Schriftliche Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Von: Laura Emmerling
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Pfarrer Stefan Dreiser mit Sophie Huppertz: Sie ist die Schwägerin von Heinrich Küppers, an den die Gedenktafel erinnert. Foto: L. Emmerling

Erkelenz-Lövenich. Unter dem Titel „Ohne Treue wäre alles nichts“ organisierte der Pfarrer Sven Dreiser aus der Evangelischen Kirchengemeinde Lövenich eine musikalische Lesung von Feldpostbriefen und Predigten aus dem Ersten Weltkrieg. Zu diesem Anlass wurde auch eine Gedenktafel aufgestellt, die an vier Gemeindemitglieder erinnert, welche im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren.

Carmen Mevissen am Saxofon und Stefan Bimmermeister an der Orgel gaben dem Zuschauer mit ihrer Musik zwischen den Lesungen Zeit, das gerade Gehörte zu verarbeiten. Es war ein Abend, der nachdenklich machte und die Besucher der Hofkirche in die Zeit zwischen 1914 und 1918 zurückversetzte. Pfarrer Dreiser hatte zuvor dazu aufgerufen, ihm Feldpost aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zuzusenden. Die Resonanz, so Dreiser, war überraschend hoch: „Man hebt schließlich nicht mehr alles auf, und gerade im Zweiten Weltkrieg sind einige Dinge verloren gegangen“, so der Pfarrer. Schließlich waren dennoch fast 30 Briefe bei ihm eingegangen. „Für die Lesung habe ich mich auf zwei Familien beschränken müssen, damit es einen roten Faden gibt“, erklärte Dreiser. Die vorgelesenen Briefe wurden von Anneliese Heimanns aus Lövenich und Erna Schommertz aus Wegberg zur Verfügung gestellt.

Gleich zu Anfang der Lesung zitierte Dreiser eine Predigt von Bischof Markus Dröge, die am 29. Juni 2014 in Berlin gehalten wurde. Er gestand darin die Schuld der Kirche ein, die sich aktiv an der Mobilmachung beteiligte. Doch die Gefahren des Krieges wurden glorifiziert. Der Feldgeistliche Siegfried Eggebrecht schrieb in sein Tagebuch: „Da draußen, da ist Welt, da wird Geschichte gemacht.“ Erst als die Verlustlisten eintreffen, begann er, das ungeheure Ausmaß des Leids zu realisieren. „Was helfen da Worte von Ehre und Vaterland?“, notiert er im Januar 1915. Die Soldaten berichteten von ihrem Alltag in den Baracken und von der Angst, nicht zu ihren Lieben zurückzukehren. Johann Claßen schrieb: „Ob ihr mich nochmal wiederseht, das steht in Gottes Hand.“ Doch das Vertrauen zu Gott und die Treue zu seiner Familie spendeten ihm Trost.

Was bleibt, sei eine „Bilanz des Schreckens“, zitierte Pfarrer Dreiser am Ende der Lesung erneut Bischof Dröge. Gerade im Angesicht des unermesslichen Leids, das der Krieg verursacht hat, solle man entschlossen für den Frieden eintreten und die Erfolge der europäischen Einigung nicht kleinreden.

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