Schuldiskussion ist „ideologisch vermint“

Von: mb
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Aufmerksame Zuhörer hatte Richard David Precht in der Erkelenzer Stadthalle bei der Veranstaltung des Vereins „Mentor – Der Leselernhelfer Kreis Heinsberg“. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Über ein volles Haus freute sich Heinrich Spiegel, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Mentor – Die Leselernhelfer Kreis Heinsberg“ bei der Auftaktveranstaltung des Vereins in der Erkelenzer Stadthalle am Franziskanerplatz mit Richard David Precht.

Mentor ist eine gemeinnützige Initiative, die Kinder aller Schultypen beim Erwerb ihrer Lese- und Sprachfähigkeiten unterstützt und fördert.

Initiiert und gegründet wurde der Verein von Thoma Pennartz, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Heinsberg, vor gut einem Jahr, als ebenfalls Precht als Gast der Kreissparkasse in Heinsberg über Moral und Vertrauen gesprochen hatte..

Die ehrenamtlichen Mentoren im Kreis Heinsberg treffen sich einmal wöchentlich in einer Schule mit dem „Lesekind“, um gemeinsam zu lesen, zu lachen, mit Sprache zu spielen. Individuelle Förderung ohne Zeit- und Notendruck ist die bestimmende Devise für diese Tätigkeit.

55 Mentoren wurden bisher durch ein professionelles Basiscoaching auf die Aufgabe der Leseförderung vorbereitet. „Weitere Mentoren, Mitglieder und Sponsoren sind herzlich willkommen“, sagte die Geschäftsführerin von „Mentor“ für den Kreis Heinsberg, Marie-Theres Jakobs Bolten am Rande der Veranstaltung.

Zwei Schirmherren

Gleich zwei Schirmherren der Mentor-Bewegung unterhielten das Publikum auf jeweils ganz eigene Weise: Alltagsphilosoph Hastenraths Will, der in Personalunion mit seinem eigentlichen Ich, Christian Macharski, Schirmherr für den Kreis Heinsberg ist, verriet, dass ein „Dispo, der zu überzogenen Reaktionen neigt“, ehrenamtliches Engagement beflügeln kann und sinnierte über Sparkassendirektoren, die auch im „maßgeschneiderten C&A-Anzug auf der Baustelle des Elfenbeinturms von Mensch zu Mensch mit den Schwarzarbeitern reden“.

Philosoph, Publizist und Erfolgsautor Richard David Precht, Schirmherr des Mentor-Bundesverbands, sagte in seinem Vortrag dem deutschen Schulsystem den Kampf an.

Prechts neues Buch

„Anna, die Schule und der liebe Gott . Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern“, so der Titel seines im April erschienenen Buches. Seine Zustandsbeschreibung des Schulsystem ist verheerend: Lernen sei auf vergessen programmiert, das dreigliedrige Schulsystem habe ausgedient, Zensuren führten nicht zu Motivation, Lehrer seien überfordert, Kinder von „Aufmerksamkeitsräubern umzingelt“.

Sieben Prozent aller Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss, jährlich werden drei Milliarden Euro für Nachhilfe ausgegeben. „Hartz IV ist die Entschädigung für verpasste Chancengleichheit“, so die Erkenntnis von Precht.

Der technische Fortschritt werde sich nicht aufhalten lassen. Reines Verfügungswissen sei auf Knopfdruck, über Brillen oder künftig vielleicht durch eine Augenlinse jederzeit abrufbar.

„Die Schule hat das Privileg verloren, Wissen weiterzugeben“, sagte Precht. Er fordert für jedes Kind die bestmögliche Förderung, individualisierten Unterricht, Öffnung der Klassenverbände, Pädagogenteams, projektbezogenes Lernen, Verknüpfung von Arbeits- und Schulwelt, Ehrenamtler in der Schule, Wahlmöglichkeiten nach Neigungen und Interessen, Abschaffung der Zensuren zugunsten persönlicher Begutachtung.

Er polarisiert und weiß das auch: „Die Schuldiskussion ist ideologisch vermint“.

Werbetrommel gerührt

Am Ende des Vortrages rührte der Hauptdarsteller des Abend noch einmal kräftig die Werbetrommel für die Leselernhelfer von Mentor: „Ich fordere die wenigen, die noch nicht dabei sind, auf: beteiligen sie sich!“ , bat Precht.

Es war ein außergewöhnlicher Abend für eine gute Sache: der Reinerlös der Benefizveranstaltung in der Stadthalle von Erkelenz kommt „Mentor Kreis Heinsberg“ zugute.

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