung vorgelegt, die benachbarten Städte über das Vorhaben informiert und die Schulkonferenzen von Realschule und Hauptschule in Oberbruch einberufen. In der nächsten Ratssitzung am 11. Dezember dürfte dann wohl die endgültige Beschlussfassung erfolgen.

Neben der neu einzurichtenden Gesamtschule werden dann ab dem nächsten Schuljahr nur noch das Kreisgymnasium, die Realschule im Klevchen und die Hauptschule an der Westpromenade als weiterführende Schulen im Heinsberger Stadtgebiet Grundschüler aufnehmen können. Die Leiter der etablierten Schulen waren auch am Arbeitskreis Schulentwicklung beteiligt und mussten quasi über einen zukünftigen Konkurrenten befinden. Da ist eine Frage nach ihrer Einschätzung wohl erlaubt.

„Der Arbeitskreis habe sich auf jedenfall bewährt“, sagt Annegret Krewald, die Leiterin des Kreisgymnasiums. „Es war eine sehr sachorientierte Atmosphäre. Die Heinsberger Schullandschaft wird vielfältiger und den Schülern werden viele gute Wege aufgezeigt. Ich bin sicher, dass wir alle gemeinsam eine gute Lösung finden werden.“ „Der Gutachter hat erklärt, dass die anderen Schulen von der Einrichtung einer Gesamtschule unberührt bleiben. Es wird sich zeigen, ob sich das bewahrheitet. Aber das Gymnasium als Schulform ist gut aufgestellt.“

Auch Reinhard Welters, Rektor der Realschule im Klevchen, verbreitet Zuversicht. „Ich bin froh, dass es zum Wohl der Schüler in unserer Stadt gelungen ist, Schulfrieden zu wahren.“ Durch die Bündelung der Kräfte sei auch die Existenz der anderen Schulen gesichert, glaubt Welters. „Über die Zukunft unserer Realschule mache ich mir keine Sorgen. Aufgrund unserer Attraktivität bei Eltern und Schülern starten wir schon seit Jahren fünfzügig ins neue Schuljahr. Was die Zahl der Qualifikanten für die gymnasiale Oberstufe angeht, liegen wir 20 Prozent über dem Landesdurchschnitt.“

Selbst die Hauptschule an der Westpromenade schnuppert Morgenluft. „Wir sind zukünftig wahrscheinlich die einzige Hauptschule im westlichen Kreisgebiet.“ Im nächsten Schuljahr sollen wieder Schüler aus den Grundschulen aufgenommen werden. In diesem Schuljahr hatte es bis zum ersten offiziellen Anmeldeschluss nur sieben Anmeldungen gegeben, so dass keine Klasse gebildet werden konnte. „Das Kollegium nimmt die Entscheidung durchweg positiv auf. Gerade für die älteren Kollegen gibt dies ein Stück Planungssicherheit.“ Zudem könne natürlich auch die gute Arbeit weiter fortgesetzt werden. „Leider werden wir als Hauptschule oft mit den größeren Städten verglichen, in denen völlig andere Situationen herrschen.“ Ab dem nächsten Schuljahr wird das wohl auch in der Heinsberger Schullandschaft der Fall sein.

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