Wegberg - Schmerzzentrum umgezogen: Medizin liegt für Ältere sehr im Argen

Schmerzzentrum umgezogen: Medizin liegt für Ältere sehr im Argen

Von: Norbert F. Schuldei
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Wegberg. Das Regionale Schmerz- und Palliativzentrum in Erkelenz gibt es nicht mehr – Dr. Klaus Längler ist mit seinen Mitarbeitern nach Wegberg umgezogen. „Die neuen Räumlichkeiten hier in direkter Nähe zum Antonius-Krankenhaus sind barrierefrei und damit auch für Rollstuhlfahrer bestens geeignet“, sagt Längler.

Denn viele, wenn nicht die Mehrzahl seiner Patienten, sind in irgendeiner Form nicht mehr so mobil, wie das in jüngeren Jahren eher die Regel ist. Und der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie hat mit dem Einzug in das neue „Domizil“ auch einen weiteren, für den Kreis Heinsberg bisher nicht vorhandenen Schwerpunkt für seine Arbeit ins Auge gefasst. „Die Schmerzmedizin für ältere Menschen liegt hier im Kreis Heinsberg noch brach“, sagt Längler.

Dabei wird gerade diese Bevölkerungsgruppe in den kommenden Jahren überproportional wachsen: Nach einer Erhebung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) aus dem Mai 2007 wird sich bis zum Jahr 2025 der Anteil der 60-Jährigen und älteren Bewohner im Kreis Heinsberg von 22,7 Prozent auf 30,9 Prozent erhöhen.

Ein Qualitätszirkel

„Wir werden uns im Qualitätszirkel Schmerz- und Palliativmedizin, der sich regelmäßig trifft, in den kommenden Monaten intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir ältere Menschen, die schmerzmedizinisch versorgt werden müssen, zur richtigen Einstellung stationär versorgen können.“ Außer in der geriatrischen Abteilung am Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz ist, so Längler, sei im Kreis Heinsberg eine stationäre schmerzmedizische Versorgung älterer Menschen bisher nicht möglich.

„Älteren Menschen mit chronischen Schmerzen können wir mit Medikamenten helfen, sicher. Aber: Das sind in der Regel starke Medikamente, die natürlich auch mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind“, sagt Längler.

Intensive Gespräche

Um diese Menschen auf die Medikation richtig einzustellen, sei eine zeitlich begrenzte stationäre Beobachtung das Sinnvollste. „Wie wir das angehen und wie wir das dann für den ganzen Kreis organisieren, darüber werden wir uns demnächst unter Kollegen intensiv unterhalten. Und“, betont er, „wir werden auch hier die Krankenkassen einbinden“.

Die sind bereits seit Anfang dieses Jahres vertraglich in die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im Kreis Heinsberg – wie übrigens unter anderem auch in der Städteregion Aachen – eingebunden, wodurch eine umfassende häusliche Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen möglich gemacht wird. „Die Patienten können so auf ihren Wunsch zu Hause sorgsam medizinisch und pflergerisch, bei Bedarf auch rund um die Uhr, versorgt werden“, so Längler.

Die Schmerzlinderung

Ziel der Palliativmedizin ist die Schmerzlinderung bei Patienten mit schwersten, unheilbaren Erkrankungen. Beteiligt sind an der SAPV im Kreis Heinsberg neben der AOK Rheinland/Hamburg und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein die Ersatzkassen im Verband der Ersatzkassen (vdek), 76 Betriebskrankenkassen, die IKK classic sowie die Knappschaft und die Landwirtschaftliche Krankenkasse NRW.

Nicht beteiligt: Die privaten Krankenkassen. „Ja“, sagt Klaus Längler, „Todkranke mit Privatversicherung können sich nicht darauf verlassen, dass ihr Versicherer eine umfassende Palliativversorgung zahlt. Die Privaten haben den Vertrag im Kreis Heinsberg nicht mit unterschrieben“.

Der Pflegedienst

Im Kreisgebiet stehen für die Versorgung der Kassen-Patienten acht qualifizierte, niedergelassene Palliativ-Ärzte aus den Fachgebieten Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Anästhesiologie, spezielle Schmerztherapie, Notfallmedizin und Urologie zur Verfügung. Dazu kommen 23 qualifizierte Palliativ-Pflegefachkräfte und vier Vollzeitkräfte des Palliativ-Pflegedienstes, der im Kreis Heinsberg federführend vom Caritas-Verband betrieben wird. „Unser Ziel ist es, schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein Leben in Würde und mit emotionaler Zuwendung zu ermöglichen“, sagt Klaus Längler.

Die treibende Kraft

Er ist federführend und treibende Kraft dieses Netzwerkes im Kreis Heinsberg. In den neuen Räumen am Antoniusweg 4 in Wegberg hat er mit seinem Team auf 155 Qua-dratmetern jetzt ideale Behandlungsvoraussetzungen – gerade auch für Patienten mit motorischen Behinderungen.

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