Schöne Grüße vom Gestern ans Heute: Schüler im Heimatmuseum

Von: Mirja Ibsen
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Der Eingang des Museums ist über den Parkplatz zu erreichen. Foto: mib
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Ein fröhliches Team: Erst vor kurzem hat Helene Phlippen ihr Amt als erste Vorsitzende des Heimatrings Myhl-Altmyhl in die Hände von Herbert Theißen (3.v.l) gelegt. Sie ist jetzt Ehrenvorsitzende. Um das Heimatmuseum im Keller der Kindertagesstätte Rosengarten, Schulstraße 1, kümmert sich vor allem Museumswart Nobert Randerath (2.v.r.). Foto: mib
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Ungewöhnliches Exponat: diese Uniform mit Hut und Orden hat dem Wassenberger Heinrich Stein (1885 bis 1966) gehört, der von 1907 bis 1910 in Afrika, Deutsch-Südwest, heute Namibia, in der Hauptstadt Windhuk, als Soldat der Schutztruppe gedient hat. Daneben hängt der Säbel eines Myhler Dorfpolizisten aus dem Jahr 1890. Foto: mib
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Eine mechanische Rechenmaschine der Marke Thales Patent führt Museumswart Norbert Randerath vor. Ein wenig fummelig, ein wenig sperrig, aber sie funktioniert noch. Foto: mib
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Dieser feine, weiße Treibsand ist in Myhl an einigen Stellen ganz dicht unter der Erdoberfläche zu finden. Damit wurden Holzböden geschrubbt oder Lehmböden abgedeckt. Foto: mib

Wassenberg-Myhl. Ein Fernseher, der aussieht „wie eine große Kiste“, ein klobiges Radio und ein Telefon, an dem man den „Dreher drehen muss, bis zu einem schwarzen Zeiger“, das sind für Schüler der Touch-Screen-Generation beeindruckende „alte Sachen“. Sachen, die bildlich im Kopf der Grundschüler hängen bleiben nach dem Besuch im Myhler Heimatmuseum, weil sie so ganz anders sind als die Dinge ihrer Smartphone- und Flachbildschirmrealität.

Deshalb geht es um Fernseher, Radio und Telefon als die Schüler für die Schulhomepage einen Bericht zum Museumsbesuch schreiben.

Leider funktioniere der Fernseher nicht, schreibt ein Schüler. Es klingt bedauernd. Wahrscheinlich hätte ihn das Programm von anno dazu mal interessiert. Aber in den fünf Kellerräumen der Alten Schule in Myhl gibt es auch viele Dinge, die funktionieren: mit der Bohnenschnibbelmaschine kann man noch Bohnen schnibbeln, mit der Wurstschneidemaschine Wurst schneiden, an dem Herd kochen – sofern man ihn mit Holz oder Kohle befeuert –, es ist halt Muskelkraft gefragt. Und genau das lernen die jungen Menschen im Heimatmuseum und die alten erinnern sich: Dass das Leben früher mit mehr Mühsal und Handarbeit verbunden war.

Dass diese alten Dinge aus Myhler Scheunen, Kellerräumen und von Dachböden gerettet wurden und eine neue Heimat gefunden haben, dafür hat der Heimatring Myhl-Altmyhl gesorgt. Das kleine Museum an der Schulstraße in Myhl liegt etwas versteckt. Wer es besuchen will, entdeckt zuerst einen grünen Wegweiser und dann das hölzerne Schild an dem großen Parkplatz.

Den Weg zum Eingang weist dann ein Aufsteller, den die Mitglieder des Heimatrings am Tor des Metallzauns aufstellen, wenn sie Besucher erwarten. Und unerwartet kommen keine Besucher, denn eine vorherige Anmeldung ist immer notwendig. Denn das Museum ist quasi nur ein Nebenprodukt der Arbeit des Traditionsvereins, dem heute 324 Mitglieder angehören. Er besteht seit August 1946 und organisiert Exkursionen, heimatgeschichtliche Führungen, Wanderungen und Müllreinigungsaktionen.

Im Jahr 1969 organisierte der Verein auch eine Ausstellung zur 700-Jahr-Feier. Der Verein rief die Myhler Bürger auf, ihm historische Sachen zu leihen. Die Ausstellung im Jugendheim war ein voller Erfolg. Die Leute kamen, sahen, staunten – und anschließend nahm jeder seine Sachen wieder mit. Denn es gab keinen Ort, an dem die Dinge hätten aufbewahrt oder gezeigt werden können.

Raum für historische Schätze

Das änderte sich, als im Mai 1997 die Wassenberger Feuerwehrleute beschlossen, dass das Gebäude der Alten Schule viel zu schade sei, um es abzureißen. Sie krempelten die Ärmel hoch und los ging es: Keller trockenlegen, neues Dach decken, Wände streichen. Die Stadt Wassenberg übernahm die Kosten. 1999 konnte der Heimatring mit all den historischen Schätzen, die sich inzwischen angesammelt hatten, in den Keller ziehen. Auch der Karnevalsverein hat dort seine Heimat, wo früher die öffentlichen Waschräume der alten Volksschule waren.

„Ich weiß, dass ich hier oft hingekommen bin, um zu duschen“, sagt Friedel Küppers, der heute Schriftführer des Heimatrings ist. Er erinnert sich noch gut an die bis zu den Decken gekachelten Räume mit den Duschen und Badewannen. Duschen kostete 20 Groschen. Abgucken konnte man da nichts: „Da war immer so viel Dampf drin, da war nicht viel zu sehen. Es waren ja keine Fenster drin.“

Heute gibt es Fenster im Keller der alten Volksschule. Und auch zu sehen gibt es jede Menge. Die 126,69 Quadratmeter sind immer noch zu wenig, um den historischen Stücken genug Raum zu geben. Die Butterfässer, Buttertrommeln und Butterschüsseln müssen ganz eng zusammenrücken, ebenso wie Ackergerät, Schaukelpferd, Jauchefass, Plätteisen, Türtrempel, Klompewerkzeug und die Wannmühle, weil da noch der Sandkarren Platz haben muss.

Wenn Schulklassen um die hölzerne Karre herumstehen, dann können Museumswart Norbert Randerath oder der erste Vorsitzende Herbert Theißen oder eben das Mitglied des Heimatrings, das sich die Zeit nimmt, die Kinder in die Geschichte Myhl einzuführen, erzählen, warum sich der Karnevalsverein Sankhasen nennt.

Sankhasen, so wurden früher die Leute genannt, die den Treibsand, der an einigen Orten in Myhl schon dicht unter der Erdoberfläche zu finden war, fleißig wie die Hasen ausbuddelten und dann direkt von ihren Schubkarren aus bis in die Nachbardörfer verkauften. Der sehr feine Sand war früher das, was Scheuermilch heute ist. Er sorgte mit dafür, dass der Holzfußboden aus ungestrichenen Brettern schön weiß blieb. Er wurde auch als Stubensand auf den festgetrampelten Lehm der Böden gestreut.

„Es gab noch viele weitere Sachen und es war ein toller Besuch“, schreibt Eric aus der 3a.

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