Selfkant - Schnitzkurs: Wenn die Tanne aus Lindenholz erwächst

Schnitzkurs: Wenn die Tanne aus Lindenholz erwächst

Von: Anna Petra Thomas
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Es sind wundervolle kleine Kostbarkeiten: So können sie auch in Selfkant-Süsterseel aussehen, die kleinen Schnitzarbeiten nach dem Vorbild der uralten Tradition aus dem Erzgebirge. Foto: Anna Petra Thomas
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Großer Andrang herrschte bei Tischler Frank Rombey zum vorweihnachtlichen Schnitzkurs in der Süsterseeler Werkstatt. Foto: Anna Petra Thomas
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Falk Wolf zeigte, wie mit dem Schnitzmesser ein kunstvolles Figürchen entstehen kann. Foto: Anna Petra Thomas

Selfkant. Einen Mann mit Pfeife und Hund, der gerade seinen Weihnachtsbaum geschlagen hat, kleine und große Tannen, auf denen Vögel sitzen, einen Hirsch, ein Reh und allerlei weiteres, kleines Getier, sogar die Pilze auf dem Boden hat Falk Wolf selbst geschnitzt für die Waldidylle aus Lindenholz, die rechts und links von zwei Teelichtern verziert wird.

Vor drei Jahren hat es den Mann aus dem Erzgebirge in den Selfkant verschlagen, des Berufs seiner Frau wegen. Auf der Suche nach Holzspänen für seinen Räucherofen lernte er Tischler Frank Rombey aus Süsterseel kennen. Die beiden kamen ins Gespräch und so erfuhr Rombey von Wolfs seltenem Hobby.

Quasi zu Weihnachten erfüllte sich Rombey jetzt den Wunsch, das Hobby der Schnitzerei aus dem Erzgebirge auch hier in der Region bekannter zu machen. Gemeinsam mit seiner Frau Elke, Sohn Jakob (15) und Tochter Jule (17), die gerade ihr zweites Ausbildungsjahr als Tischlerin absolviert, machte er sich ans Werk. Ein großer Tisch wurde gebaut und bereits zersägte, dicke Baumstämme zu langen Sitzbänken zusammengeschnürt. Schnitzmesser und sogenannte Hohleisen wurden besorgt, dazu Handschuhe und jede Menge Pflaster. Direkt aus dem Erzgebirge hatte Wolf gutes Lindenholz in den Selfkant „importiert“.

Die Überraschung der Rombeys war groß, als dann nicht nur viele Kinder, sondern auch Erwachsene oder sogar gleich drei Generationen einer Familie nach und nach in der Werkstatt eintrudelten. Alle wollten lernen, wie die kleinen Holzfiguren im Erzgebirge entstehen. Schon vor Hunderten von Jahren griffen dort die Bergleute und Bauern in der waldreichen Gebirgsgegend nach Feierabend gerne zum Schnitzmesser, um ihre Erlebnisse in Holz zu verewigen. Heute finden sich viele Menschen in ihrer Freizeit in Vereinen und Schnitzergruppen zusammen, um in kunstvoller Handarbeit kleine Kostbarkeiten zu schaffen. Vereine dieser Art seien im Erzgebirge genauso normal wie hier in unserer Gegend Karnevalsgesellschaften oder Schützenbruderschaften, erklärte Rombey den Besuchern.

Und dann ging‘s los. Paulina (8) aus Gillrath war auch schon ganz aufgeregt. Ihr hatte das Schnitzerlebnis bei den Rombeys der Nikolaus gebracht. Als erstes galt es, einen passenden Handschuh auszuwählen für die Hand, die nicht zum Schnitzen gebraucht wurde. Dann gab‘s ebenfalls zum Schutz je ein Pflaster um den Daumen und den Zeigefinger der Hand, die das Schnitzmesser halten sollte.

Als das geschafft war, durften sich alle Teilnehmer einen vorbereiteten Rohling aussuchen. Ganz beliebt waren die Tannenbäume, aber auch die Wildschweine und die kleinen Füchse. Wer wollte, konnte aber auch damit beginnen, den kleinen hölzernen Untersatz mit dem Hohleisen zu bearbeiten. Auf ihm sollten die Schnitzarbeiten später ihren Platz finden.

„Vorsichtig! Nicht mit Gewalt!“, mahnte Wolf. „Immer von der breiten zur schmalen Seite“, erklärte er, wie es den Teilnehmern sehr schnell gelingen sollte, dem Wildschwein eine Kontur zu geben. Für die Tannenbaumschnitzer galt es zudem, zunächst Querrillen von Baumspitze zu Baumspitze zu schneiden und ihn erst dann vertikal mit dem Hohleisen zu verzieren. „Das dauert seine Zeit“, fügte er hinzu.

Doch Groß und Klein machten sich recht gelassen ans Werk. „Jetzt komm ich so langsam rein“, sagte Paulina, als sie auf der einen Seite des Tannenbaums fast an der Spitze angelangt war. Wolf war derweil unterwegs und gab wertvolle Tipps. Nach zwei Stunden konnten sich die ersten Ergebnisse schon sehen lassen. Die einen hatten ihren Untersatz schon fertig, die anderen ihre Tanne oder eines der Tiere.

Nachdem die von den Rombeys für alle vorbereiteten Brötchen schnell verdrückt waren, ging‘s weiter, und am Ende der völlig unfallfrei verlaufenen Schnitzaktion war jeder Teilnehmer glücklich mit einer kleinen Ausgabe der Landschaft, die Wolf ihnen als Muster hingestellt hatte. „Man muss sie nur beschäftigen. Hier liegt kein Handy rum“, stellte Günter Peters aus Süsterseel fest, der mit seinem Enkel gekommen war. Und vielleicht findet sich ja unter den jungen Teilnehmern nun sogar einer, der auf den Geschmack gekommen ist, was seine berufliche Zukunft angeht. Das hofft jedenfalls Frank Rombey. „Der ein oder andere hat ein solches Werkzeug vielleicht sogar schon zu Hause im Keller gefunden, aber schnell wieder in die Ecke geworfen“, sagt er. „Hier haben heute alle ein Erfolgserlebnis gehabt.“ Es müssten ja nicht alle Tischler werden. Aber wenn den Kindern die Möglichkeiten des Handwerks nicht aufgezeigt würden, ginge viel Potenzial verloren, meint er und will seine Initiative dafür auf jeden Fall wiederholen.

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